#Rezension Ingo Bott: Pirlo – Gegen alle Regeln

Ingo Bott: Pirlo – Gegen all Regeln

© Cover ‘Pirlo – Gegen alle Regeln’: Fischerverlage
© Bild eBook-Reader: Pixabay

Endlich mal wieder ein Krimi, der sich frisch und unverbraucht liest!

Vor allem der Protagonist ist interessant: eben noch war Anton Pirlo Staranwalt bei einer großen Kanzlei, dann wurde er rausgeschmissen und löst seine Fälle jetzt vom heimischen Wohnzimmer aus. Oder, na ja … Fall. Einzahl. Wenigstens ist der prestigeträchtig und ein Gewinn könnte der neuen Mini-Kanzlei zu einem rasanten Aufstieg verhelfen.

Allerdings ist er deswegen so prestigeträchtig, weil er ziemlich aussichtslos erscheint: Die Angeklagte, Pirlos Klientin, war nachweislich zu Hause, als ihr Mann mit fünf Messerstichen in den Rücken ermordet wurde, und es gibt keinerlei Hinweise dafür, dass sich jemand anderes Zutritt zum Haus verschafft hätte. Dass es andererseits bereitwillige Zeugen für den oft explosiven Streit zwischen den Eheleuten gibt, macht die Sache nicht besser. Darüber hinaus wirkt die Angeklagte vor Gericht in etwa so sympathisch wie ein kalter Fisch – wie soll Pirlo das bitteschön vernünftig präsentieren?

Anton Pirlo: ein Anwalt am Rande der Legalität

Zusammen mit seiner ersten Angestellten, Sophie Mahler, die eigentlich noch an ihrer Diplomarbeit schreibt, muss Pirlo schon bald Wege gehen, die vielleicht nicht immer hundertprozentig legal sind, um die Unschuld seiner Klientin zu beweisen. Sofern sie denn überhaupt wirklich unschuldig ist …

⁣⁣⁣Aber das Interessanteste an diesem Krimi ist, dass Anton Pirlo nicht wirklich der ist, als der er sich präsentiert. Da seine Familie ein waschechter Verbrecherklan ist, macht sich der echte Nachname einfach nicht gut für einen Anwalt, und der Vorname Ramzes könnte ebenfalls nachteilig sein für sein Image und seine beruflichen Chancen. Und als hätte er nicht schon mehr als genug Stress, wollen seine Brüder auch noch Geld von ihm. VIEL Geld. Und zwar sofort. Also muss Pirlo den Fall wirklich dringend gewinnen …

Wenigstens sind seine Brüder gerne bereit, ihm bei seinen weniger gesetzeskonformen Ermittlungen zu unterstützen – allerdings mit mehr Enthusiasmus als Finesse. Was wiederum erklärt, warum sie ihr kriminelles Familienbusiness in letzter Zeit ziemlich gegen die Wand gefahren haben. Da fährt der Autor einen großartigen Humor auf; das könnte ich mir wunderbar verfilmt vorstellen!

Auch ansonsten habe ich wenig zu meckern:

Der Krimi punktet mit Einfallsreichtum und unerwarteten Wendungen, der Spannungsbogen baut sich schnell auf; die Charaktere spielen zwar mit den Klischees, sind aber dennoch originell und glaubhaft. Auch der Schreibstil liest sich lockerflockig und schnürt das ganze Paket zu einem interessanten ersten Band zu sammen.

Fazit

Anton Pirlo ist ein Staranwalt im freien Fall. Gerade eben war er noch in einer großen prestigeträchtigen Kanzlei beschäftigt, jetzt sitzt er, frisch gekündigt, im heimischen Wohnzimmer und erholt sich vom beruflichen Schleudertrauma. Von dort aus versucht er, mithilfe seiner einzigen Angestellten Sophie Mahler (die noch nicht mal mit ihrer Diplomarbeit fertig ist) den einzigen Fall zu lösen, den er an Land ziehen konnte. Und das auch nur, weil den sonst niemand anpacken wollte, da er aussichtslos erscheint.

Kurz auf den Punkt gebracht: Der Krimi hat einfach Spaß gemacht! Der Schreibstil ist knackig, mit viel Humor; die Dynamik zwischen Pirlo und Sophie ist großartig, erfreulicherweise (noch?) ohne Liebesgeschichte, der Fall ist originell, komplex und spannend, mit einigen unerwarteten Wendungen. Den zweiten Band, der im nächsten August erscheinen soll, werde ich sicher auch lesen.

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TitelPirlo – Gegen alle Regeln
Originaltitel
Autor(in)Ingo Bott
Übersetzer(in)
Verlag*Fischer Scherz
ISBN / ASIN978-3-651-00104-6 (Paperback)
978-3-10-491398-8 (eBook)
Seitenzahl*400
Erschienen im*August 2021
Genre*Kriminalroman
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2 Replies to “#Rezension Ingo Bott: Pirlo – Gegen alle Regeln”

  1. Oh das klingt gut!
    Ich habe gesehen, dass Du auch “Angstmörder” von Lorenz Stassen gelesen hast. Beim Lesen Deiner Rezension ist mir das Buch gleich in den Sinn gekommen. Kann man die denn tatsächlich miteinander vergleichen? Denn Angstmörder hab ich gern gelesen und muss mir wohl den Herrn Pirlo auch auf die Leseliste schreiben.
    Liebe Grüße
    Gabi

    • Hallo Gabi,

      huiui, das ist vier Jahre her, dass ich “Angstmörder” gelesen habe, ich hab das nur noch so vage in Erinnerung! Deswegen finde ich es gerade schwierig, das zu sagen! Aber es gibt natürlich Ähnlichkeiten, das stimmt schon…

      LG,
      Mikka

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