#Rezension Frank Goldammer: Der Angstmann

Frank Goldammer Der Angstmann

© Cover ‘Frank Goldammer Der Angstmann’: dtv Verlagsgesellschaft
© Bild Smartphone: Pixabay

Handlung

Klappentext:
“Dresden im November 1944: Die Bevölkerung leidet unter den immer bedrohlicher werdenden Kriegsumständen – da wird die grausam zugerichtete Leiche einer Krankenschwester gefunden. Schnell heißt es: Das war der Angstmann, der nachts durch die Stadt schleicht. Kriminalinspektor Max Heller hat bei der fieberhaften Suche nach dem Täter mit dem Kriegschaos zu kämpfen – aber auch mit seinem linientreuen Vorgesetzten. Und die Hoffnung, der Frauenmörder sei bei dem katastrophalen Bombenangriff im Februar 1945 umgekommen, zerschlägt sich.”

Der Angstmann: Schreckgespenst oder Mörder?

Meine Meinung

Den ersten Band der Reihe rund um Ermittler Max Heller nur auf das Label ‘Kriminalroman’ zu reduzieren, würde weder der Komplexität noch dem Anspruch des Buches  gerecht werden. Aber die Mischung aus Kriegsdrama und Kriminalroman funktioniert hervorragend und kann sicher Liebhaber beider Genres überzeugen.

Als zentrales Thema beschreibt Autor Frank Goldammer das Dresden der 40er Jahre, in den letzten Tagen des Krieges und der ersten Zeit danach.

Der Kriminalfall muss oft in den Hintergrund treten, wenn Luftangriffe die Stadt verwüsten oder die Befreier ihr eigenes Regime aufziehen. Was sich vor den Augen des Lesers entfaltet, ist ein authentischer Einblick in das Leben der Bevölkerung, die unsägliches Leid erdulden muss: Hunger, Armut, der Verlust geliebter Menschen, Todesangst, schließlich der bittere Hass der Befreier.

Es ist abzusehen, dass der Krieg nicht mehr gewonnen werden kann. Nur wenige glauben noch an Hitlers Wunderwaffe, und dennoch sitzen immer noch geifernde Fanatiker in Machtpositionen. Trotzdem macht man weiter, immer weiter, versucht zu überleben – auch wenn von Sicherheit und einem guten Leben noch lange nicht mal geträumt werden kann.

Die Vorstellung, es könne irgendwann sogar wieder Glück möglich sein, ist lachhaft

Der Mordfall ist spannend, aber nicht weniger spannend sind die alltäglichen Geschehnisse im kriegsgeplagten Dresden –  wobei ‘Alltäglichkeit’ im Krieg ohnehin ein ganz eigenes Grauen entwickelt.

Mehr als einmal schlägt Kriminalinspektor Max Heller blankes Unverständnis entgegen. Wen interessiert der Mord an einer jungen Frau, oder auch an zweien oder dreien, wenn Luftangriffe in einer einzigen Nacht 1.000 Todesopfer fordern können? Aber für ihn wäre es nicht nur ein Zugeständnis an den Krieg, sondern auch ein Ausverkauf seiner moralischen Prinzipien, einem einzelnen Leben nicht genauso viel Bedeutung beizumessen.

Besonders interessant fand ich, wie eindringlich der Autor das gegenseitige Misstrauen in der Bevölkerung beschreibt. Nicht jeder ist glühender Verehrer von Adolf Hitler, nicht jeder ist freiwillig Mitglied in der Partei, nicht jeder hasst die Juden.

Aber wie viel kann man wagen? Kann man ehrlich sprechen, oder wird das Gegenüber einen denunzieren?

Max Heller schaut sich ganz genau die Körpersprache an: reißt dieser Mann dort zackig den Arm empor zum Hitlergruß, was darauf schließen lässt, dass er Hitler bewundert, oder hebt er ihn gerade nur eben so weit wie erforderlich? Dann kann man es eventuell wagen, gewisse Dinge anzusprechen… Von solchen Beobachtungen kann das Leben abhängen, wenn man nicht vorhat, sich auf Gedeih und Verderb dem faschistischen Regime anzupassen.

Das Buch ist ein echter Pageturner, ich habe es in kürzester Zeit gelesen (eBook) und gehört  (ungekürztes Hörbuch).

Gelegentlich bekommt die Spannung fast schon einen Beigeschmack von Horror, denn es sieht immer wieder so aus, als sei der “Angstmann” nicht nur ein Mythos oder ein Schreckgespenst. Besonders diese Szenen sind im Hörbuch perfekt umgesetzt, da sträuben sich die Nackenhaare. Heikko Deutschmann hat ein besonderes Gespür für das Grauen in jedweder Form: er spricht nicht nur den Angstmann perfekt, sondern auch die eben angesprochenen geifernden Fanatiker. Aber die Helden der Geschichte spricht er ebenfalls sehr gut.

Max Heller ist ein Charakter, dem ich gerne weiter durch seine Fälle folgen möchte, aber besonders gelungen fand ich den Charakter des jungen Russen Andrej Saizev, der zunächst nicht unbedingt wie eine Sympathiefigur wirkt, den man aber in der zweiten Hälfte des Bucher immer besser verstehen lernt.

Der Schreibstil ist perfekt für diese Geschichte: er ist gradlinig und vermeidet übertriebenes Melodrama, baut aber sehr viel Atmosphäre auf und beschreibt alles sehr bildlich.

Fazit

Bird LB

Eine Mischung aus Kriminalroman und Kriegsdrama und meines Erachtens in beidem überzeugend. Frank Goldammer erzählt eine spannende, beklemmende Geschichte mit unerwarteten Wendungen, gut geschriebenen Charakter und einem wunderbaren Schreibstil.

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TitelDer Angstmann
Originaltitel
Autor(in)Frank Goldammer
Übersetzer(in)
Verlag*dtv Verlagsgesellschaft
ISBN*9783423216968
Seitenzahl*336
Erschienen am*8. September 2017
GenreKriminalroman
* bezieht sich auf die abgebildete Ausgabe des Buches
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