Monatsrückblicke

#zurückgeschaut : Lesemonat April 2019

Zurückgeschaut

© Beitragsbild: KeJas-BlogBuch
© der Cover liegt bei den jeweiligen Verlagen
© Fotos: A.M. Gottstein

Buchiger Rückblick auf den April 2019

Ich kombiniere meinen Monatsrückblick mit der Aktion #zurückgeschaut, die sich Kerstin und Janna vom Blog KeJas-BlogBuch ausgedacht haben. Es geht dabei um Neuzugänge und die aktuelle Lektüre, Geheimtipps, Highlights oder Flops, Zitate und was einem sonst noch so einfällt…

NewIn = Neuzugängeposts

[ Neuzugänge ] Neue Bücher im April 2019

Ich lese aktuell…

Niklas Natt Och Dag: 1793

Nachdem ich ein paar Rezensionen gelesen hatte, in denen Begriffe wie “abartig”, “sadistisch”, “unerträglich brutal”, “Ekelfaktor” fielen und sich ein Rezensent fragte, was für ein “kranker Geist” so etwas schreiben könne, hätte ich das Buch am liebsten gar nicht mehr gelesen… Aber da ich das Buch als Rezensionsexemplar erhalten habe, betrachtete ich es als meine Pflicht, es wenigstens zu versuchen.

Zunächst konnte ich die heftige Ablehnung des Buches seitens mancher Rezensenten gar nicht nachvollziehen – ja, manche Szenen waren brutal und die anfangs aufgefundene Leiche ist auf schockierende Art verstümmelt, aber es erschien mir nicht als Brutalität um der Brutalität willen, sondern durchaus noch im Rahmen des Vertretbaren für einen etwas härteren Krimi. Tatsächlich erinnerte es mich an “Die Einkreisung” von Caleb Carr, ein Buch, das ich sehr liebe.

Inzwischen bin ich auf Seite 233 und musste ein paar Mal heftig schlucken.

Ich will hier noch nicht zu viel verraten, aber man erfährt so nach und nach, was dem Menschen, dessen Leiche anfangs gefunden wurde, angetan wurde und warum, und das ist wirklich unsäglich brutal, erniedrigend und menschenverachtend. Wenn das jemals verfilmt wird, ist der Film sicher FSK18, wenn er überhaupt ohne Auslassung bestimmter Szenen freigelassen wird.

Aber noch bin ich mir unschlüssig, ob ich das Buch dennoch mag oder nicht. Ich habe immer noch nicht unbedingt das Gefühlt, dass das Buch um der Brutalität willen brutal ist und halte es nicht für ausgeschlossen, dass es schon im 18. Jahrhundert Menschen gab, die zu so etwas fähig waren – und mehr kann ich dazu nicht sagen, ohne zu viel zu verraten. Ich habe sogar kurz versucht, das zu recherchieren, aber das führt in Abgründe des Internets, in die ich mich nicht begeben will…

Interessanterweise ist Fredrik Backman anscheinend ein Freund und Unterstützer des Autors, und mit diesem Autor verbindet man ja nicht unbedingt Brutalität!

Stockholm im Jahr 1793: Ein verstümmeltes Bündel treibt in der schlammigen Stadtkloake. Es sind die Überreste eines Menschen, fast bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Der Ruf nach Gerechtigkeit spornt zwei Ermittler an, diesen grausamen Fund aufzuklären: den Juristen Cecil Winge, genialer als Sherlock Holmes und bei der Stockholmer Polizei für »besondere Verbrechen« zuständig, und Jean Michael Cardell, einen traumatisierten Veteranen mit einem Holzarm. Schon bald finden sie heraus, dass das Opfer mit chirurgischer Präzision gefoltert wurde, doch das ist nur einer von vielen Abgründen, die auf sie warten…

(Klappentext)

Ich lese was, was du nicht liest…

Amundsens letzte Reise

Monica Kristensen: Amundsens letzte Reise

Sachbücher werden unter Buchbloggern ja anscheniend eher seltener gelesen, daher ist dieses Buch meines Erachtens richtig in dieser Kategorie! Das Fazit meiner Rezension:

Monica Kristensen erzählt eine wahre Geschichte, wie sie auch in einem Abenteuerroman von Jules Verne nicht fehl am Platz wäre: Edle Forscher, wagemutige Piloten, und als der italienische Polarforscher Umberto Nobile im Eis verschollen geht, wird dies zum Auftakt für eine Reihe von spektakulären Rettungsaktionen, in deren Verlauf der norwegische Volksheld Roald Amundsen, eigentlich ein Rivale von Nobile, sein Leben riskiert – und verliert.

