Deutscher Buchpreis

[ Deutscher Buchpreis 2019 ] Die Shortlist

Deutscher Buchpreis 2019 Longlist

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Wer ist immer noch im Rennen?

Wie jedes Jahr wieder erweise ich mich als schlechtes Orakel. Gerade habe ich noch begeistert „Vater unser“ von Angela Lehner rezensiert und gesagt „Für mich ist dieser Debütroman ein ganz heißer Kandidat für den Deutschen Buchpreis!“ und was steht nicht auf der Shortlist? Genau, „Vater unser“. Wie schade.

[ Meine Rezension zu „Vater unser“ ]

Von den Büchern, die es geschafft haben, habe ich noch keines gelesen, aber fünf davon besitze ich wenigstens schon und werde mich jetzt beeilen, sie noch vor Preisverleihung zu lesen. Ich habe mir ausgerechnet: das kann ich schaffen, wenn ich jeden Tag 116 Seiten lese. Leider warten hier jedoch noch andere Bücher, die nicht nominiert sind, auf Lesen und Rezension, es wird also knapp!

Noch mal zur Erinnerung – dies ist die Jury:

Petra Hartlieb, Literaturkritikerin, Autorin und Inhaberin der Buchhandlung „Hartliebs Bücher“ in Wien.

Hauke Hückstädt, Herausgeber, Kritiker, Autor und Leiter des Literaturhauses Frankfurt.

Björn Lauer, Buchhändler bei Hugendubel und Instagram-Haiku-Autor.

Jörg Magenau, Journalist, Autor und Literaturkritiker.

Alf Mentzer, Redakteur beim Hessischen Rundfunk, Leiter der Literaturredaktion von hr2-kultur und Ressortleiter des hr2-Tagesprogramms.

Daniela Strigl, Literaturwissenschaftlerin und Kritikerin.

Margarete von Schwarzkopf, Journalistin, Moderatorin und Autorin.

Und dies ist die Shortlist:

Miku Sophie Kühmel Kintsugi Tonio Schachinger Nicht wie ihr Norbert Scheuer Winterbienen Raphaela Edelbauer Das flüssige Land Sasa Stanisic Herkunft Jackie Thomae Brüder

Miku Sophie Kühmel: Kintsugi

Kintsugi ist die japanische Kunst, zerbrochenes Porzellan mit Gold zu kitten. Die Schönheit von Kintsugi liegt nicht in der Perfektion, sie ist im Bruch zu finden und im Umgang mit der eigenen Versehrtheit. Können wir selbst bestimmen, welche Stellen unseres Lebens leuchten?

Es ist Wochenende. Wir sind in einem Haus an einem spätwinterlichen See, das Licht ist hart, die Luft ist schneidend kalt, der gefrorene Boden knirscht unter unseren Füßen. Gerade sind Reik und Max angekommen, sie feiern ihre Liebe, die nun zwanzig ist. Eingeladen sind nur ihr ältester Freund Tonio und seine Tochter Pega, so alt wie die Beziehung von Max und Reik. Sie planen ein ruhiges Wochenende. Doch ruhig bleibt nur der See.

(Klappentext)

Kann es einen perfekteren, vielversprechenderen Aufhänger für ein Buch geben als Kintsugi? Diese Kunst fasziniert mich, und sie kann für so vieles stehen…

Tonio Schachinger: Nicht wie ihr

Ivo wusste immer schon, dass er besonders ist. Besonders cool, besonders talentiert, besonders attraktiv. Alle wussten es, seine Familie, seine Jugendtrainer, seine Freunde im Käfig. Jetzt ist er einer der bestbezahlten Fußballer der Welt. Er verdient 100.000 Euro in der Woche, fährt einen Bugatti, hat eine Ehefrau und zwei Kinder, die er über alles liebt. Doch als seine Jugendliebe Mirna ins Spiel kommt, gerät das sichere Gerüst ins Wanken. Wie koordiniert man eine Affäre, wenn man eigentlich keine Freizeit hat? Lässt Ivos Leistung auf dem Spielfeld nach? Und was macht eigentlich seine Frau, während er nicht da ist?

(Klappentext)

Dies ist das einzige Buch auf der Shortlist, das ich nicht schon besitze, und ich muss gestehen: das liegt daran, dass mich Fußball nicht die Bohne interessiert. Aber inzwischen habe ich Rezensionen gelesen, die mich dennoch neugierig machen.

Norbert Scheuer: Winterbienen

Januar 1944: Während über der Eifel britische und amerikanische Bomber kreisen, gerät der wegen seiner Epilepsie nicht wehrtaugliche Egidius Arimond in höchste Gefahr. Er bringt nicht nur als Fluchthelfer jüdische Flüchtlinge in präparierten Bienenstöcken über die Grenze, er verstrickt sich auch in Frauengeschichten.

Mit großer Intensität erzählt Norbert Scheuer in „Winterbienen“ einfühlsam, präzise und spannend von einer Welt, die geprägt ist von Zerstörung und dem Wunsch nach einer friedlichen Zukunft.

