[ Moment Mal! ] Lesewoche #19 2021

Moment mal!

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Was ist ‘Moment mal’?  

Moment mal’ zeigt euch eine Momentaufnahme meiner kleinen Lesewelt. Was ich gelesen habe, gerade lese, lesen will… Und was mir sonst noch so einfällt!

Seit dem letzten ‘Moment Mal!’ beendet

Michael Hugentobler: Feuerland

Michael Hugentobler: Feuerland

Thomas Bridges kommt in den 1850er Jahren als Adoptivsohn eines britischen Missionars ins Gebiet der Yámanas in Südamerika. Er beginnt schon bald damit, ein Wörterbuch der Sprache dieses sterbenden Volkes zu erstellen. Jahrzehnte später umfasst es 32.000 Wörter und gelangt in den Besitz des Ethnologen und Sprachwissenschaftlers Ferdinand Hestermann, für den es schnell Fix- und Angelpunkt seines ganzen Lebens wird. Um zu verhindern, dass das Buch den Nationalsozialisten in die Hände fällt, verlässt er in den 30er Jahren das Land und begibt sich auf eine Reise, die zunehmend unwirklicher und bedrohlicher erscheint.

Der Roman ist durch und durch originell, beschäftigt sich in einzigartigem Stil mit Kolonialismus, Fanatismus, Ethnologie und Sprache. Die Handlung weicht in vielem von der Realität ab, verliert sich hier und dort sogar in Traumsequenzen und sehr sonderbaren Episoden – aber wenn man sich darauf einlässt, ist das auf kafkaeske Weise großartig. Schreibstil und Charaktere fand ich phänomenal.

Momentane Lektüre

Zur Zeit lese ich einige Bücher gleichzeitig – das war so nicht beabsichtigt, aber dann überschnitten sich auf einmal diverse Leserunden!

Julie Estève: Ich, AntoineArnon Grünberg: Besetzte GebieteIan Bray: KlippentodMichael Christie Das Flüstern der Bäume

Julie Estève: Ich, Antoine

Damit habe ich wirklich gerade erst angefangen, da kann ich noch nichts drüber sagen!

Arnon Grünberg: Besetzte Gebiete

So langsam fühle ich mich übelst enttäuscht. Meine allererste Notiz war: Auch hier bin ich noch nicht sehr weit gekommen, aber ich habe das Gefühl, das wird ein Highlight. Die Figurenkonstellation ist großartig, das kribbelt richtig beim Lesen, macht einfach Spaß. Der unzuverlässige Erzähler gibt dem Ganzen eine tragikomische Vielschichtigkeit, da weißt du nie, was dich erwartet – das ist manchmal fast schon absurd, aber es ist oft auch zum Haareraufen komisch und gleichzeitig bitter.

Und nun? Blowjob mit Schwiegermama, ich bin im falschen Film. (Da gehe ich lieber nicht näher drauf ein…)

Da wird meines Erachtens so viel verschenkt, und mir fehlt auch, dass dem jüdischen Protagonisten, den es nach Israel verschlug und der für die zionistischen Siedler nur eine Art verzweifelte Verachtung übrig hat (und dennoch keine Konsequenzen daraus zieht), mindestens ein zionistischer Charakter gegenübergestellt wird, der nicht wirkt wie ein überzogenes Zerrbild und den Leser:innen dadurch einen Einblick gibt, was diese Menschen motiviert und wie sie ihr Verhalten selber sehen. Da muss nicht mit Kritik gespart werden – im Gegenteil, Kritik würde in meinen Augen wirkungsvoller –, aber so kann ich den Roman nicht mehr erst nehmen. Humor kann ein tolles Mittel für Satire sein, aber hier ist er mir einfach zu platt.

Ian Bray: Klippentod

Und ich find’s leider so 08/15 und uninspiriert, bei mir kommt da null Spannung auf. Habe schon mit einer anderen aus unserem Krimilesekreis getuschelt – wir lesen das Buch gerade für unser nächstes Treffen –, und die ist der gleichen Meinung. Das kann ja heiter werden… Ich hoffe mal, dass es entweder noch besser wird oder wenigstens eine der anderen das Buch toll findet, sonst wird das eine kurze Diskussion, wenn wir das nächste Zoom-Meeting machen.

Es ist einfach so, dass es wirklich eine Unmenge an “Füllmaterial” gibt. Das Lokalkolorit ist ja noch ganz stimmig und sorgt für Atmosphäre (obwohl mir ein bisschen zu viel vom Wetter gesprochen wird), aber es geht auch oft um die Vergangenheit und die sonstigen Probleme der Charaktere – da gerät der eigentlich Fall ins Hintertreffen. Da geht es nicht nur um den tragischen Unfall, der dem Protagonisten Freundin und Gesundheit geraubt hat, sondern zum Beispiel auch um den kontrollsüchtigen Ex-Freund der Frau, für die er sich jetzt interessiert, oder den Verschönerungsverein, der sich geradezu militant ins Dorfleben einmischt. Das Buch hat 560 Seiten, aber ich vermute mal ganz stark, dass der Fall an sich nur die Hälfte brauchen würde.

Michael Christie:Das Flüstern der Bäume

Das hier gefällt mir richtig gut! Die Geschichte wird erst antichronologisch erzählt: sie beginnt im Jahr 2038 und dann wird so nach und nach die Familiengeschichte der Protagonistin aufgeblättert, auf diversen Zeitebenen. Ich bin im Jahr 1934 angekommen, danach wird die Geschichte ins Jahr 1908 springen, und dann stellt sie um auf chronologisch und nähert sich wieder nach und nach der Zeit, in der das Buch begann.

Momentane Lesestimmung

Ehrlich gesagt freue ich mich wahnsinnig auf den Zeitpunkt, wenn ich alle Rezensionsexemplare gelesen und besprochen habe, die ich entweder bereits erhalten oder die ich vor Monaten schon angefragt habt. Ende Juni sollte das der Fall sein, und danach ist SCHLUSS mit Rezensionsexemplaren. Ich kann nich mehr, ich will nicht mehr, ich habe totalen Rezensions-Exemplar-Burnout. Ich will wieder Bücher lesen, weil ich Lust darauf habe, Punkt. Rezensionen werde ich trotzdem schreiben, aber dann ganz relaxed.

Momentane Leseplanung

Ulrich Tukur: Der Ursprung der WeltBenedict Wells: Hard Land

Ulrich Tukur:
Der Ursprung der Welt – 304 Seiten

Benedict Wells:
Hard Land – 352 Seiten

Momentane Lesezahlen

der letzten 7 Tage –

Seiten insg.: 768
Meiste Seiten an einem Tag
:140
Ø Seiten pro Tag
: 110

Gelesene Zeit
: 16h 11min
Längste Zeit an einem Tag
: 3h 7min
Ø Zeit pro Tag
: 2h 19min

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Kategorie: Moment mal!

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