#Lesetagebuch KW36 2022

Lesetagebuch

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Zuletzt beendet

(Rezension folgt noch)

Anna Kim: Geschichte eines Kindes

In den 50er Jahren wird der kleine Danny noch am Tag seiner Geburt zur Adoption freigegeben. Als die Krankenschwestern Merkmale in seinen Zügen entdecken, die vielleicht indianisch, vielleicht ‘negrid’ sind, beginnt eine obsessive Suche nach dem Vater, um Dannys ‘rassischen Hintergrund’ zu bestimmen.

In dieser auf Tatsachen beruhenden, halbdokumentarischen Geschichte geht es um den beiläufigen Rassismus der 50er Jahre. Um bürokratische Übergriffigkeit und Objektifizierung. Aber auch sehr zentral um Mütter, die keine sein wollen oder können. Und immer wieder um die Frage nach der eigenen Identität – insbesondere im Kontext des Lebens in einer Gesellschaft, in der deine ‘rassische Identität’ dich automatisch zu einem Fremden, zu etwas Anderem macht.

Anna Kim erzählt diese Geschichte zum Teil in nüchternen Aktennotizen – und es ist gerade deren perfide Sachlichkeit, die mich fertigmacht. Die Akten sind für moderne Leser:innen ein Absurdum. In den knappen Notizen wird quälend offensichtlich, wie normal zu der Zeit eine Sprache war, die wir heute als entwürdigend betrachten, als rassistische Entmenschlichung. Und das, obwohl die Schwestern und auch die Ärzte eigentlich nur das Beste für Danny wollen. Sie sind so tief verankert im Irrglauben ihrer Zeit … Hier wird eher ein leiser, gewaltloser Rassismus beschrieben, ein geradezu freundlicher Rassismus. Aber eben doch Rassismus.

Das Buch hat mich auf jeden Fall abgeholt, ich war voll und ganz gefesselt von der Geschichte. Diese bietet einen neuen Blickwinkel auf das Thema Rassismus – mal intensiv, mal aus der distanzierten Sicht der Bürokratie. Dennoch habe ich ein paar leise Kritikpunkte, auf der ich in meiner Rezension (ich schreibe schon daran) näher erläutern werde.

Nichtsdestotrotz ist es ganz ohne Frage ein fesselndes, ein wichtiges Buch, das die Nominierung für den Deutschen Buchpreis verdient hat.

“Geschichte eines Kindes” ist das Patenbuch der Buchpreisbloggerin Anne-Sophie Hoffmann – anne.liest.buecher
Blog: www.anne-liest-buecher.de 
Instagram: @anne.liest.buecher

Jochen Schmidt Zuckersand

Jochen Schmidt: Zuckersand

Was für ein wunderbares, sensibles Buch. Hier beschäftigt sich ein Vater reflektierend mit der eigenen Kindheit, während er seinem zweijährigen Sohn Zeit und Raum gibt, die Welt zu entdecken – in selbstbestimmtem Tempo, auf selbstbestimmte Art. Da wird nichts als lächerlich oder unwichtig betrachtet. Wenn der kleine Karl Steine schleppen will, schleppt er Steine. Wenn er sich endlos damit beschäftigen will, sich die Hände zu waschen, ist das auch ok. Alles ist ein Wunder, alles ist ein Meilenstein. Alles wird bestaunt.

Der Vater bemüht sich, den nötigen Schutz zu gewährleisten, ohne das Kind in seinen Erlebnissen zu begrenzen. Und das hat nichts mit Verwöhnen zu tun, geschweige denn mit Verziehen. Mehr damit, Karl ein solides Fundament für seine Entwicklung zu geben.

Da ich selber keine Kinder habe, rief das bei mir natürlich keine Erinnerungen ans Elternsein hervor – jedoch viele lange vergessen geglaubte Erinnerungen, wie ich als kleines Kind mit Hingabe im Dreck wühlte, wie jeder glatte Stein ein Schatz war, was für ein kleiner Adrenalinstoß es war, wenn ich von etwas Hohem heruntersprang.

Übrigens ist hier der Vater derjenige, der sich um Kind und Haushalt kümmert, während die Mutter arbeiten geht. Ganz selbstverständlich, ohne dass das in irgendeiner Form als sonderbar oder abseits der Norm dargestellt wird.

Anna Yeliz Schentke: Kangal

Anna Yeliz Schentke: Kangal

Habe ich gelesen, aber noch nicht ausreichend sacken lassen, um etwas dazu zu schreiben! Nur so viel: ein sehr interessanter Roman, der sich süffig wegliest, ohne trivial zu sein. Mehr im nächsten Lesetagebuch!

“Kangal” ist das Patenbuch der Buchpreisblogger Björn Brolewski & Katharina Hößler
Instagram: @_kalliopeia

Aktuelle Lektüre

Jochen Schmidt Phlox

Jochen Schmidt Phlox

Jetzt beginne ich endlich mit dem Buch, das mir als Buchpreisbloggerin als Patenbuch zugeteilt wurde! Ich bin guter Dinge, dass es mir gefallen wird, nachdem mir “Zuckersand” so gut gefiel (siehe oben). Ich freue mich darauf, Protagonist Richard mit seiner Familie wieder zu begegnen – sowohl für Richard als auch für die Leser:innen sind Jahre vergangen zwischen den beiden Büchern, ich bin gespannt, was sich alles getan und verändert hat.

Bloggeflüster

So, jetzt verabschiede ich mich für die Woche und wünsche euch ein schönes Lesewochenende!

Man liest sich!

Kategorie: Lesetagebuch

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