Monica Kristensen beschreibt die Ereignisse sehr ausführlich und detailliert, und dennoch bleibt dieses Sachbuch sehr spannend.

Am 18. Juni 1928 besteigt Roald Amundsen in Tromsö ein französisches Flugboot, eine Latham 47, mit Ziel Spitzbergen. Der Bezwinger des Südpols und norwegische Nationalheld macht sich auf, den italienischen Polarforscher Umberto Nobile zu retten, mit dem er zwei Jahre zuvor in einer spektakulären Fahrt den Nordpol angeflogen hatte. Nobiles Luftschiff ist bei einer neuerlichen Arktis-Expedition abgestürzt, seit Tagen treiben er und ein Teil seiner Mannschaft hilflos auf einer Eisscholle.”

Nobile wird einige Zeit später gerettet – jedoch nicht von Amundsen: Gegen 18.00 Uhr geht an jenem Tag ein Funkspruch von der Latham 47 ein – es sind die letzten Lebenszeichen Amundsens und der Crew. Bis heute fehlt jede Spur von ihnen. Was ist damals tatsächlich passiert? Warum musste ein Mann sterben, der als besonnen und überaus gründlich galt? Wusste er, welches Risiko er einging?

(Klappentext)

Monatshighlight

Han Kang: Die Vegetarierin

Han Kang: Die Vegetarierin

Han Kangs Bücher machen es mir nicht leicht – und ich liebe das. Sie bringt mich mit jedem ihrer Bücher zum Nachdenken! Aus meiner Rezension:

Die Bücher von Han Kang sind für mich grundsätzlich keine leichte Lektüre. Zu verstörend sind sie, zu provokant, zu intensiv. Und dennoch sind sie nach meinem Empfinden unwiderstehlich – auf die gleiche Weise, wie ein Albtraum unwiderstehlich ist, aus dem man sich auch nach dem Erwachen nicht vollends befreien kann.

Yeong-Hye und ihr Ehemann sind ganz gewöhnliche Leute. Er geht beflissen seinem Bürojob nach und hegt keinerlei Ambitionen. Sie ist eine zwar leidenschaftslose, aber pflichtbewusste Hausfrau. Die angenehme Eintönigkeit ihrer Ehe wird jäh gefährdet, als Yeong-Hye beschließt, sich fortan ausschließlich vegetarisch zu ernähren und alle tierischen Produkte aus dem Haushalt entfernt. »Ich hatte einen Traum«, so ihre einzige Erklärung. Ein kleiner Akt der Unabhängigkeit, aber ein fataler, denn in einem Land wie Südkorea, in dem strenge soziale Normen herrschen, gilt der Vegetarismus als subversiv. Doch damit nicht genug. Bald nimmt Yeong-Hyes passive Rebellion immer groteskere Ausmaße an. Sie, die niemals gerne einen BH getragen hat, fängt an, sich in der Öffentlichkeit zu entblößen und von einem Leben als Pflanze zu träumen. Bis sich ihre gesamte Familie gegen sie wendet.

(Klappentext)

Buchflop des Monats

Joël Dicker Das Verschwinden der Stephanie Mailer

Joël Dicker: Das Verschwinden der Stephanie Mailer

Darüber muss ich diesen Monat nicht einmal nachdenken – ich habe mich in den letzten Jahren selten so durch ein Buch gequält, und damit stand ich in der Leserunde auf WhatchaReadin nicht alleine da. Ein paar von uns haben sich geradezu vom Autor verschaukelt gefühlt… Aus meiner Rezension:

Ich wollte dieses Buch lieben, tatsächlich wuchs meine Enttäuschung jedoch mit jeder Seite. Viele der Wendungen wirkten auf mich vollkommen unglaubwürdig, auch die Charaktere sind in meinen Augen bis ins Lächerliche übersteigert, so dass mir in einer eigentlich vielversprechenden Handlung jede Spannung verloren ging.

