Rezension: »Einzeller« von Gertraud Klemm

»Einzeller« von Gertraud Klemm

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Ein Rezensionsexemplar des Buches wurde mir von NetGalley im Auftrag des Verlags zur Verfügung gestellt.

TERFs, Sternchen-Feministinnen und Reality-TV

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Gertraud Klemms literarisches Werk umfasst Romane, Erzählungen und Essays, in denen sie sich kritisch mit den gesellschaftlichen Erwartungen auseinandersetzt, die an Frauen gestellt werden. Mit feiner Beobachtungsgabe und scharfsinniger Analyse seziert sie Geschlechterrollen in verschiedenen Kontexten, sowie die Spielarten und Fallstricke des Feminismus.

Ihre Beobachtungen sind präzise und entlarvend; ihr feiner Blick für die feministische Selbstsabotage ist mit bitterbösem Humor versetzt.

2

Was bedeutet Feminismus? Wie sollte er praktiziert werden? Frau Klemm zeigt sehr anschaulich, dass es trotz guter Absichten nicht immer einfach ist, eine klare und einheitliche Position zu finden. Ihre fünf Protagonistinnen leben in einer feministischen WG und repräsentieren die volle Bandbreite der möglichen Spielarten – aber auch die volle Bandbreite des Scheiterns: das Aufschieben, die leeren Vorsätze und die Lippenbekenntnisse, die dazu führen, dass Unterschiede über gemeinsame Ziele gestellt werden.

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Zunächst gelingt ihnen noch ein friedliches Miteinander, zusammengeschweißt durch die Furcht vor einer drohenden politischen Wende, die Jahrzehnte der Emanzipation durch Beschneidung der Frauenrechte zunichtemachen könnte. Doch dann lassen sie sich darauf ein, ihre Ansichten in einem Reality-TV-Format zu diskutieren und zu verteidigen – und diese Art von Pseudojournalismus lebt nun mal von Drama und Kontroverse.

Ein kluger Schachzug der Autorin, der es ihr erlaubt, die verschiedenen Aspekte des Feminismus plakativ auf die Spitze zu treiben! Die klassischen Feministinnen misstrauen dem ‚Buchstabensalat‘ der scheinbar oberflächlichen Social-Media-Generation, die wiederum den alten Feminismus nicht inklusiv genug findet. So entstehen Feindbilder unter eigentlich Verbündeten, Konkurrenzdenken und Eifersucht trüben die Sicht.

Fazit

Lieblingsbuch

»Einzeller« ist ein kluger Roman, der auf humorvolle Weise die verschiedenen Aspekte des Feminismus auf die Spitze treibt und dennoch ernsthafte Fragen stellt, die zum Nachdenken anregen.

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