Jahresrückblicke

[ Rückblick ] Buchlieblinge 2019

Jahreshighlights 2019

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2019 habe ich weniger gelesen als sonst, aber es waren prozentual gesehen mehr Highlights. Liegt es daran, dass ich inzwischen sorgfältiger aussuche, oder war es einfach Glück? So oder so:

Jahreshighlight: Meine Buchlieblinge 2019

Dörte Hansen Mittagsstunde

Dörte Hansen: Mittagsstunde

Aus meiner Rezension:

Dörte Hansen beschreibt mit viel Wärme, aber ohne platte Heimatidylle, das Ende einer Ära. Die Flurbereinigung hat Brinkebüll erreicht, die kleinen Bauern müssen einsehen, dass die alten Traditionen nicht mehr ausreichen, um von der Landwirtschaft leben zu können… Die Menschen von Brinkebüll sehen sich mit dem Untergang ihrer kleinen Welt konfrontiert.

Auch wenn es manchmal schmerzt, ist das Buch doch immer wunderbar, mit einem klaren Schreibstil voller einprägsamer Bilder und lebendigen Charakteren, mit denen man trotz ihrer Schwächen mitfühlt.

Meine Rezension zu “Mittagsstunde”

Orchis

Verena Stauffer: Orchis

Aus meiner Rezension:

Ein junger Botaniker erlebt auf einer Expedition nach Madagaskar sowohl Erfüllung als auch grausamste Enttäuschung und verliert darüber den Bezug zur Realität: in seiner Wahrnehmung wächst aus seiner Schulter eine wunderschöne Orchidee. Seine Eltern wissen sich nicht anders zu helfen, als ihn in eine Nervenheilanstalt einzuweisen.

Die Handlung weiß immer wieder zu überraschen. Die zwiespältige Innenwelt des Protagonisten und seine psychische Erkrankung werden mit feinem Sinn für Psychologie ausgeleuchtet und gleichzeitig wie ein kafkaeskes Märchen erzählt – doch es ist vor allem der wortgewaltige Schreibstil, der mich bezaubert hat.

Meine Rezension zu “Orchis”

Han Kang Deine kalten Hände

Han Kang: Deine kalten Hände

Aus meiner Rezension:

Der Bildhauer Jang Unhyong ist bekannt für seine Gipsabdrücke von Körpern und Gesichtern. Die Leere dieser Hüllen spiegelt wider, wie verloren er sich fühlt in einer Welt der Masken, und wie überzeugt er von seiner eigenen inneren Leere ist. Als er verschwindet, nimmt sich die Schriftstellerin H. im Auftrag seiner Schwester seine Tagebuchaufzeichnungen vor und erfährt von seinen Beziehungen zu zwei Frauen, die beide auf ihre eigene Art die Unvereinbarkeit zwischen dem innersten Sein und dem äußeren Schein verkörpern.

So wunderbar die Sprache daherkommt, so schwer verdaulich ist oft der Inhalt. Die Charaktere und ihre Geschichte verstören, ekeln manchmal sogar an, machen es dem Leser alles andere als leicht – und dennoch würde ich das Buch jetzt schon als Jahreshighlight bezeichnen.
[ Die Rezension wurde im März geschrieben. ]

Meine Rezension zu “Deine kalten Hände”

Stummes Echo

Susan Hill: Stummes Echo

Aus meiner Rezension:

Die Geschwister Colin, Frank, May und Berenice hatten eine glückliche Kindheit auf dem Lande – oder nicht? Frank schreibt ein Buch über seine angeblich schreckliche Kindheit, das seine Eltern und Geschwister als Täter porträtiert. Alles eine Lüge? Selbst Frank glaubt nicht an die faktische Wahrheit seiner Erinnerungen – oder doch?

Die Wahrheit ist fließend in diesem Roman, die Erinnerungen sind trügerisch. Doch jeder kämpft im Stillen mit seinen Zweifeln, obwohl Franks Buch ein starkes emotionales Echo hervorruft.

Einfache, klare Wahrheiten und Antworten findet man hier nicht, und gerade deswegen entwickelte die Geschichte eine starke Sogwirkung auf mich. Ich habe das schmale Büchlein direkt zweimal hintereinander gelesen.

