[ Kurz-Rezension ] Rainer Doh: Goldkap

Rainer Doh Goldkap

#anzeige: Ein Rezensionsexemplar des Buches wurde mir vom Verlag für eine ehrliche Rezension zur Verfügung gestellt.

© Cover ‘Rainer Doh Goldkap’: Divan-Verlag © Foto: A.M. Gottstein

Hei, alle sammen!

(norw.: Hallo allerseits!)

Ganz ehrlich, so richtig angesprochen hat mich das Cover des Buches nicht, aber der Klappentext hat mich umso neugieriger gemacht.

“Nordnorwegen: Der grausige Fund einer Wasserleiche verdirbt dem Kriminalkommissar Arne Jakobson die Laune und das unerwartet beste Sommerwetter. Auf der Suche nach dem Mörder finden sich viele Verdächtige, erst recht als Gerüchte die Runde machen, in der verfallenen Bunkeranlage aus dem Zweiten Weltkrieg, die das Opfer restaurierte, sei ein riesiger Goldschatz der Wehrmacht verborgen. Hat der Mord etwa mit dem Gold zu tun? 

Als die Medien die Sache aufgreifen, beginnt 300 km hinter dem Polarkreis ein regelrechter Goldrausch, und sogar die norwegische Nationalbank mischt sich ein. Aber dann passiert in Tromsø ein weiterer Mord und Arne wird klar, dass er auf einer ganz falschen Fährte ist.”

Meine Erwartungen waren hoch, weil ich a) Krimis liebe, b) selber schon ein paar Mal in Tromsø war und c) die Geschichte der Besatzung Norwegens durch die Deutschen im Zweiten Weltkrieg sehr spannend finde, da dort meine eigenen Wurzeln liegen. (Meine Großmutter ist Norwegerin, mein Großvater war damals als deutscher Soldat in Norwegen stationiert.)

Es ist immer etwas heikel, wenn man an ein Buch mit hohen Erwartungen herangeht, denn dann kann man ganz schon tief fallen…

Konnte “Goldkap” meine Erwartungen erfüllen? Mein Fazit:  

An einer Stelle sagt ein Charakter:
“Zuerst war es nur eine Leiche, dann ein Mord, dann hatten wir plötzlich einen Goldschatz und ein ganzes Schlachtschiff, eine Nationalbank, die Angst um die Stabilität der Währung hat, jetzt haben wir auf einmal noch die Kriegskinder am Hals. Was kommt denn da als nächstes? Eine explodierende Bohrinsel? Eine Epidemie unter den Rentieren?” 

Originalität:

Hier kommt wirklich einiges an Themen zusammen, in der Gegenwart und in Einschüben mit Szenen aus dem Norwegen des Zweiten Weltkriegs. Ich fand die Mischung einfallsreich, gut umgesetzt, in sich schlüssig und rundum ansprechend.

Spannung:

Das Buch ist auf verschiedenen Ebenen spannend! Mal klassischer Krimi, mal Kriegsdrama, mal hat es sogar Anflüge von Indiana Jones, wenn eine Gruppe von Menschen einen Bunker erforscht, der nach 70 Jahren erstmals aufgebrochen wurde. Für mich ein echter Pageturner.

“Auf einmal war die Fahrbahn verschwunden. Die Straße führte plötzlich ins Nichts, soweit man das im schwachen Scheinwerferlicht überhaupt sehen konnte – nur noch Dunkelheit und Schneetreiben. Die Straße war weg. Einfach weg. Der Fahrer stemmte sich in die Bremse und riss mit aller Kraft das Steuer des Deutz herum. Aber der LKW kippte schon nach vorn in den Abgrund. 

»Scheiße!«, brüllte der Fahrer. Das Scheinwerferlicht tanzte einen Moment lang noch über Büsche und Felsbrocken, dann splitterten Glas und Metall. Jetzt war es stockdunkel. Alles war voll Schnee, Steine prasselten herein. Und die Glassplitter. Ein Rumpeln von hinten, die Ladung hatte sich gelöst, gleich darauf kam von der Rückbank ein entsetzlicher Schrei, der sich in einem dumpfen Stöhnen verlief. Der Wagen legte sich auf die Seite und überschlug sich langsam, wie in Zeitlupe. (…) Dann der Aufprall. Krachen zuerst. Noch eine halbe Drehung. Klatschen. und plötzlich war überall Wasser. Eiskaltes Wasser.”
(Textauszug)

Schreibstil:

Der Autor schreibt Szenen voll dichter, lebendiger Atmosphäre. In manchen davon kann man die unheilvolle Stimmung nur so spüren, in anderen habe ich aufgelacht oder wenigstens geschmunzelt… So oder so hat mich der Schreibstil immer stark angesprochen.

“An einer breiten Holztreppe, die zum Eingang des Altenheims führte, hatten sich sämtliche Bewohner eingefunden. Sie waren mit diversen Gehhilfen, mit Stöcken, Krücken, Rollatoren und zwei Rollstühlen in einem Halbkreis zusammen mit einigen Pflegekräften am Eingang aufgestellt und jetzt schauten sie enttäuscht auf die Kommissarin aus Tromsø, die weder in einem richtigen Streifenwagen vorgefahren war noch diese schöne blaue Uniform mit den tausend Abzeichen trug. Annelie trug Jeans und ein buntes T-Shirt, sie hätte ebenso gut die Enkelin oder Nichte einer der Bewohner sein können. (…) 
Annelie versuchte ihren Fehler wieder gut zu machen; sie hob ihren Dienstausweis in die Höhe und rief so laut, dass man es auch ohne Hörgerät verstehen konnte: »Guten Morgen! Ich bin Hauptkommissarin Annelie Erlander! Kriminalpolizei Tromsø! Ich führe eine amtliche Befragung durch! Wer ist bitte Odvar Hansen?«
Ein wenig schienen die Leute nun versöhnt, wie Annelie dem beifälligen Gemurmel entnehmen konnte.”

(Textauszug)

Charaktere:

Der Autor schafft es, dem Leser einen Charakter in wenigen Worten nahe zu bringen, mit all seinen Vorzügen, Charakterschwächen und Schrullen. Dabei nimmt er oft die Eigenheiten und das Lebensgefühl verschiedener Nationalitäten aufs Korn – und das fand ich oft wirklich lustig.

Hier kommen noch die Eckdaten des Buches:

  
TitelGoldkap
Autor(in)Rainer Doh
Verlag*Divan
Seitenzahl*400
Erscheinungsdatum*11. September 2017
GenreKrimi
Preis
Stand 24.11.2017
€16,90 (Taschenbuch)
€8,99 (eBook)
* bezieht sich auf die abgebildete Ausgabe des Buches

 

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