Literaturpreise

[ Newsticker ] Wilhelm-Raabe Literaturpreis / Österreichischer Buchpreis

Newsticker

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Mit Verspätung möchte ich hier auf diese beiden Preisverleihungen hinweisen – beziehungsweise auf diese drei, denn in Österreich wird zusätzlich zum ‚Hauptpreis‘ noch ein Debütpreis vergeben!

Den Wilhelm Raabe Literaturpreis 2019 erhielt Norbert Scheuer für „Winterbienen“.

[ Die offizielle Webseite des Wilhelm Raabe Preises ]

Norbert Scheuer Winterbienen

„Januar 1944: Während über der Eifel britische und amerikanische Bomber kreisen, gerät der wegen seiner Epilepsie nicht wehrtaugliche Egidius Arimond in höchste Gefahr. Er bringt nicht nur als Fluchthelfer jüdische Flüchtlinge in präparierten Bienenstöcken über die Grenze, er verstrickt sich auch in Frauengeschichten.

Mit großer Intensität erzählt Norbert Scheuer in „Winterbienen“ einfühlsam, präzise und spannend von einer Welt, die geprägt ist von Zerstörung und dem Wunsch nach einer friedlichen Zukunft.“

(Klappentext)

Das Buch war bereits für den Deutschen Buchpreis 2019 nominiert, schaffte es dort bis auf die Shortlist und wurde von manchen Bloggern als Favorit gehandelt – letztendlich erhielt jedoch „Herkunft“ von Saša Stanišić den Preis.

Nun wurde es also stattdessen der von der Stadt Braunschweig und dem Deutschlandfunk gestiftete Wilhelm Raabe Literaturpreis 2019, dotiert mit 30.000 Euro. Nicht nur in finanzieller Hinsicht mehr als ein Trostpreis! Interessanterweise drehten sich hier die Verhältnisse um: wieder standen Werke von Scheuer und Stanišić auf der Shortlist, doch dieses Mal trug Scheuer den Sieg davon.

Aus der Begründung der Jury:

„In „Winterbienen“ erreicht Norbert Scheuer eine äußerste Nähe von symbolischem Zeichen und konkreter Realität. In der Form des Tagebuchs findet er zu einer Kompaktheit der Darstellung und einer Gelassenheit der Schreibweise, die jedes Unheil in der Welt überführt in eine neue ästhetische Ordnung.“

Interessanterweise wurde „Winterbienen“ vor kurzem im Literarischen Quartett besprochen und rief dort sehr gemischte Reaktionen hervor! Die beiden Gegenpole waren vor allem Christine Westermann, die von dem Buch begeistert war, und Sibylle Berg, die sich laut eigener Aussage dachte: „WTF, sowas kommt auf die Buchpreisliste?!“

[ Hier findet ihr meine Mitschrift der Sendung. ]

Ich muss gestehen, dass ich das Buch vor ein paar Wochen gelesen, aber immer noch nicht rezensiert habe, da meine Meinung fluktuiert zwischen: was das Buch wahrscheinlich bewirken sollte und was es bei mir bewirkt – oder eben auch nicht bewirkt. Aber auf zum nächsten Preis:

Österreichischer Buchpreis

[ Die offizielle Webseite des Österreichischen Buchpreises ]

Den Österreichischen Buchpreis 2019 erhält Norbert Gstrein für „Als ich jung war“.

Norbert Gstrein Als ich jung war

„Am Anfang ist da nur ein Kuss. Aber gibt es das überhaupt, nur ein Kuss? Franz wächst im hintersten Tirol auf. Er fotografiert Paare „am schönsten Tag ihres Lebens“, bis bei einer Hochzeitsfeier die Braut ums Leben kommt. Was hat das mit ihm zu tun? Was damit, dass er nur Wochen zuvor am selben Ort ein Mädchen geküsst hat? Vor diesen Fragen flieht er bis nach Amerika. Doch dann stirbt auch dort jemand: ein Freund, in dessen Leben sich ebenfalls mögliche Gewalt und mögliche Unschuld die Waage halten. Was wissen wir von den anderen? Was von uns selbst? Hungrig nach Leben und sehnsüchtig nach Glück findet sich Franz in Norbert Gstreins Roman auf Wegen, bei denen alle Gewissheiten fraglich werden.“