Meine Rezension zu “Stummes Echo”

Han Kang: Die Vegetarierin

Han Kang: Die Vegetarierin

Aus meiner Rezension:

Die unscheinbare, angepasste Yeong-Hye beschließt, sich fortan vegetarisch ernähren, was von ihrem Mann und ihrer Familie als unerhörter Akt der Rebellion betrachtet wird. Aber das beschreibt noch nicht mal annähernd, was im Laufe der Handlung alles auf nur 189 Seiten alles geschieht – bis hin zu einem konsequenten, surrealen Ende.

Habe ich das Buch verstanden? Ich weiß es nicht. Habe ich das Buch gerne gelesen? Absolut. Tatsächlich hat es sich bereits in das Regal meiner Lieblingsbücher eingereiht, wo es nun neben „Deine kalten Hände“ und „Menschenwerk“ steht und auf weitere Bücher von Han Kang wartet.

Es geht unter anderem um Unterdrückung und Anpassung in einem gesellschaftlichen System voller rigider Normen – und letztendlich um Verweigerung in der letzten Konsequenz. Das liest sich zunehmend skurril, dabei jedoch auf sonderbare Weise folgerichtig: anders kann es nicht enden.

Meine Rezension zu “Die Vegetarierin”

Josefine Klougart Einer von uns schläft

Josefine Klougart: Einer von uns schläft

Aus meiner Rezension:

Eine junge Frau kehrt in einer Zeit persönlicher Krise in ihr Elternhaus zurück, doch auch dort gerät alles aus den Fugen. Oder ist sie selbst es, die aus den Fugen gerät? Oder war es immer schon so? Liebe und Verlust. Heimat, deren Enge sie kaum mehr aushält. Alles verschwimmt ineinander, sie findet keinen Halt – jedoch großartige Worte.

Dieses Buch lebt von seiner grandiosen, überraschenden, eigenwilligen Sprache. Ein Buch zum Langsamlesen, um den Worten Zeit und Raum zu geben – für mich ist das ganz große Literatur in mit 222 Seiten vergleichsweise kleiner Verpackung.

Meine Rezension zu “Einer von uns schläft”

Ian McEwan: Menschen wie ich

Ian McEwan: Maschinen wie ich

Aus meiner Rezension:

Lebemann Charlie steckt ein kleines Vermögen in die Anschaffung des Androiden Adam und erlaubt seiner Nachbarin Miranda, in die er heimlich verliebt ist, an dessen Programmierung mitzuwirken. Adam ist jedoch überzeugender als erwartet, und vor allem scheint er schon bald echte Gefühle zu entwickeln – für Miranda.

Ich fand das Buch scharfsinnig, vielschichtig und hochinteressant, gerade weil es den Leser aus seiner Komfortzone holt. Adam, die Maschine, und Charlie und Miranda, die Menschen, zeigen in ihrer Interaktion deutlich die Schwächen und auch die Scheinheiligkeit des Homo Sapiens. Letztendlich sind es die Maschinen, die an der menschgemachten Schlechtigkeit der Welt verzweifeln.

Meine Rezension zu “Maschinen wie ich”

Buchcover Kathrin Spoerr, Britta Stuff Nach Feierabend

Kathrin Spoerr, Britta Stuff: Nach Feierabend

Aus meiner Rezension:

Bin ich auf der Arbeit ein anderer Mensch als nach Feierabend? In einer Anzahl von Kurzgeschichten folgt der Roman verschiedenen Charakteren vom Arbeitsleben in die Privatsphäre, und da tut sich ganz unspektakulär so mancher Abgrund auf.

Eine übergreifende Handlung gibt es nur in Grundzügen, aber das Buch liest sich großartig – amüsant, clever geschrieben, überraschend und durchaus mit Tiefgang.

Meine Rezension zu “Nach Feierabend”

Das Mädchen an der Grenze

Thomas Sautner: Das Mädchen an der Grenze

Aus meiner Rezension:

Malina lebt mit ihrer Familie nahe der österreichisch-tschechischen Grenze, zur Zeit des Berliner Mauerfalls. Aber es sind nicht nur die gesellschaftlichen Spannungen der Zeit, die sie beschäftigen: ihre Wahrnehmung deckt sich nur selten mit der Wahrnehmung anderer Menschen, ihre Wirklichkeit ist ein sehr fragiles Gefüge.

