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[ Rezension ] Wolfram Fleischhauer: Das Meer

Wolfram Fleischhauer: Das Meer

© Cover ‘Das Meer’: Droemer Knaur
© Bild Smartphone: Pixabay

Handlung

Teresa verschwindet spurlos im Einsatz auf einem modernen Fischfangschiff auf hoher See. Entsetzt ist nicht nur ihr Geliebter und Ausbilder John Render von der zuständigen EU-Behörde in Brüssel. Genauso am Boden zerstört sind Ragna di Melo und ihre Truppe von radikalen Umwelt-Aktivisten, die eine mörderische Methode entwickelt haben, die skrupellose Ausbeutung der Meere zu beenden.

Als Ragnas Vater, ein schillernder Schweizer Lobbyist, Wind von den Aktivitäten seiner Tochter bekommt, die auch seine eigenen Geschäftsinteressen berühren, muss er handeln. Noch bevor das ganze Ausmaß der Bedrohung bekannt wird, reist er nach Südostasien, wo Ragna sich versteckt halten soll. Er weiß, dass seine Tochter niemals mit ihm sprechen wird. Daher heuert er den jungen Dolmetscher Adrian an, der zu Schulzeiten eine leidenschaftliche Affäre mit Ragna hatte – ohne ihn jedoch in die wahren Gründe einzuweihen …

Drei Männer auf einer verzweifelten Suche, zwei Frauen in Todesgefahr – und zwischen ihnen der brutale Apparat der globalen Fischerei-Mafia, eine gleichgültige Öffentlichkeit und eine handlungsunfähige Politik.

(Klappentext)

Einmal Fischbrötchen? Guten Appetit.

Irgendwie hat man es ja auch als Laie so vage im Hinterkopf. Da gibt es diese Fischfarmen im hohen Norden, wo die Fische mit Antibiotika vollgestopft werden, hat man schon mal gehört. Aber der Lachs schmeckt halt, und bisher hat man ihn doch auch gut vertragen, oder nicht? Lieber nicht zu genau hingucken.

Ein wahrscheinlich weniger präsentes Thema ist Existenz und Ausmaß des illegalen Fischfangs, mit all seinen unerfreulichen Aspekten:

  1. Industrielle Wilderei in nicht zugelassenen Fischgründen.
  2. Illegaler Abfang und Verkauf bedrohter Arten.
  3. Übermäßiger, über die zugewiesenen Quoten gehender Abfang erlaubter Arten, die dadurch ebenfalls zu bedrohten Arten werden könnten.
  4. Moderne Sklaverei: Schlepper versprechen Menschen eine sichere Reise in ein besseres Leben, stattdessen landen diese auf großen Fischtrawlern, wo sie unter unmenschlichen Bedingungen schuften.

Das ist buchstäblich ein Millionengeschäft. Laut WWF werden jedes Jahr schätzungsweise 26 Millionen Tonnen Fisch aus illegaler Fischerei auf den Markt gebracht, im Wert von 8,6 bis 19,8 Milliarden (!!) Euro.

Wolfram Fleischhauer baut diese Thematik in einen Thriller ein, der spannend ist, dabei aber auch lehrreich.

Wo es um so viel Geld geht, werden Menschen gierig und skrupellos – da wird verschleppt und erpresst und gefoltert und gemordet. Andere Menschen wachsen über sich hinaus, opfern ihre eigene Behaglichkeit und setzen vielleicht sogar ihr eigenes Leben aufs Spiel, um das, was sie als Unrecht sehen, zu stoppen. Aber man kann nicht so einfach einteilen in die ‘absolut Bösen hier’ und ‘die absolut Guten da’. Dazwischen gibt es eine immense Spannweite, eine Vielzahl an Motivationen, Wünschen und Notwendigkeiten.

Der Autor trägt dieser Spannweite Rechnung, indem er zahlreiche Charaktere auftreten lässt, die die unterschiedlichsten Facetten glaubhaft verkörpern.

Da sind die Extreme, ja. Die Fadenzieher, denen vollkommen egal ist, ob sie Arten ausrotten oder Menschen zugrunde richten, solange die Kasse klingelt. Die Umweltaktivisten, die sich sehenden Auges und selbstlos in große Gefahr begeben, dabei manchmal vielleicht übers Ziel hinausschießen. Aber auch Otto Normalverbraucher, der eigentlich nicht schlecht ist, eigentlich nichts unterstützen will, das Mensch oder Natur gefährdet – der sich aber auch noch nicht wirklich damit beschäftigt hat, aus Bequemlichkeit oder einfach aus Unwissen.

Die Bandbreite an Charakteren fand ich sehr interessant und für die Geschichte auch wichtig.

Sie sind lebendig, plausibel und komplex. Man kann mit manchen von ihnen sympathisieren, mit vielen mitfiebern, und auch beim unsympathischsten noch nachvollziehen, was ihn antreibt. Warum er so tickt, wie er tickt. Aber vor allem erlaubt die Vielzahl dem Leser, eine gute Vorstellung von der Problematik zu bekommen, ohne dass der Autor die Fakten herunterbeten oder die Botschaft ‘predigen’ muss.

Erst gegen Ende schlich sich bei mir ein wenig das Gefühl ein: hier will mich jemand von etwas überzeugen, hier will jemand meine Meinung beeinflussen.

In diesem Moment fand ich das etwas plump – das hätte es gar nicht mehr gebraucht! Der Thriller hatte das Thema da schon sehr umfassend vorgestellt, eine gute Grundlage, um als mündiger Erwachsener seine eigenen Schlüsse daraus zu ziehen.

Dennoch, das war für mich nur ein leiser Misston am Schluss.

Da ging mir alles auf einmal etwas schnell, nicht alles fand ich hundertprozentig schlüssig – aber das Ende ist durch und durch konsequent, mit ein paar unerwarteten Wendungen.

Ich habe die 448 Seiten in nur zwei Tagen herunter gelesen. Das ist für mich ein beachtliches Lesetempo und spricht dafür, dass der Autor eine hohe Spannung aufbaut und aufrechterhält.

Fazit

Wegbegleiter

Fischerei-Beobachterin Theresa verschwindet im Einsatz, angeblich nachts bei stürmischer See über Bord gegangen. Sie ist jedoch nicht die erste Beobachterin, die auf diese Art verschwindet… Was hat sie gesehen, was wollte sie publik machen? Was hat Aktivistin Ragna damit zu tun? Es entspinnt sich eine Geschichte, in der Überfischung, skrupellose Lobbyisten, Menschenhandel und radikale Aktivisten eine Rolle spielen.

Mit minimalen Abstrichen fand ich “Das Meer” sowohl in der Umsetzung des Themas illegaler Fischfang als auch als Thriller überzeugend – intelligent und spannend, mit einem Schreibstil, der die Geschichte gut rüberbringt.

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TitelDas Meer
Originaltitel
Autor(in)Wolfram Fleischhauer
Übersetzer(in)
Verlag*Droemer Knaur
ISBN / ASIN978-3-426-30707-6 (Taschenbuch)
978-3-426-45160-1 (eBook)
Seitenzahl*448
Erschienen im*2. Dezember 2019
GenreÖko-Thriller
* bezieht sich auf die abgebildete Ausgabe des Buches

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Signatur Mikka