(Klappentext)

Aus der Begründung der Jury:

„Norbert Gstrein setzt Zeichen um Zeichen. Man folgt seinem Konstrukt und seinem bewundernswert klaren Satzbau mit Spannung, aber im Gegensatz zum Detektivroman gibt es hier kein Superhirn, das die Zeichen eindeutig interpretieren könnte. Am Ende hält der Leser viele Fäden in der Hand. Ob einer davon der rote ist – wer weiß?“

Auch dieser Roman war vor kurzem zu Gast beim Literarischen Quartett, zu dieser Sendung habe ich jedoch keine Mitschrift erstellt! Daher nur ganz knapp mein Eindruck:

Theo Dorn kam sich vor wie bei einer Gletscherwanderung – „Irgendwas wird gleich passieren!“ –, und fragte sich, was genau das Verschwiegene in diesem Buch eigentlich ist. Sie fand es extrem interessant und gut erzählt.

Volker Weidermann dagegen hatte keine rechte Freude an dem Roman, fand ihn lieblos geschrieben und die Charaktere leblos, während Christiane Westermann sich vor allem langweilte. „Eine Zwiebel, die man pellt und pellt und pellt, und am Ende ist es immer noch die gleiche Zwiebel“.

Svenja Flaßpöhler sagte, die Geschichte sei geschickt gemacht – keine glamouröse Handlung, das Buch reflektiere aber auf kluge Weise das Erzählen selber.

Den Debütpreis erhielt Angela Lehner für „Vater unser“.

Angela Lehner Vater unser

„Die Polizei hat sie hergebracht, in die psychiatrische Abteilung des alten Wiener Spitals. Nun erzählt sie dem Chefpsychiater Doktor Korb, warum es so kommen musste. Sie spricht vom Aufwachsen in der erzkatholischen Kärntner Dorfidylle. Vom Zusammenleben mit den Eltern und ihrem jüngeren Bruder Bernhard, den sie unbedingt retten will. Auf den Vater allerdings ist sie nicht gut zu sprechen. Töten will sie ihn am liebsten. Das behauptet sie zumindest. Denn manchmal ist die Frage nach Wahrheit oder Lüge selbst für den Leser nicht zu unterscheiden. In ihrem fulminanten Debüt lässt Angela Lehner eine Geistesgestörte auftreten, wie es sie noch nicht gegeben hat: hochkomisch, besserwisserisch und zutiefst manipulativ.“

(Klappentext)

Aus der Begründung der Jury:

„Angela Lehners fulminanter Debütroman, unsentimental, frech und direkt erzählt, ist Familiengeschichte, Krankenhausreport und Krimi in einem – und zugleich ein kritischer Befund eines katholisch geprägten Österreich, in dem auf den Hausaltären neben dem Rosenkranz das gerahmte Porträtfoto von Jörg Haider liegt.“

[ Ausführlichere Jury-Begründungen ]

Dazu kann ich nur sagen: yeah, darauf hatte ich gehofft! „Vater unser“ war auf jeden Fall eines meiner Jahreshighlights – ich hatte dem Roman schon beim Deutschen Buchpreis die Daumen gedrückt, wo er auf der Shortlist stand. Aus meiner Rezension:

…um es salopp zu sagen, das ist einfach der Hammer. Und hier ist dieser Ausdruck so passend wie selten, denn die Autorin benutzt eine ausdrucksstarke, freche, intensive und kompromisslose Sprache, um dem Leser die Handlung quasi vor die Stirn zu knallen. Hab Spaß, aber schäm dich auch dafür. Lache, aber winde dich auch vor Unbehagen.

[ Meine Rezension zu „Vater unser“ von Angela Lehner ]

Habt ihr eines dieser Bücher gelesen, und falls ja, wie fandet ihr sie?

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Liebe Grüße,
Signatur Mikka

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