Immer wenn man glaubt, man hätte die Grenzen von Malinas Welt ausgelotet, eröffnet sich ein weiterer Aspekt, der alles verändert. In ihrem Innenleben wie in ihrem physikalischen Umfeld passiert sehr viel, und manchmal alles gleichzeitig. Verschiedene Handlungsstränge überlappen sich oder verlaufend fließend ineinander, so dass es nicht immer einfach ist, den Überblick zu bewahren.

Das sollte vielleicht nicht funktionieren, aber bei diesem Buch, in dem es um Grenzen und Grenzübschreitungen geht, funktioniert es meines Erachtens sehr gut.

Meine Rezension zu “Das Mädchen an der Grenze”

Helene Bukowski: Milchzähne

Helene Bukowski: Milchzähne

Aus meiner Rezension:

Skalde und ihre Mutter Edith sind widerwillig geduldete Außenseiter in einer kleinen Gemeinschaft, die versucht, in einer Welt nach dem Klimawandel irgendwie zu überleben. Niemand darf den Fluss überqueren, der als letzte Grenze zu einer bedrohlichen Außenwelt betrachtet wird – die Brücke haben sie schon lange gesprengt.

Dann findet Skalde ein kleines Mädchen, das von außerhalb kommt, und das wird zu ihrem persönlichen Schlüsselmoment. Sie muss nicht nur die Gemeinschaft und ihre eigene Rolle darin hinterfragen, sondern sich auch von der Hassliebe zu ihrer einengenden Mutter lösen.

Hier wird fast nichts erklärt. Alles wird angedeutet, alles muss man zwischen den Zeilen lesen. Die Geschichte hat genug Symbolik, um einen Deutschlehrer vor Glück weinen zu lassen. Und in meinen Augen funktioniert das großartig, wenn man sich darauf einlässt.

Meine Rezension zu “Milchzähne”

Buchcover Das Leben ist eins der Härtesten

Giulia Becker: Das Leben ist eins der Härtesten

Aus meiner Rezension:

Eine ungewöhnliche Reisegesellschaft, bestehend aus vier Menschen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, fährt in die Tropen – nicht in die echten, aber wenigstens ins Badeparadies „Tropical Islands“. Im Gepäck haben sie ihre Sorgen und Probleme, aber zusammen ist man immerhin weniger allein.

Die Charaktere dieses Romans sind gerade deshalb so besonders, weil sie gleichzeitig schrullig und stinknormal sind. Weil sie sich tapfer durch die üblichen banalen Unbilden des Lebens und die aberwitzigsten Probleme kämpfen. Weil ihre Geschichten zum Schreien komisch sind und dennoch eine leise Tragik mitschwingt.

Meine Rezension zu “Das Leben ist eins der Härtesten”

Angela Lehner: Vater unser

Angela Lehner: Vater unser

Aus meiner Rezension:

Eva wurde gerade in der Psychiatrie abgeliefert. Von der Polizei, in Handschellen. Weswegen? Sie behauptet, sie habe eine ganze Kindergartenklasse erschossen. Deswegen. Aber das ist nur eine von unzähligen Lügen, hinter denen sie sich versteckt – wobei man nie so genau weiß, was nicht vielleicht doch die Wahrheit ist.

Fest steht: ihr Bruder sitzt ebenfalls in dieser Anstalt. Fest steht auch: sie ist besessen von der Idee, gemeinsam mit ihm auszubrechen und zusammen den Vater zu ermorden. Oder doch nicht? Während sie an ihrem Plan schmiedet, freundet Eva sich mit Chefpsychiater Korb an, indem sie krasse Unverschämtheiten mit ihm austauscht.

Das Buch ist unglaublich witzig und unglaublich tragisch, oft beides gleichzeitig, so dass man sich am Lachen verschluckt. Für mich ist dieser Debütroman ein ganz heißer Kandidat für den Deutschen Buchpreis.

