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[ Rezension ] Simon Beckett: Leichenblässe (Band 3)

Simon Beckett Leichenblässe

© Cover ‘Simon Beckett Leichenblässe’: Wunderlich-Verlag
© Bild Smartphone: Pixabay

Handlung

“Bei seinem letzten Einsatz ist der forensische Anthropologe David Hunter nur knapp dem Tod entronnen. Von einer vollständigen Genesung ist er weit entfernt. Ihn quält die Frage, ob er seinem Beruf noch gewachsen ist. Zunächst sagt David alle neuen Aufträge ab, dennoch kommt er nicht zur Ruhe. Er beschließt, einen Forschungsaufenthalt auf der «Body Farm» in Tennessee einzulegen – einer bekannten Akademie für forensische Anthropologie, an der er vor vielen Jahren sein Handwerk erlernt hat.

Dort trifft David seinen Mentor Tom Lieberman wieder. Tom bittet ihn, ihm bei einem schwierigen Fall zu helfen. Das Opfer wurde gefoltert, die Leiche ist bis zur Unkenntlichkeit zersetzt – weit stärker, als es der Fall sein dürfte. Am Tatort finden sich Fingerabdrücke, der Täter scheint festzustehen. Doch schon bald stellt sich heraus, dass nichts so ist, wie es auf den ersten Blick aussieht…

(Klappentext)

Dieser Mörder stellt die Body Farm in den Schatten…

Originalität / Einfallsreichtum

Als forensischer Anthropologe gewährt David Hunter dem Leser einen spannenden Blickwinkel auf die Geschehnisse, und es ist offensichtlich, dass Simon Beckett die forensische Anthropologie eingehend recherchiert hat. Auch in diesem Band erfährt man so einiges über das, was nach dem Tod mit dem menschlichen Körper geschieht, wobei der Autor gekonnt die Balance hält zwischen ‘zu trocken und wissenschaftlich’ oder ‘zu eklig’.

Obwohl das sicher auch Ansichtssache ist, denn in diesem Band gibt es mehr Leichen in verschiedenen Stadien der Verwesung als je zuvor… Aber ich habe nie den Eindruck, dass das für den billigen Schockfaktor benutzt wird – das hat Beckett gar nicht nötig.

Spannungsbogen

David Hunter ist im letzten Band gerade erst knapp dem Tode entronnen. Er zweifelt an sich und hadert damit, ob er überhaupt weiter in seinem Beruf arbeiten will und kann… Und was macht ein forensischer Anthropologe, wenn er eine Auszeit braucht? Richtig, er besucht die Body Farm in Tennessee und gönnt sich ein paar entspannende Tage, um sich die zahlreichen Leichen anzuschauen, die dort zu Forschungszwecken den Elementen überlassen werden.

Aber lange dauert es nicht, bis Hunters Mentor Tom Lieberman ihn um Unterstützung bei einem Fall bittet, und schon schraubt die Spannung sich stetig in die Höhe. Der Fall hat es in sich – Ted Bundy würde ob der Anzahl an Opfern vor Neid erblassen – und der Autor treibt das wirklich auf die Spitze.

Schlüssigkeit / Glaubhaftigkeit

Gegen Ende fragte ich mich: ist das noch plausibel? Könnte ein Täter so etwas wirklich durchziehen, ohne schon nach kürzester Zeit geschnappt zu werden? Aber ich kam zu dem beklemmenden Schluss: ja, könnte er. Es gibt genug Beispiele im realen Leben, wo auch die schrecklichsten Taten lange unaufgeklärt blieben oder sogar über Monate und Jahre gar nicht auffielen.

Charaktere

Simon Beckett gönnt seinem David Hunter keine Auszeit. In den ersten beiden Bänden der Reihe trug er schon schwer an seiner ganz persönlichen Tragödie, im zweiten Band hätte er sich gar um ein Haar in die Reihe der Opfer eingereiht… Und nun ist er eigentlich am Ende, kann nicht mehr, will nicht mehr, leidet offensichtlich an posttraumatischem Stress – aber darauf nimmt der Mörder keine Rücksicht.

Hunter ist wieder der stärkste Charakter: wunderbar geschrieben, glaubhaft, hochintelligent, komplex. Neben ihm verblassen die Nebencharaktere etwas, doch auch die sind beileibe nicht schlecht geschrieben.

Schreibstil

Der Schreibstil beeindruckt mich in jedem Band wieder mit seinem perfekten Gleichgewicht. Oft ist er klar, sachlich, geradezu nüchtern, und dann beschwört er wiederum mühelos eine starke Atmosphäre herauf.

Fazit

Der dritte Band der Reihe wartet mit einer Anzahl von Leichen auf, bei der man schon mal ungläubig schlucken kann – und dennoch ist es kein Thriller, der auf billige Schockmomente setzt. Simon Beckett überzeugt mich immer wieder mit seinen komplexen Fällen, seiner intelligenten, scharfsinnigen Schreibe und seinem vom Leben gebeutelten Protagonisten David Hunter.

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TitelLeichenblässe
OriginaltitelWhispers of the Dead
Autor(in)Simon Beckett
Übersetzer(in)Andree Hesse
Verlag*Wunderlich
ISBN*9783805208666
Seitenzahl*416
Erschienen am*16. Januar 2009
GenreThriller
* bezieht sich auf die abgebildete Ausgabe des Buches

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Liebe Grüße,
Signatur Mikka
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4 thoughts on “[ Rezension ] Simon Beckett: Leichenblässe (Band 3)

  1. Hallo!

    Ich bin grade auf diese Rezi gestoßen und habe sie mit Neugierde gelesen. Sie ist schon geschrieben. Du machst das so schön ausführlich.
    Mometan höre ich das Hörbuch und mir kommt definitiv das Wort MADEN, etwas zuuuu häufig vor,… Aber ich bin noch ziemlich am Anfang.

    1. Hallo Silke,

      oha, dann hast du, was Ekelfaktor betrifft, noch was vor dir… Obwohl, da ich mit meiner Antwort ja ewig gebraucht habe, bist du wahrscheinlich inzwischen durch? 🙂

      LG,
      Mikka

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