Monatsrückblicke

#Zurückgeschaut : Lesemonate November + Dezember 2019

Zurückgeschaut

© Beitragsbild: KeJas-BlogBuch
© der Cover liegt bei den jeweiligen Verlagen

Buchiger Rückblick auf November und Dezember 2019

Ich kombiniere meinen Monatsrückblick mit der Aktion #zurückgeschaut, die sich Kerstin und Janna vom Blog KeJas-BlogBuch ausgedacht haben. Es geht dabei um Neuzugänge und die aktuelle Lektüre, Geheimtipps, Highlights oder Flops, Zitate und was einem sonst noch so einfällt…

Meine Güte, ich habe seit Oktober keinen Monatsrückblick geschrieben… Dieser Beitrag ist lange überfällig!

NewIn = Neuzugängeposts

[ Neuzugänge ] Buchneuzugänge im Dezember 2019

Ich lese aktuell…

Karen Köhler Miroloi

Karen Köhler: Miroloi

“Ein Dorf, eine Insel, eine ganze Welt: Karen Köhlers erster Roman erzählt von einer jungen Frau, die als Findelkind in einer abgeschirmten Gesellschaft aufwächst. Hier haben Männer das Sagen, dürfen Frauen nicht lesen, lasten Tradition und heilige Gesetze auf allem. Was passiert, wenn man sich in einem solchen Dorf als Außenseiterin gegen alle Regeln stellt, heimlich lesen lernt, sich verliebt? Voller Hingabe, Neugier und Wut auf die Verhältnisse erzählt “Miroloi” von einer jungen Frau, die sich auflehnt: Gegen die Strukturen ihrer Welt und für die Freiheit. Eine Geschichte, die an jedem Ort und zu jeder Zeit spielen könnte; ein Roman, in dem jedes Detail leuchtet und brennt.”

(Klappentext)

Was für ein Buch! Bisher bin ich sehr, sehr angetan von der Geschichte und vor allem vom ungewöhnlichen Schreibstil. Die Erzählerin ist aufgewachsen in einer Gesellschaft, in der Frauen keinerlei Bildung erfahren, die über Kochen, Putzen, Nähen, auf dem Feld Arbeiten und Ähnliches hinausgeht. Und man merkt es ihrer Sprache an: hier spricht jemand, dessen Welt bisher so unglaublich beschränkt war… Aber sie will raus aus diesen Beschränkungen, und als sie heimlich lesen lernt, eröffnet sich ihr eine ganz neue Welt. Sollte sie jedoch ertappt werden, droht ihr der Schandpfahl oder sogar Schlimmeres…

Das Buch ruft sehr unterschiedliche Reaktionen hervor, ich habe sowohl glühend begeisterte als auch enttäuschte Rezensionen gelesen. Der Knackpunkt scheint die Sprache zu sein, die nicht allen Lesern zusagt.

Ich lese was, was du nicht liest…

Ana Marwan: Der Kreis des Weberknechts

Ana Marwan: Der Kreis des Weberknechts

“Karl Lipitsch mag keine Menschen. Er wohnt alleine, da er eine tiefe Abneigung gegen die Gesellschaft hegt und Gespräche meiden möchte. Häufig sitzt er lesend im Garten oder schreibt an seiner umfassenden philosophischen Abhandlung. Doch die Überzeugung, fortan als Einsiedler in Einsamkeit zu leben und damit glücklich zu sein, gerät schnell ins Wanken. Durch einen Zufall (sofern es denn tatsächlich einer war) macht er nähere Bekanntschaft mit seiner Nachbarin Mathilde. Beide umkreisen den anderen, jeder in der Überzeugung, der Überlegene zu sein. Und so beobachten wir Lipitsch bei seinen Bemühungen, ihr nicht ins fein gesponnene Netz zu gehen. Doch je mehr Lipitsch zappelt, desto kräftiger verfängt er sich in Mathildes Fäden…”

(Klappentext)

Wie ihr am Bild sehr, war dies eines der Bücher, das für den Buchpreis “Das Debüt” nominiert war. Sonst wäre ich womöglich gar nicht darüber gestolpert – man sieht online nur sehr wenige Rezensionen zu diesem Buch.

Aber ich bin froh, dass ich es gelesen habe, denn Sprache und Schreibstil sind kostbar, und ich habe mehr als einmal geschmunzelt oder sogar gelacht, auch wenn die Geschichte an sich zunehmend obsessiv wird. Karl Lipitsch hasst Menschen, entwickelt aber widerwillig Gefühle für eine Nachbarin – und das bestimmt schon bald sein ganzes Denken und Tun, auf oft absurde Art und Weise.