Es ist der 30. Juli 1994 in Orphea, ein warmer Sommerabend an der amerikanischen Ostküste: An diesem Tag wird der Badeort durch ein schreckliches Verbrechen erschüttert, denn in einem Mehrfachmord sterben der Bürgermeister und seine Familie sowie eine zufällige Passantin. Zwei jungen Polizisten, Jesse Rosenberg und Derek Scott, werden die Ermittlungen übertragen, und sie gehen ihrer Arbeit mit größter Sorgfalt nach, bis ein Schuldiger gefunden ist. Doch zwanzig Jahre später behauptet die Journalistin Stephanie Mailer, dass Rosenberg und Scott sich geirrt haben. Kurz darauf verschwindet die junge Frau…

(Klappentext)

Fazit

Mein Lesemonat April 2019 in Zahlen

Seiten insg.: 2.153
Seiten pro Tag: ~72

Ein Klick auf das Cover bringt euch zur Rezension (sofern schon geschrieben):
Buchliebling

Bücher, die mich begeistern konnten und die ich weiterempfehle.

Han Kang Die VegetarierinTodesmärchen

Wegbegleiter

Wegbegleitern schenkte ich trotz möglicher kleiner Schwächen gerne meine Lesezeit.

Die Tote im Räucherofen

Sorgenkind

Bücher, denen ich gemischte Gefühle entgegenbringe. In meinen Augen zeigen sie deutliche Schwächen; es gibt aber auch Eigenschaften, die ich mochte

keine

Fehlgriff

Werke, denen ich persönlich nichts abgewinnen konnte.

Das Verschwinden der Stephanie Mailer

Bleibende Worte

Wenn mir das alles mal bloß jemand früher gesagt hätt – dann wär ich doch an die Oper gegangen; wacklige Stimme hin, wacklige Stimme her. Für die Provinz hätt es allemal gereicht, und da bin ich jetzt nach einigen Umwegen ja ohnehin gelandet. Naja, hinerher ist man halt immer schlauer – und wenn schon nicht schlauer, dann doch an Erfahrung reicher. Sagt man so, glaub ich allerdings nicht. Weil wenn’s danach ging, wär ich erfahrungssteinreich … oder doch zumindest ziemlich schlau. Bin ich aber nicht, weder das eine noch das andere. Stattdessen bin ich Polizist. Genauer gesagt Kriminalkommissar. Wär aber viel lieber – wie schon gesagt – Opernsänger. Ganz besonders jetzt. Heute. In diesem Moment. Du kannst dir nicht vorstellen, wie geräucherter Mensch riecht!
(aus “Die Tote im Räucherofen” von Ivo Pala)

Kaffeerunde

Da mir sonst nichts Besseres einfällt, zeige ich einfach noch ein paar Bilder, die ich diesen Monat gemalt habe:

Orchideen
Peonies
Watercolor Bird

Wie war euer Lesemonat so?

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Liebe Grüße,
Signatur Mikka
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8 thoughts on “#zurückgeschaut : Lesemonat April 2019

  1. Huhu mikka, ich kann nicht einfach den Browser wieder zu klappen, ohne dass ich Dir sage wie wunderschön ich Deine Zeichnungen finde! Vorallem das erste! *hachmacht*

    Ist das Aquarell oder Marker? Ich hadere ja so mit mir und wünschte ich würd mich auch einfach wieder unbeschwert ransetzen können.

    Wirklich ganz toll!!! ♥

    1793 will ich auch unbedingt noch lesen aber ich habe es noch nicht mal werde es aber bei zeiten wenn verfügbar in der onleihe anfragen. Bin ja ganz neu im Histo genre und habe schon nen Schwung gekauft grad muss erstmal sehen wo ich mich da genau ansiedel dann 😉

    Sachbücher lese ich schon ganz gerne nur hat mir zu meiner Schande die Person von Deinem Buch nix gesagt. Aber Wissenschaft und Forschung ist jetzt auch nicht so meins, eher NS Zeit oder deutsche Geschichte.

