Deutscher Buchpreis, Newsticker

[ Newsticker ] Es wird spannend: Deutscher Buchpreis 2019

Deutscher Buchpreis 2019

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Heute Abend um 18:45 ist es soweit: Dann wird der Deutsche Buchpreis 2019 vergeben.

Nochmal kurz die Übersicht – diese Bücher stehen auf der Shortlist:

Miku Sophie Kühmel Kintsugi Tonio Schachinger Nicht wie ihr Norbert Scheuer Winterbienen Raphaela Edelbauer Das flüssige Land Sasa Stanisic Herkunft Jackie Thomae Brüder

[Link] Die Klappentexte findet ihr in meinem Beitrag zur Shortlist.

„Kintsugi“, „Das flüssige Land“ und „Winterbienen“ habe ich gelesen, „Herkunft“ und „Brüder“ lese ich gerade und werde sie vielleicht bis heute Abend noch beenden.

[Link] Meine Rezension zu „Kintsugi“
(Die anderen Titel habe ich noch nicht rezensiert.)

Vorhersage, Stand 10:10 Uhr

Mein persönliches Highlight ist bisher „Das flüssige Land“, dicht gefolgt von „Kintsugi“ – ich vermute jedoch, dass „Winterbienen“ das Rennen machen wird.

Warum „Das flüssige Land“? Es ist bestechend einfallsreich und komplex und schafft es, in starken Bildern eine unglaubliche, geradezu surreale Geschichte so zu erzählen, dass sie bei aller Absurdität den Klang der Wahrheit hat. Auch wenn „kafkaesk“ vielleicht ein zu oft verwendetes Wort für solche Geschichten ist, trifft es genau das Gefühl, das beim Lesen in mir aufkam. Auch hier entstehen Situationen, die für Kafka typisch waren: der Mensch im zum Scheitern verurteilten Versuch, gegen das Unvermeidliche anzugehen. Alptraumhaft,

Warum „Kintsugi“? Da zitierte ich ganz frech meine eigene Rezension: „Für mich ist „Kintsugi“ ein Herzensbuch, das ganz ohne Kitsch ein breites Spektrum an Gefühlen hervorruft. Dazu gehören verschiedene Formen von Liebe, aber auch Trauer, Schmerz, Wut, Enttäuschung und Angst. Das Gesamtbild ist jedoch nicht trostlos oder deprimierend, sondern entwickelt gerade an den Bruchstellen eine atemberaubende Schönheit.“

„Winterbienen“ trifft für mich bei aller Liebe zu „Kintsugi“ und „Das flüssige Land“ eher das, was ich von einem Buchpreis-Buch erwarte. Es ist ein Kriegsroman, der intensiv und beklemmend von den Schrecken des Zweiten Weltkriegs erzählt, mit einem tragischen Helden, den es wirklich gab: Egidius Arimond.

Der leidet an schwerer Epilepsie, wird daher von den Nazis zwangssterilisiert, ergeht sich in diversen Frauengeschichten, lebt immer am Rande der drohenden Auslöschung und transportiert jüdische Flüchtlinge in Bienenkörben in die erhoffte Freiheit. (Was nicht immer funktioniert.) Da seine Medikamente immer schwerer zu bekommen sind (er wird vom Apotheker gezielt und sadistisch sabotiert), kommt es zu einem verheerenden gesundheitlichen Abstieg, während Arimonds Gehirn ganz offensichtlich Schaden erleidet. Der persönliche Kontrollverlust spiegelt den öffentlichen Kontrollverlust gegen Ende des Krieges wider.

Vorhersage, Stand 13:33 Uhr

Ich habe „Heimat“ beendet und revidiere meine letzte Vorhersage: „Heimat“ könnte das Rennen machen. Es ist manchmal unglaublich witzig und manchmal unheimlich traurig und manchmal beides auf einmal. Vielleicht es es zu unterhaltsam für ein Buchpreis-Buch, aber zu wenig Tiefgang hat es dabei nicht. Es geht um Heimat und den Verlust derselben, um Krieg und Überleben, um Sprache und damit verbundene Möglichkeiten, um Familie und besonders die Großmutter, die Stückchen für Stückchen an die Demenz verloren geht.

Mitgetwitter:

18:20

Die Preisverleihung hat begonnen, gerade geht es um „Das flüssige Land“, und natürlich ist schon das Wort kafkaesk gefallen. Dem stimme ich zu, kafkaesk im besten Sinne.

18:27

Jetzt sind wir bei „Kintsugi“, auch ein echter #buchliebling – so ein leises, intensives Buch.

18:31

„Nicht wie ihr“. Das einzige Buch, das mich persönlich nicht reizt und das ich daher noch nicht gelesen habe… Falls es gewinnt, werde ich das wohl nachholen!

18:35

„Winterbienen“. Es würde ich überhaupt nicht wundern, falls dieses Buch gewinnt! Ein Kriegsbuch, dessen Helden es wirklich gab: Ein Imker, der wegen seiner Epilepsie von den Nazis zwangssterilisiert wurde und der Juden in Bienenstöcken zur Grenze schmuggelte.

18:40

Jetzt sind wir bei „Herkunft“. Wie ich schon gesagt habe: mal ist es unglaublich witzig, mal traurig, mal beides auf einmal, aber immer großartig.

18:45

Und das letzte Buch: „Brüder“. Zwei Brüder eines sengalischen Vaters, die sich nicht kennen, von ihrem Vater haben sie nur die dunkle Haut. Beider Leben gerät aus der Spur, die Autorin beschreibt das ohne Pathos.

Die Preisverleihung wird seit 18 Uhr live auf der Webseite des Buchpreises übertragen.

Herzlichen Glückwunsch an Saša Stanišić!

Traurig, dass ihm als aus Bosnien stammendem Schriftsteller der Literaturnobelpreis für Peter Handke (verständlicherweise) den eigenen Preis verbittert….

EDIT: Oh mein Gott. Da ich gestern gerade den Artikel „Immerhin kein Friedensnobelpreis“ der FAZ gelesen hatte, spukte mir das Wort noch im Kopf rum und ich schrieb fälschlicherweise hier und auf Twitter, Handke habe den Friedensnobelpreis erhalten, obwohl ich den Literaturnobelpreis meinte…

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Liebe Grüße,
Signatur Mikka

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