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[ Rezension ] Lindsay Jayne Ashford: Das Flüstern des Mondfalters

Rezension Lindsay Jayne Ashford: Das Flüstern des Mondfalters
Ein Rezensionsexemplar des Buches wurde mir vom Verlag für eine ehrliche Rezension zur Verfügung gestellt.

© Cover / Titelbild “Lindsay Jayne Ashford: Das Flüstern des Mondfalters” : Tinte & Feder
© Smartphone im Beitragsbild: Pixabay


Handlung

Der Roman beruht auf dem Leben der in Bombay geborenen anglo-indischen Schauspielern ‘Merle Oberon‘ (Geburtsname: Estelle Thompson), die zwischen 1928 und 1973 in zahlreichen Filmen und Serien mitspielte. Besonders in den 30ern und 40ern gewann sie prestigeträchtige Hauptrollen und Filmkritiker rezensierten ihre Darstellung überwiegend positiv. Als Tochter einer Inderin und eines Engländers hielt sie ihr indisches Erbe jedoch bis zu ihrem Tode geheim; aufgrund herrschender Vorurteile und geltender diskriminierender Gesetze wäre ihr eine Karriere beim Film ansonsten nicht möglich gewesen.

Lindsay Jayne Ashford : Das Flüstern des Mondfalters

Meine Rezension

Die Autorin nahm sich beim Nacherzählen von Merle Oberons Leben einige künstlerische Freiheiten, wie sie im Nachwort näher erläutert. Bei den erfundenen Elementen handelt es sich um zentrale Elemente der Geschichte: traumatische Erlebnisse, erbitterte Rivalitäten, enge Freundschaften oder Affären, die das Leben der fiktiven Merle maßgebend beeinflussen.

In meinen Augen gelingt diese Gratwanderung zwischen Roman und Biografie nur mit Einschränkungen

Ich fand es enttäuschend, nach dem Lesen des Romans festzustellen, dass die großartigsten seiner Momente – die liebenswertesten seiner Charaktere! – nicht der Realität entsprechen. Dabei böte das Leben der Schauspielerin auch ohne Ausschmückung schon Stoff für ein hochinteressantes Buch, mit einzigartigen Einblicken in das Leben der कच्चा बच्चे (Hindi: Kutcha butcha, ‘halb gebackenes Brot’): Menschen indo-englischer Abstammung.

Meines Erachtens würde die Geschichte besser funktionieren, hätte Lindsay Jayne Ashford sich ganz vom Biografischen gelöst und aus Merle eine rein fiktive Gestalt gemacht.

Kann “Das Flüstern des Mondfalters” als fiktives Werk überzeugen?

Spannungsbogen

In den ersten Kapiteln, die in Indien spielen, war ich vollkommen gefesselt von Merles Existenz zwischen zwei Kulturen. Als hellhäutiger ‘Mischling’ ist ihre einzige Chance auf ein besseres Leben, sich als ‘reinblütige’ Engländerin auszugeben, was einiges an Selbstdisziplin und Täuschung erfordert. Und ihr Leben wird keineswegs einfacher, als sie den Sprung nach Hollywood schafft – im Gegenteil. Sie muss ich gänzlich neu erfinden, vom Namen angefangen bis zu ihrer Familiengeschichte.

Für mich lag ein Großteil der Spannung nicht etwa darin, ob sie mit dieser Täuschung auffliegen würde. Viel interessanter fand ich, wie sich das Doppelleben auf ihre persönliche Entwicklung auswirken würde: auf ihre Werte und Prinzipien, ihre zwischenmenschlichen Beziehungen, ihr ganzes Wesen. Doch diese Entwicklung erwies sich als Enttäuschung.

Charakterentwicklung

Letztendlich kam ich weder der erfundenen noch der wahren Merle nahe. Sie geht durch ihr Leben, als sei es nur eine weitere Rolle in einem weiteren Film.

Heute in diesem Theater: Estelle Thompson spielt Merle Oberon, verpassen Sie nicht das Double Feature. Eine bravouröse schauspielerische Leistung!

Natürlich liegt genau darin ihr großes persönliches Drama, aber als Mensch wirkte sie auf mich immer weniger authentisch. Ich fand ihr Leben interessant – mitfühlen konnte ich in den späteren Kapiteln selten. Daher berührten mich auch die Liebesgeschichten leider nur wenig.

Andere Charaktere schöpfen für meine Begriffe ihr volles Potential ebenfalls nicht aus, angefangen bei Merles Mutter Charlotte. Diese lässt sich auf die Rolle der Haushälterin degradieren, damit Merle ihren Traum als weiße Engländerin leben kann, mir als Leserin blieb sie über diese Tragik hinaus jedoch fremd.

Die interessantesten Charaktere waren für mich tatsächlich die, deren Beziehung zu Merle überwiegend erfunden war!

Diese konnten mich bewegen und brachten Herzblut und echtes Drama in die Geschichte. Das bestärkt mich in dem Gefühl, dass Merle als rein fiktiver Charakter möglicherweise besser ‘funktioniert’ hätte.

Schreibstil

Der Schreibstil gefiel mir sehr gut. Die Autorin beschreibt besonders die Schauplätze mit lebendigen Bildern und viel Atmosphäre. Sie lässt vor dem Leser die schillernde Welt des Films auferstehen, hat aber auch ein Gespür für die sozialen Konflikte der Zeit. Die Dialoge gelingen ihr ebenfalls hervorragend.

Fazit

“Das Flüstern des Mondfalters” erzählt vom glamourösen Leben der anglo-indischen Schauspielerin Merle Oberon – allerdings verrät die Autorin im Nachwort, dass einiges, was im Buch passiert, frei erfunden ist.

Eine Mischung aus Biografie und fiktivem Roman also, die mich nur bedingt überzeugte.

Den Schreibstil fand ich wunderbar, die Einblicke in die Zeit hochinteressant, aber die Protagonistin wurde mir zunehmend fremd und konnte mich immer weniger berühren. Auch das Ende enttäuschte mich, da die Autorin her bei einer sehr wichtigen Sache in Merle Oberons Leben deutlich von der Realität abweicht.

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Das Flüstern des Mondfalters Wertung 46 Prozent

TitelDas Flüstern des Mondfalters
OriginaltitelWhisper of the Moon Moth
Autor(in)Lindsay Jayne Ashford
Übersetzer(in)Peter Groth
Verlag*Tinte & Feder
ISBN*2919800191
978-2919800193
Seitenzahl*416
Erschienen am*1. Mai 2018
GenreGegenwartsliteratur / Biografischer Roman
* bezieht sich auf die abgebildete Ausgabe des Buches

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