Meine Rezension zu “Vater unser”

Miku Sophie Kühmel: Kintsugi

Miku Sophie Kühmel: Kintsugi

Aus meiner Rezension:

Max und Reik sind seit zwanzig Jahren zusammen und wollen das mit ihrem Freund Tonio und seiner Tochter Pega feiern. Sie treffen sich wie üblich im kleinen Haus am See, doch das Wochenende läuft nicht wie erwartet. Ganz leise und unspektakulär bilden sich Haarrisse im Fundament der Freundschaft – oder waren sie schon lange da, blieben aber unbeachtet?

Für mich ist „Kintsugi“ ein Herzensbuch, das ganz ohne Kitsch ein breites Spektrum an Gefühlen hervorruft. Dazu gehören verschiedene Formen von Liebe, aber auch Trauer, Schmerz, Wut, Enttäuschung und Angst. Das Gesamtbild ist jedoch nicht trostlos oder deprimierend, sondern entwickelt gerade an den Bruchstellen eine atemberaubende Schönheit.

Meine Rezension zu “Kintsugi”

Raphaela Edelbauer: Das flüssige Land

Raphaela Edelbauer: Das flüssige Land

Aus meiner Rezension:

Ruths Eltern sind gestorben und haben zu Lebzeiten verfügt, in ihrer Heimatstadt Groß-Einland begraben werden zu wollen. Nur hat anscheinend nie jemand von diesem Ort gehört und er ist nirgendwo verzeichnet. Ruth macht sich dennoch auf die Suche und spürt letztendlich eine kleine Stadt auf, die über einem enormem Hohlraum gebaut wurde und seit Jahren immer weiter in den Abgrund sinkt. Und in diesem Loch wurden anscheinend schon seit langer Zeit alle Schandtaten und Geheimnisse der Stadt versenkt…

Dieses Buch konnte mich mit seiner schieren Sprachgewalt und Originalität begeistern. Kafka trifft „Alice im Wunderland“ in einer Geschichte, die eine Vielzahl von Themen verbindet: die persönliche Schuld, das kollektive Wegsehen, die fehlgeleitete Sucht nach Harmonie – gewürzt mit schrägen Gestalten wie der falschen Gräfin Knapp-Korb von Weidenheim und kleinen Seitenhieben auf Heimatromane, wie eine 400-köpfige Blaskapelle.

Meine Rezension zu “Das flüssige Land”

Saša Stanišić Herkunft

Saša Stanišić: Herkunft

Aus meiner Rezension:

„Herkunft“ ist weder hunderprozentig Autobiographie noch hunderprozentig Roman. Der Held heißt Saša Stanišic, die Handlung beruht zweifelsohne auf der Familiengeschichte des Autors, doch auf dem Cover steht nun mal „Roman“ – wo die Grenzen zwischen Fakt und Fiktion verlaufen, bleibt daher offen.

Auf jeden Fall habe ich selten so oft gelacht wie beim Lesen dieses Buches, obwohl es hier (auch) um Krieg und Vertreibung, Verlust der Heimat, Unverständnis und Fremdenhass geht. Darf man das? Ja, denn der Humor lässt die ernsten Elemente der Erzählung nur umso deutlicher hervortreten – Kontrastprogramm.

Die Geschichte hat zunächst scheinbar kein übergreifendes Konzept, setzt sich zusammen aus unzähligen Fragmenten und Momentaufnahmen, aus Lebenswichtigem und scheinbar Banalem – Autobiographie und Heldenreise, Gesellschaftskritik und Migration und ’neulich beim Rollenspiel‘. Daraus entsteht erstaunlicherweise das homogene Gesamtbild einer Familie, für die Herkunft und Heimat keine Einheit mehr sind.

Meine Rezension zu “Herkunft”

Katerina Poladjan: Hier sind Löwen

Katerina Poladjan: Hier sind Löwen

Aus meiner Rezension:

Für mich als Hobby-Buchbinderin war diese Geschichte einer Buchrestauratorin, die in Jerewan mit der armenischen Geschichte konfrontiert wird, quasi Pflichtprogramm. Doch aus den Seiten spricht mehr als profunde Kenntnis über Bindetechniken und Reparaturmethoden:

Ein Handlungsstrang beschäftigt sich mit Helen, die sich als Halbarmenierin der Geschichte ihrer Familie bisher eher verweigert hat. In einer Familienbibel, die sie restauriert, findet sie den handschriftlichen Satz „Hrant will nicht aufwachen“ – und damit beginnt der zweite Handlungsstrang, in dem es um die junge Anahid und ihren kleinen Bruder Hrant geht, die die Massaker von 1915 um Haaresbreite überleben und die Familienbibel auf ihre Flucht mitnehmen.

