Rezension: »Firestarter« von Jan Carson

»Firestarter« von Jan Carson

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Unbezahlte #werbung:
Ein Rezensionsexemplar des Buches wurde mir von NetGalley im Auftrag des Verlags zur Verfügung gestellt.

Titel der Originalausgabe: The Fire Starters
Übersetzung von: Stefanie Schäfer
Verlag der dtsch. Ausgabe: Liebeskind

Alternative Zeitgeschichte

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Jan Carson beschreibt ein alternatives Jahr 2014, in dem in Dublin die Spannungsfelder der »Troubles« wieder aufreißen – ein mächtiges metaphorisches Werkzeug. Der Roman löst einige Kernthemen aus dem Kontext des alten Konflikts heraus, der damit vor allem eine symbolische Bedeutung gewinnt und zum Hintergrund für gesellschaftliche Probleme und individuelle Herausforderungen wird.

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Es geht zum Beispiel um die Spannungen innerhalb von Familien und der Gesellschaft insgesamt. Es geht um Identität und Zugehörigkeit. Es geht um die Auswirkungen von Gewalt und die Konsequenzen ungelöster Konflikte. Jan Carson verbindet all das mit einer Handlungsebene, in der das Magische auf einmal ganz selbstverständlich ist – und sich liest wie eine Allegorie für ganz reale gesellschaftliche Phänomene.

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Beide Protagonisten befinden sich in einer Situation, die sie als gewaltsam und gefährlich empfinden, und ringen mit ihrem Selbstbild und dem eigenen Gewaltpotential.

Sammy Agnew kann sich nur allzu gut an seine Jugend erinnern, als sich sein frustrierter Zorn oft in roher Gewalt entlud. Er spürt diese Gewaltbereitschaft immer noch in sich brodeln, aber vor allem sieht er sie in seinem Sohn, den er nicht vor sich selbst beschützen kann.

Dr. Jonathan Murray hingegen hat Angst vor seiner kleinen Tochter, einem hilflosen Baby, weil er dessen Mutter für eine Meerjungfrau hält. Hier entfaltet sich ein Themenkomplex, der auch von Han Kang stammen könnte: Da er glaubt, die Stimme seiner Tochter könne hochgefährlich sein, versucht er, sie möglichst komplett von Sprache fernzuhalten.

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Ja, hier wird ein weibliches Wesen zum Schweigen gebracht, weil es durch seine bloße Existenz als Bedrohung des Status Quo empfunden wird. Während manchmal ein Element der Überfürsorge anklingt, scheint offensichtlich, dass es hier vor allem um tiefverwurzelte Misogynie und Angst vor Kontrollverlust geht.

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Jan Carson entwirft ein so aufregend originelles, symbolträchtiges Dublin, dass ich mich eines Nachts um 02:32 zwingen musste, endlich das verflixte Licht auszuschalten. Der Schreibstil ist großartig, die Themen werden mit viel Tiefgang umgesetzt, und das Lesen macht einfach Spaß.

Die Geschichte ist mit mystischen Elementen verflochten, die das konventionelle Verständnis von Realität herausfordern. Die Grenzen zwischen dem Alltäglichen und dem Außergewöhnlichen verschwimmen, und dennoch wirken die realistischen Themen vor diesem Hintergrund umso schärfer umrissen.

Fazit

Lieblingsbuch

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