[ Rezension Ana Marwan: Der Kreis des Weberknechts ]

Monatshighlight November

Katerina Poladjan: Hier sind Löwen

Katerina Poladjan: Hier sind Löwen

Dikranian. Abovyan. Petrosian. Mazavian. Mein Nachname war plötzlich in phonetischer Gesellschaft. Bisher hatte ich ihn getragen wie ein unpassendes Kleidungsstück, wie einen verbeulten Hut, den ich auch zum Essen nicht abnahm.

1915: Die alte Bibel einer armenischen Familie an der Schwarzmeerküste ist das Einzige, was den Geschwistern Anahid und Hrant auf ihrer Flucht bleibt. Hundert Jahre später in Jerewan wird der Restauratorin Helen eine Bibel anvertraut. “Hrant will nicht aufwachen«, hat jemand an den Rand einer Seite gekritzelt. Helen taucht ein in die Rätsel des alten Buches, in das moderne Armenien und in eine Geschichte vom Exil, vom Verlorengehen und vom Schmerz, der Generationen später noch nachhallt. Und sie bricht auf zu einer Reise an die Schwarzmeerküste und zur anderen Seite des Ararat.

(Klappentext)

Aus meiner Rezension:

Für mich als Hobby-Buchbinderin war diese Geschichte einer Buchrestauratorin, die in Jerewan mit der armenischen Geschichte konfrontiert wird, quasi Pflichtprogramm. Doch aus den Seiten spricht mehr als profunde Kenntnis über Bindetechniken und Reparaturmethoden:

Ein Handlungsstrang beschäftigt sich mit Helen, die sich als Halbarmenierin der Geschichte ihrer Familie bisher eher verweigert hat. In einer Familienbibel, die sie restauriert, findet sie den handschriftlichen Satz “Hrant will nicht aufwachen” – und damit beginnt der zweite Handlungsstrang, in dem es um die junge Anahid und ihren kleinen Bruder Hrant geht, die die Massaker von 1915 um Haaresbreite überleben und die Familienbibel auf ihre Flucht mitnehmen.

Vergangenheit und Gegenwart greifen ineinander, meist trotz der zahlreichen Konflikte in ruhiger, gelassener Sprache. Dass auch die Autorin armenische Wurzeln hat, spielt sicher eine Rolle dabei, wie wahrhaftig sich das liest.

[ Rezension Katerina Poladjan: Hier sind Löwen ]

Monatshighlight Dezember

Cover: Wie man Dinge repariert

Martin Peichl: Wie man Dinge repariert

Ein Mittdreißiger schreibt poetisch über seine komplizierte Beziehung, den Tod, den Alkohol und die Vorliebe derÖsterreicher für Babykatzen und Schnitzel. Repariert wird hier gar nichts – dafür geht ganz viel kaputt. Das ist keine Erzählung von A bis Z, sondern eher #querdurchsknieinsauge.

(Handlung)

Ich habe hier ja schon viel darüber geschrieben, dass ich dieses Jahr Mitglied der Bloggerjury für den Buchpreis “Das Debüt” war. Anfang Januar war es dann soweit: ich traf meine Auswahl und vergab Punkte für die drei Bücher der Shortlist, die ich persönlich am gelungensten fand. Und dieses Buch hier war mein absoluter Favorit! (Auch wenn letztendlich ein anders Buch den Preis gewann.) Eine ausführliche Begründung findet ihr in dem Beitrag, in dem ich meine Auswahl verkündete:

[ Das Debüt 2019 Bloggerpreis für Literatur: Die Entscheidung ]

Auch diese Buch ist mal wieder eines mit ungewöhnlicher, interessanter, schöner Sprache – ein Buch, dessen Sprache ausbricht aus der Norm. Da habe ich einfach eine Schwäche für! Aber auch inhaltlich fand ich das Buch sehr gelungen: es beschreibt eine destruktive, obsessive Beziehung, die sich mehr wie Co-Abhängigkeit anfühlt als wie Liebe, aber aus der sich beide Beteiligten einfach nicht befreien können. Aber diese Beziehung wird in meinen Augen zum Stellvertreter für eine verlorene Generation.

[ Rezension Martin Peichl: Wie man Dinge repariert ]

Buchflop des Monats November

Jürgen Seibold: Schwarzer Nachtschatten

Jürgen Seibold: Schwarzer Nachtschatten

“Der Chef eines Arzneimittel-Kurierdienstes wurde vergiftet. Gestorben ist er an einem Wirkstoff, den man aus einer harmlos wirkenden Pflanze, dem “Schwarzen Nachtschatten«, gewinnen kann – wenn man weiß, wie es geht. Die junge Pharmazeutin Maja Ursinus weiß das, denn Heil- und Giftpflanzen sind ihr Spezialgebiet. Sie stammt aus einer alteingesessenen Apothekerfamilie, die seit 1804 eine große Apotheke betreibt, die Maja einmal übernehmen soll. Sie gerät unter Verdacht, da sie bis vor Kurzem eine Affäre mit dem Mordopfer hatte. Um ihre Unschuld zu beweisen, ermittelt Maja selbst. Doch schon bald steckt sie mitten in einer Verschwörung und braucht jede Hilfe, die sie bekommen kann: von Bekannten und Kollegen – und von der eigenen Familie.”