Vergangenheit und Gegenwart greifen ineinander, meist trotz der zahlreichen Konflikte in ruhiger, gelassener Sprache. Dass auch die Autorin armenische Wurzeln hat, spielt sicher eine Rolle dabei, wie wahrhaftig sich das liest.

Meine Rezension zu “Hier sind Löwen”

Martin Peichl: Wie man Dinge repariert

Martin Peichl: Wie man Dinge repariert

Aus meiner Rezension:

Ein Mittdreißiger schreibt poetisch über seine komplizierte Beziehung, den Tod, den Alkohol und die Vorliebe der Österreicher für Babykatzen und Schnitzel. Repariert wird hier gar nichts – dafür geht ganz viel kaputt. Das ist keine Erzählung von A bis Z, sondern eher #querdurchsknieinsauge.

#dasbrauchtkeinestruktur #dasgehtauchso

Die Sprache ist ganz großes Kino – da verzeiht man dem Buch auch die endlosen Beschreibungen einer Liebe, die schon lange nicht mehr gesund ist. Es breitet vor dem Leser das Panorama einer verlorenen Generation aus – vielleicht bin ich auch nur zu sehr Boomer, um Millenials zu verstehen.

Meine Rezension zu “Wie man Dinge repariert”

Ana Marwan: Der Kreis des Weberknechts

Ana Marwan: Der Kreis des Weberknechts

Aus meiner Rezension:

Karl Lipitsch hasst Menschen. Grundsätzlich, ohne Ausnahme, und er ist stolz darauf. Am liebsten verbringt er seine Tage in der „warmen Umarmung der Einsamkeit“ und schreibt an einem philosophischen Werk, an dessen Erfolg er nicht im geringsten zweifelt. Dann zerrt ihn seine Nachbarin Mathilde nach einer Zufallsbegegnung beharrlich aus seiner Isolation, doch das ist keineswegs der Auftakt einer harmonischen Liebesbeziehung. Lipitsch kann nicht aus seiner Haut, will nicht aus seiner Haut.

Mir haben diese Betrachtungen eines Misanthropen viel Spaß gemacht, denn Sprache und Schreibstil sind großartig, und das Ganze entbehrt nicht eines gewissen bösen Humors und gleichzeitig eines gewissen Tiefgangs. Wie gehen wir um mit unseren Mitmenschen, aber vor allem: wie gehen wir um mit uns selbst.

Meine Rezension zu “Der Kreis des Weberknechts”

Nichts weniger als ein Wunder

Markus Zusak: Nichts weniger als ein Wunder

Aus meiner Rezension:

Nach dem Tod ihrer Mutter werden die fünf Dunbar-Brüder von ihrem Vater kläglich im Stich gelassen. Jahre später setzt Clay, einer der Brüder, sich noch einmal mit dieser Vergangenheit auseinander und versucht, sie nicht nur selber zu überwinden, sondern auch für seine Brüder eine Brücke zu bauen – indem er ganz wortwörtlich eine Brücke aus Stein über einen leeren Fluss baut.

Zusak geht mit seinem Schreibstil Wagnisse ein, die sich auszahlen.
Er findet ungewöhnliche Bilder, die an Ausdruckskraft kaum zu überbieten sind. Die Wortwahl, vor allem die Metaphern, fand ich oft so grandios, dass ich innehielt und einen Satz zweimal, dreimal, viermal las. Dann wiederum gab es Passagen, mit denen ich mich schwertat und die mich rettungslos verwirrten. Aber das traf für mich vor allem auf die ersten Leseabschnitte zu.

Das Buch ist in den ersten Kapiteln schwierig – kompliziert und sperrig –, doch davon sollte man sich nicht abschrecken lassen. Markus Zusak erzählt eine bewegende Geschichte in einer einmaligen und wundervollen Sprache.

Meine Rezension zu “Nichts weniger als ein Wunder”

So, das waren sie – meine 19 Buchlieblinge 2019.

Habt ihr eines der Bücher schon gelesen?

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