(Klappentext)

Was mich bewogen hat, mir dieses Buch anzuschaffen, war eine Rezension der Frankfurter Rundschau. Dort heißt es: „Es ist ein Roman mit einem großen Resonanzraum, reich an wiederkehrenden Motiven, deren Variationen mal heller und mal dunkler klingen (…). Und kein Wort zu viel, wenn vom Schrecken erzählt wird, wenn ein Kind stirbt oder ein Flüchtling. Dann wird der Erzähler so leise, dass niemand den Schmerzensschrei überhören kann.“

Raphaela Edelbauer: Das flüssige Land

Der Unfalltod ihrer Eltern stellt die Wiener Physikerin Ruth vor ein nahezu unlösbares Paradox. Ihre Eltern haben verfügt, im Ort ihrer Kindheit begraben zu werden, doch Groß-Einland verbirgt sich beharrlich vor den Blicken Fremder. Als Ruth endlich dort eintrifft, macht sie eine erstaunliche Entdeckung. Unter dem Ort erstreckt sich ein riesiger Hohlraum, der das Leben der Bewohner von Groß-Einland auf merkwürdige Weise zu bestimmen scheint. Überall finden sich versteckte Hinweise auf das Loch und seine wechselhafte Historie, doch keiner will darüber sprechen. Nicht einmal, als klar ist, dass die Statik des gesamten Ortes bedroht ist.

Wird das Schweigen von der einflussreichen Gräfin der Gemeinde gesteuert? Und welche Rolle spielt eigentlich Ruths eigene Familiengeschichte? Je stärker sie in die Verwicklungen Groß-Einlands zur Zeit des Nationalsozialismus dringt, desto vehementer bekommt Ruth den Widerstand der Bewohner zu spüren. Doch sie gräbt tiefer und ahnt bald, dass die geheimnisvollen Strukturen im Ort ohne die Geschichte des Loches nicht zu entschlüsseln sind.

(Klappentext)

Der Klappentext hat schon etwas kafkaeskes, und das macht mich neugierig darauf, wie die Geschichte umgesetzt wird.

Saša Stanišić: Herkunft

HERKUNFT ist ein Buch über den ersten Zufall unserer Biografie: irgendwo geboren werden. Und was danach kommt.

HERKUNFT ist ein Buch über meine Heimaten, in der Erinnerung und der Erfindung. Ein Buch über Sprache, Schwarzarbeit, die Stafette der Jugend und viele Sommer. Den Sommer, als mein Großvater meiner Großmutter beim Tanzen derart auf den Fuß trat, dass ich beinahe nie geboren worden wäre. Den Sommer, als ich fast ertrank. Den Sommer, in dem Angela Merkel die Grenzen öffnen ließ und der dem Sommer ähnlich war, als ich über viele Grenzen nach Deutschland floh.

HERKUNFT ist ein Abschied von meiner dementen Großmutter. Während ich Erinnerungen sammle, verliert sie ihre. HERKUNFT ist traurig, weil Herkunft für mich zu tun hat mit dem, das nicht mehr zu haben ist. In HERKUNFT sprechen die Toten und die Schlangen, und meine Großtante Zagorka macht sich in die Sowjetunion auf, um Kosmonautin zu werden.

Diese sind auch HERKUNFT: ein Flößer, ein Bremser, eine Marxismus-Professorin, die Marx vergessen hat. Ein bosnischer Polizist, der gern bestochen werden möchte. Ein Wehrmachtssoldat, der Milch mag. Eine Grundschule für drei Schüler. Ein Nationalismus. Ein Yugo. Ein Tito. Ein Eichendorff. Ein Saša Stanišić.

(Klappentext)

Ein autobiographischer Roman rund um ein sehr zeitgemäßes Thema – laut Buchpreis-Jury erzählt ‚mit Klugheit, Humor und Sprachwitz, ohne „Zugehörigkeitskitsch“ und Opferpathos‘.

Jackie Thomae: Brüder

Mick, ein charmanter Hasardeur, lebt ein Leben auf dem Beifahrersitz, frei von Verbindlichkeiten. Und er hat Glück – bis ihn die Frau verlässt, die er jahrelang betrogen hat. Gabriel, der seine Eltern nie gekannt hat, ist frei, aus sich zu machen, was er will: einen erfolgreichen Architekten, einen eingefleischten Londoner, einen Familienvater. Doch dann verliert er in einer banalen Situation die Nerven und steht plötzlich als Aggressor da – ein prominenter Mann, der tief fällt. Brüder erzählt von zwei deutschen Männern, geboren im gleichen Jahr, Kinder desselben Vaters, der ihnen nur seine dunkle Haut hinterlassen hat. Die Fragen, die sich ihnen stellen, sind dieselben. Ihre Leben könnten nicht unterschiedlicher sein.

(Klappentext)

Auch auf dieses Buch bin ich schon sehr gespannt, der Klappentext verspricht sehr viel Potential.

Der weitere Ablauf:

Die Preisverleihung erfolgt am 14. Oktober, zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse im Kaisersaal des Frankfurter Römer. Der Preisträger erhält 25.000 Euro, die übrigen Autoren der Shortlist erhalten jeweils 2.500 Euro.

Hattet ihr Favoriten? Falls ja, sind sie noch dabei?

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Liebe Grüße,
Signatur Mikka

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