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[ Rezension ] Diana Salow: Besessen – eine Mordsidee

Diana Salow Besessen

© Cover ‚Besessen – eine Mordsidee‘: Diana Salow

Handlung

„Kriminalhauptkommissar Thomas Berger ist im Spätsommer auf der Suche nach dem Mörder der 7-jährigen Julia, die misshandelt aufgefunden wurde. Privat durch eine Affäre in Turbulenzen geraten, bringen ihn der Selbstmord seiner Ehefrau und eine spurlos vermisste Frau an die Grenzen der Belastbarkeit. Plötzlich gerät Berger sogar selbst in den Fokus der Ermittlungen seiner Kollegen der Kriminalpolizei. Er wird vom Dienst suspendiert und von den Ermittlungen abgezogen, was er ignoriert. Gemeinsam mit seiner jungen Kollegin versucht er, die für die Schweriner Polizei ungewöhnlichen Fälle aufzuklären. Gelingt es ihm und seiner Kollegin trotzdem, Licht in die Ereignisse zu bringen, oder schweben beide am Ende ihrer Ermittlungen selbst in höchster Lebensgefahr? Thomas Berger begreift schmerzlich, dass mehr auf dem Spiel steht, als er dachte.“

(Klappentext)

Das mit 128 Seiten sehr schlanke Büchlein stand seit 2014 ungelesen in einem meiner Bücherregale. Und wäre es nicht so dünn und hätte ich nicht für ein paar Stunden damit in einem Wartezimmer gesessen, hätte ich es wohl abgebrochen.

Die Gründe kurz und knapp:

Ellen Arnold ist heiß, und darauf wird man ständig hingewiesen.

Nicht nur Kriminalhauptkommissar Thomas Berger ‚betrachtet wollüstig‘ ihren schönen Körper, der ist überhaupt ein atemberaubender Anblick: sinnliche Lippen, ein fester Po, lange sonnengebräunte Beine, eine schlanke Taille… Und so weiter.

Da kann man Berger kaum übel nehmen, dass er a) seine Frau mit Ellen betrügt und b) damit beginnt, viel über sein eigenes Aussehen nachzudenken. Midlife-Crisis im Zeitraffer.

Kinderleiche? Welche Kinderleiche? Ach, richtig, da war doch was…

Ermittelt wird, wenn Sauna, Sex und Tennis noch Zeit dafür lassen.

Obwohl gerade erst ein kleines Mädchen aufgefunden wurde, brutal vergewaltigt und ermordet, machen die Ermittler schon um 17 Uhr Feierabend. Berger, um für sein Tennisturnier am Wochenende zu trainieren. Ellen, um sich in der Sauna zu entspannen. Man muss halt Prioritäten setzen. Und beide verschwinden regelmäßig für einen Quickie in der Asservatenkammer.

Was Berger nicht davon abhält, seine Leute anzublaffen, weil sie für seinen Geschmack nicht schnell genug arbeiten. Beide wirken unglaublich selbstzentriert und denken über die banalsten Dinge nach, als hätte sich nicht gerade eine Tragödie abgespielt.

Das ermordete Kind wird überhaupt schnell zur Nebensache.

Von tatsächlichen Ermittlungen bekommt man nicht viel mit, obwohl die Ermittler sogar Grund haben, eine Mordserie zu vermuten – die Ergebnisse fliegen ihnen eher nebenher zu. Aber das spielt auch keine Rolle mehr, denn längst hat sich ein ganz anderer Fall aufgetan. Im Endeffekt hatte ich den Eindruck, nicht das Buch gelesen zu haben, das der Klappentext versprach.

Der Schreibstil liest sich sehr simpel.

Die Sätze sind oft recht kurz; Dinge, die für die Handlung eigentlich keine Rolle spielen, werden indes ausführlich beschrieben.

„Ellen ging in ihre Küche und holte eine Flasche Wasser aus dem Kühlschrank. Sie goss das Wasser in ein Glas und ließ noch zusätzlich drei Eiswürfel hineinfallen. Sie stellte das Glas vor Thomas auf dem Tisch ab. Thomas trank das eiskalte Wasser in einem Zug aus und schaute sich nebenbei in der Wohnung von Ellen um.“

Manches wirkt wie aus einem Prospekt des Tourismusverbandes:

„Der Schweriner Theater, ein nachempfundener italienischer Renaissancebau, zieht nicht nur das Schweriner Publikum an. Theaterliebhaber aus anderen Bundesländern reisen in Bussen an und schätzen die einzigartige Vielfalt des Hauses.“

Die unerwartete Wendung am Schluss sammelt Pluspunkte.

Leider konnte sie mich nicht gänzlich überzeugen, da der betreffende Charakter auf mich nicht schlüssig und komplex genug wirkte.

Fazit

Die Leiche eines kleinen Mädchens wird gefunden; es steht zu befürchten, dass der Täter weitere Kinder ermorden könnte.

Dennoch konzentrieren sich die Ermittler Thomas Berger und Ellen Arnold keineswegs auf die Ermittlungen, sondern frönen ihrer Affaire und machen des Öfteren früh Feierabend, um in die Sauna zu gehen oder Tennis zu spielen… Doch schnell wendet sich die Geschichte ohnehin einem ganz anderen Fall zu – und der Fall des ermordeteten Kindes löst sich quasi von allein.

Die 128 Seiten des Buches lesen sich schnell runter, aber Spannung kam für mich dennoch nicht auf.

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Fehlgriff
 
TitelBesessen – eine Mordsidee
Originaltitel
Autor(in)Diana Salow
Übersetzer(in)
Verlag*Eigenverlag
ISBN*9781497305038
Seitenzahl*128
Erschienen am*13. März 2014
GenreKriminalroman
* bezieht sich auf die abgebildete Ausgabe des Buches
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Liebe Grüße,
Signatur Mikka

2 thoughts on “[ Rezension ] Diana Salow: Besessen – eine Mordsidee

  1. oh Haua ha … vom Cover her hats mich total angesprochen, selbst der Klappentext ist noch gut und macht Lust (haha) auf mehr aber Deine Rezi ist vernichtend. Das möchte ich mir nicht antun. Gruselig aber anders als vom Autor gewünscht. Sehr schade die Hülle hat viel versprochen!

    Liebe Grüße Tanja

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