[ Moment Mal ] Lesewoche 22 2021

Moment mal!

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Was ist ‘Moment mal’?  

Moment mal’ zeigt euch eine Momentaufnahme meiner kleinen Lesewelt. Was ich gelesen habe, gerade lese, lesen will… Und was mir sonst noch so einfällt!

Seit dem letzten ‘Moment Mal!’ beendet

(Rezension folgt noch!)

Arnon Grünberg: Besetzte Gebiete

Arnon Grünberg: Besetzte Gebiete

Was für eine Achterbahnfahrt war dieses Buch für mich! Hellauf begeistert in den ersten Abschnitten, dann maßlos enttäuscht, und im letzten Abschnitt konnte mich das Buch dann doch wieder überzeugen… Denn da gewann eine Protagonistin, die mir bis dato zu klischeehaft erschien, mehr Tiefe und Dimension, obwohl ihre Ansichten und Handlungen nach wie vor sehr extrem sind. Aber es wird hier sehr deutlich, dass dahinter eine tiefe, grundlegende Angst und ein ererbtes Trauma stehen. Auch der grundlegende Konflikt trat auf unerwartete Weise wieder in den Fokus.

Julie Estève: Ich, Antoine

Julie Estève: Ich, Antoine

Diese Buch erzählt sicher keine “schöne” Geschichte, es ist alles sehr deprimierend, aber für mich war sie ein sehr überzeugender Einblick in eine Lebenswirklichkeit, die für die meisten Leser:innen sehr fremd ist. Sehr konsequent erzählt, und in meinen Augen auf unerwartete Art auch schlüssig.

Momentane Lektüre

Marianne Philips: Die Beichte einer Nacht

Marianne Philips: Die Beichte einer Nacht

Die Erzählerin ist in einer Nervenklinik. Mal sagt sie selber, sie sei verrückt, mal streitet sie das ab. Auf mich wirkt sie nicht verrückt, eher so, als sei sie nach einem Leben, in dem sie von allen Seiten ausgenutzt wurde, zusammengebrochen und habe etwas Schreckliches getan… Schon als Kind und Jugendliche wurde sie überarbeitet und bekam dabei fast keinen Schlaf, das kann einen Menschen zum Extrem treiben. Dabei ist sie wahrscheinlich in dieser Zeit kein Einzelfall.

Ein paar Mal beginnt sie, etwas über ihre Schwester Lientje und ihre große Liebe Hannes zu sagen, bremst sich dann aber. Daher vermute ich, dass das Schreckliche mit ihnen zu tun hat.

Mein Eindruck ist, dass viele der Patient:innen in dieser Nervenklinik nicht “verrückt” sind. Die alten Menschen dort sind zum großen Teil wahrscheinlich einfach dement, die jüngeren wie die Erzählerin überfordert von ihrem Leben. Und dort wird niemandem wirklich geholfen, die Patient:innen sollen den ganzen Tag im Bett bleiben und erhalten wohl kaum richtige Therapie. Die Erzählerin hat mal einen Termin bei einem Arzt, aber der beginnt schon nach dem ersten Gespräch, sie zu behandeln wie einen lästigen Gegenstand. Das Buch wurde in den 30ern geschrieben, soweit ich weiß, da war es wahrscheinlich wirklich so.

Die Nachtschwester bleibt ruhig, gibt keinerlei Signale, dass sie zuhört. Aber ich wette, das tut sie, sonst hätte sie die Erzählerin sicher schon längst wieder ins Bett verfrachtet… Wahrscheinlich wurde ihr beigebracht, nicht mit den Patient:innen zu sprechen, sie nicht zum Reden zu ermutigen. Stille Patient:innen sind pflegeleichter, und wenn sie erstmal angefangen haben, zu reden, fangen sie vielleicht auch an, zu weinen oder sogar zu schreien.

Also, ich kann mich der Geschichte jedenfalls nicht entziehen, sie hat mich richtig gepackt. Ich will wissen, wie es mit Heleen weitergeht, was sie erlebt hat, was sie in diese Nervenklinik gebracht hat.

Nam-Joo Cho: Kim Jiyoung, geboren 1982

Nam-Joo Cho: Kim Jiyoung, geboren 1982

Bisher gefällt mir das Buch sehr gut, di:er Leser:in bekommt einen guten Eindruck in die Leben von Mädchen und Frauen in dieser Gesellschaft. Schrecklich, dass die Mutter der Protagonistin sich gezwungen sah, das dritte Mädchen abzutreiben. (Das wird im Buch eher nebenher erzählt, als sei es gar kein großes Ding.) Schrecklich, dass das anscheinend gang und gäbe ist.

Zwar habe ich schon von solchen Geschehnissen und gesellschaftlichen Doktrinen gehört, aber hier habe ich das Gefühl, dass es mir näher kommt, als das der Fall wäre, läse ich die bloßen Fakten und Statistiken irgendwo – dabei ist der Schreibstil eher klar und nüchtern als emotional. Aber das macht es nur umso deutlicher, wie tief die Bevorzugung von Söhnen und die Deckelung von Töchtern integriert ist in das Alltagsleben Koreas. Das ist so eine selbstverständliche, beiläufige Unterdrückung, da kann ein Mädchen nur schwer gegen rebellieren, weil sie sonst dasteht als undankbar, garstig, verrückt.

Momentane Lesestimmung

Meine Lesestimmung ist eigentlich sehr gut, nur schleppe ich mich heute mit bleiernen Kopfschmerzen durch die Gegend… Aber ich freue mich schon darauf, morgen “Die Beichte einer Nacht” und “Kim JinYoung” weiterzulesen! Ich muss auch mal wieder anfangen, Rezensionen zu schreiben – “Adas Raum” habe ich im April schon gelesen und immer noch nicht rezensiert.

Momentane Leseplanung

Yulia Marfutova Der Himmel vor hundert JahrenTod in Weißen Nächten

Yulia Marfutova:
Der Himmel vor hundert Jahren – 192 Seiten

G.D. Abson:
Tod in Weißen Nächten – 448 Seiten

Momentane Lesezahlen

~ der letzten 7 Tage ~

Seiten insg.: 341
Meiste Seiten an einem Tag
: 70
Ø Seiten pro Tag
: 49

Gelesene Zeit
: 7h 5min
Meiste Minuten an einem Tag
: 105
Ø Minuten pro Tag
: 61

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Kategorie: Moment mal!

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