[ Rezension ] Ada Fink: Blütengrab

Blütengrab

© Cover ‘Blütengrab’: Rowohlt
© Bild Smartphone: Pixabay

Handlung

“1993, Ostdeutschland. Auf einem Bett aus Blütenzweigen und den Körper übersät mit germanischen Runen – so wird in einem abgelegenen Waldstück bei Wussnitz eine Mädchenleiche gefunden. Die ehrgeizige Kommissarin Ulrike Bandow und der neue westdeutsche Kollege Ingo Larssen übernehmen ihren ersten gemeinsamen Fall. Rätselhafte Spuren führen das ungleiche Ermittlerpaar bis in die deutsch-deutsche Vergangenheit, wo sie auf eine bisher unentdeckte, bizarre Mordserie stoßen. Jetzt ist der Täter zurückgekehrt, an den Ort, an dem alles begann. Um ihn aufzuhalten, müssen die Ermittler lernen, einander zu vertrauen. Doch das ist nicht einfach, denn Ulrikes eigene Schuld führt zu einem tiefen Abgrund, in den sie niemals schauen wollte…”

(Klappentext)

Mord im gerade erst vereinten Deutschland

Der Fall ist in einer sehr interessanten Phase der deutschen Geschichte angesiedelt: Es ist 1993, also nur ein paar Jahre nach dem Mauerfall. Für die Menschen der ehemaligen DDR hat sich das Leben auf fundamentale Weise verändert, und Ossis und Wessis müssen sich vielerorts mit mehr oder weniger großen Schwierigkeiten zusammenraufen.

Wer sich an diese Zeit erinnert, hat sicher noch im Kopf, dass nach der ersten Euphorie im Jahr 1989 zunächst eine wunderbare Willkommensstimmung herrschte, es aber auch schnell zu fiesen Witzen und massiven Vorurteilen gegenüber den neuen Mitbürgern kam. Auf beiden Seiten fühlten sich Menschen desillusioniert von der schönen neuen Welt.

Auch Kommissarin Ulrike Bandow und ihre Kollegen bei der Polizei im (fiktiven) Städchen Wussnitz in Mecklenburg müssen sich an ganz neue Bedingungen gewöhnen, wie zum Beispiel neue Dienstwaffen – und jetzt auch noch an den neuen Kollegen Ingo Larssen, der gerade erst aus Westdeutschland zu ihnen versetzt wurde.

Die Dynamik zwischen Bandow und Larssen ist großartig.

Der erfahrenere Larssen schüttelt den Kopf über Ulrikes impulsive Art, mit der sie durchaus auch mal etwas vermasselt, oder die Sturheit, mit der sie es erst ablehnt, in eine von ihm vorgeschlagene Richtung zu ermitteln. Umgekehrt kann sie sich nur wundern darüber, wie überaus ruhig und geradezu träge er oft wirkt, auch in Situationen, in denen in ihren Augen Action und schnelles Handeln gefragt sind.

Aber trotz gegenseitiger Vorbehalte wird bald klar, dass sie sich in vielem mühelos ergänzen. Es klickt einfach, und besonders bei Vernehmungen spielen sie sich ganz intuitiv die Bälle zu. Der deutlich ältere Larssen wird zu seinem eigenen Erstaunen fast schon zu einer Art väterlichem Mentor, während sie überrascht feststellt, dass seine ruhige Art sie erdet.

Das ist wunderbar geschrieben.

Im Laufe des Buches zeigt sich, dass beide sehr vielschichtige Charaktere sind, mit Stärken und Schwächen und komplexen Hintergrundgeschichten. Ich habe mich richtig in die beiden verliebt und hoffe sehr, dass dies der erste Band einer Reihe ist!

Auch andere Charaktere werden glaubhaft und lebendig geschildert, wie zum Beispiel die 13-jährige Ingrid, die das Opfer gefunden hat und durch die Umstände des Mordes nach und nach realisiert, dass sie mit der Weltsicht ihrer Eltern nicht einverstanden ist.

Der Thriller baut schnell Spannung auf.

Es ist eine sehr intelligente Spannung, die weniger auf blutigen Taten als auf einer überaus originellen Hintergrundgeschichte beruht. Durch einige Wendungen und überraschende Entwicklungen wird die Geschichte von Mal zu Mal facettenreicher und führt dabei immer weiter zurück in die DDR-Vergangenheit.

Ulrike sperrt sich gegen eine Schuld, die sie als Kind auf sich geladen hat, und muss sich irgendwann fragen, ob sie das bei diesem Mordfall blockiert. Und das eröffnet ein wahres Geflecht an Verwicklungen und unerwarteten Aspekten eines alten Falles, in dem ihr Vater, der ebenfalls Polizist war, ermittelte.

Ada Fink hat eine sehr unterhaltsame ‘Schreibe’.

Sie erzählt diese Geschichte mal mit düsterer, dichter Atmosphäre, dann wiederum mit feinem Humor oder auch mal leiser Schwermut – immer passend gewählt, so dass es dich als Leser:in mitten in die Geschehnisse hineinzieht.

Fazit

Es ist 1993, wir sind in einem kleinen Örtchen in Mecklenburg. In einem Waldstück wird die Leiche eines 13-jährigen Mädchens gefunden, gebettet auf Blüten und übersät mit Runen, die ihr in die Haut geschnitten wurden. Bei der Ermittlung des Falls müssen sich Kommissarin Ulrike Bandow und ihr neuer westdeutscher Kollege Ingo Larssen zusammenraufen – trotz gegenseitiger Vorbehalte.

Der Fall ist komplex und schlüssig aufgebaut, die Spannung entwickelt sich schnell. Aber auch schon der Einblick in die Zeit nach dem Mauerfall ist interessant – die Erinnerung daran, wie misstrauisch sich Ost und West nach der ersten Euphorie begegneten. Bandow und Larssen werden mit einigen sehr düsteren Aspekten der DDR-Vergangenheit konfrontiert.

Für mich ist “Blütengrab” ein rundum gelungenes Buch: wunderbarer Schreibstil, glaubhafte Charaktere, ein packender Fall, der hoffentlich nur der erste von vielen ist.

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TitelBlütengrab
Originaltitel
Autor(in)Ada Fink
Übersetzer(in)
Verlag*Rowohlt
ISBN / ASIN978-3-8052-0059-2 (Taschenbuch)
Seitenzahl*448
Erschienen im*März 2021
Genre*Thriller
bezieht sich auf die abgebildete Ausgabe des Buches

Das Buch auf der Seite des Verlags
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