(Klappentext)

Das Buch haben wir mit unserem Krimilesekreis gelesen, und leider kann ich nur berichten, dass keiner von uns es mochte… Unser größter Kritikpunkt war, dass wir es unglaublich unglaubwürdig fanden.

Die Protagonistin ist Hauptverdächtige in einem Mordfall, obwohl sie nichts damit zu tun hatte, und will den Mord daher selber aufklären. So weit, so normal, denn das ist in Krimis ja oft so. Aber einer der Ermittler bekommt sehr schnell mit, was sie da tut, findet das anscheinend voll in Ordnung und unterstützt sie dann sogar noch in ihrem Ermittlungen. Obwohl sie Erkenntnisse verschweigt und damit die Polizeiarbeit behindert.

[ Buchgetwitter Jürgen Seibold: Schwarzer Nachtschatten in weniger als 280 Zeichen ]

Fazit

Meine Lesemonat November und Dezember 2019 in Zahlen

Seiten insg.: 2.324
Seiten pro Tag: ~38

Ein Klick auf das Cover bringt euch zur Rezension (sofern schon geschrieben):
Buchliebling

Bücher, die mich begeistern konnten und die ich weiterempfehle.

Nadine Schneider Drei KilometerAna Marwan Der Kreis des WeberknechtsMartin Peichl Wie man Dinge repariert

Rezensionen:
Nadine Schneider: Drei Kilometer – 151 Seiten
Ana Marwan: Der Kreis des Weberknechts – 191 Seiten
Martin Peichl: Wie man Dinge repariert – 192 Seiten

Wegbegleiter

Wegbegleitern schenkte ich trotz möglicher kleiner Schwächen gerne meine Lesezeit.

Katerina Poladjan Hier sind LöwenMarlene Streeruwitz Flammenwand.

Rezensionen:
Katerina Poladjan: Hier sind Löwen – 288 Seiten
Marlene Streeruwitz: Flammenwand. – 414 Seiten

Sorgenkind

Bücher, denen ich gemischte Gefühle entgegenbringe. In meinen Augen zeigen sie deutliche Schwächen; es gibt aber auch Eigenschaften, die ich mochte

Katharina Mevissen Ich kann dich hörenFran Ross OreoAndrea Grill Cherubino

Rezensionen:
Katharina Mevissen: Ich kann dich hören – 163 Seiten
Fran Ross: Oreo – 288 Seiten
Andrea Grill: Cherubino – 317 Seiten

Fehlgriff

Werke, denen ich persönlich nichts abgewinnen konnte.

Schwarzer Nachtschatten

Rezensionen:
Jürgen Seibold: Schwarzer Nachtschatten – 320 Seiten

Bleibende Worte

“Ich will das Wort ICH zerlegen, will die Einzelteile zum Uhrmacher tragen und fragen, was nicht stimmt mit mir, ihn fragen, warum ich so ticke, so laut, und wohin die Zeit verschwindet, wer die Zeit kaputt gemacht hat in mir drin.”
(aus “Wie man Dinge repariert” von Martin Peichl )

Ich glaube, so fühlt sich jeder Mensch ab und zu… Oder nicht? Geht es euch auch manchmal so?

Kaffeerunde

Seitentechnisch habe ich im November und Dezember so wenig gelesen wie seit Jahren nicht mehr. Nur neun Bücher in zwei Monate, etwa 38 Seiten pro Tag. Für mich eine sehr durchwachsene Auslese: drei Buchblieblinge und zwei schöne Wegbegleiter, aber auch drei Sorgenkinder und ein Fehlgriff. Aber ich will mich nicht beschweren – dafür waren die Buchlieblinge wirklich grandios!

Schon öfter habe ich hier darüber gesprochen, dass ich fast nur noch eBooks lese, weil meine Sicht oft so schlecht ist und man bei eBooks ja die Schrift so schön groß einstellen kann. Inzwischen habe ich mir eine Leselupe gekauft und das hilft sehr, daher werde ich ab und an wieder ausgewählte schöne Printbücher lesen.

Mein weitsichtiger Mann, den ich bisher noch nicht davon überzeugen konnte, sich mal eine Brille zu kaufen, macht allerdings fast regeren Gebrauch von der Lupe als ich!! Der Arm ist einfach nicht lang genug…

Mein Rückblick war ganz schön spät dran – wie war euer Lesemonat so?

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Liebe Grüße,
Signatur Mikka