    Ich lasse Dir liebe Grüße da und wünsche Dir einen schönen Wochenausklang
    Tanja

    1. Huhu Tanja,

      danke dir! Das ist alles Aquarell, mit Alkoholmarkern habe ich noch nicht so viel gemacht. 🙂 Vielleicht würde es dir helfen, wenn du ein Tutorial machst zum Thema Aquarell? Mir hilft das dabei, nicht so mit mir zu hadern, was ich machen soll.

      Roald Amundsen würde mir vielleicht auch nichts sagen, wenn a) meine Familie mütterlicherseits nicht aus Norwegen stammen würde und b) mein Mann die Arktis nicht so heiß und innig lieben würde. 😉

      LG und dir auch schonmal ein schönes Wochenende,
      Mikka

      1. Huhu Mikka,

        ohhh nun bin ich noch “neidischer”! Aquarell ist mein Traum wo ich gerne hinmöchte. (ja ich weiss ich sollte beginnen den ersten Schritt zu gehen *lach) Vielleicht versuche ich das wirklich mal mit Tutorials ich mach immer alles aus dem Stehgreif (gugge auch bei Geräten nie in die Anleitung) aber mit dem zeichnen komme ich so überhaupt nicht weiter. Vorallem Aquerell ist unglaublich schwer finde ich. Nutzt Du Tubenfarben oder Näpfchen? Und kannst Du vielleicht bestimmte Tutorials empfehlen?

        Liebe Grüße
        Tanja

        1. Hallo Tanja,

          ich benutze Van Gogh Näpfchenfarben, werde aber vielleicht, wenn eine Farbe leer ist, dies Farbe in Tubenform ersetzen.

          Ich habe ein Jahresabo bei Skillshare, da gibt es jede Menge Tutorials / Klassen zu allen möglichen Themen. Einen Teil der Klassen kann man auch ohne Abo abspielen:
          https://www.skillshare.com/search?query=Watercolors&enrollmentType=free

          Aber ich hab gerade geguckt, die Klassen, die ich in letzter Zeit gemacht habe und die mir gut gefallen haben, sind leider alle “premium”. 🙁

          https://www.skillshare.com/classes/Easy-Doodling-Painting-Fun-Create-Gorgeous-Botanical-Floral-Illustrations-in-Watercolor-Ink/1889583659
          https://www.skillshare.com/classes/Fun-Simple-Watercolor-Cacti-3-Color-Themes/1107636202/projects
          https://www.skillshare.com/classes/Painting-a-Peony-in-Watercolor-in-three-styles/624135598/projects
          https://www.skillshare.com/classes/Watercolor-Florals-Orchids/779606638/projects
          https://www.skillshare.com/classes/Paint-5-Fun-and-Easy-Watercolor-Trees/1642666224/projects
          https://www.skillshare.com/classes/How-To-Draw-Birds-Basic-Techniques-For-Drawing-Painting-Birds/202957161/projects

          Es gibt aber auch auf Youtube jede Menge Tutorials. Ich habe mir ein paar Playlists zusammengestellt mit Tutorials, die ich noch nicht ausprobiert habe, aber noch ausprobieren will.

          Watercolor animals:
          https://www.youtube.com/playlist?list=PLAKuDl5ERKllBePtlB9mBlGhGpyBQW4al

          Watercol0r flowers:
          https://www.youtube.com/playlist?list=PLAKuDl5ERKlmW45wrfgtoieVYqFVS-vt5

          Watercolor humans (da ist noch nicht viel drin):
          https://www.youtube.com/playlist?list=PLAKuDl5ERKlkLLWTvA9e4QjyT6SichCM-

          Watercolor landscapes (auch noch ein bisschen mager):
          https://www.youtube.com/playlist?list=PLAKuDl5ERKlk5Bv8RP29EV5Naen0dBxAf

          Watercolor Trees:
          https://www.youtube.com/playlist?list=PLAKuDl5ERKlmIXiQDfGzceFCa-bmbsPAx

          Ich hoffe, du findest da was, was dir weiterhilft! 🙂

          LG,
          Mikka

  2. Hallo Mikka,

    Amundsens letzte Reise habe ich auch gelesen, das Buch war wirklich eine tolle Mischung aus Abenteuerroman und Sachbuch.
    Deine Bilder habe ich schon auf Insta bewundert, ich kann mir vorstellen, wieviel Spaß das Malen dir macht. Die Ergebnisse sind toll.
    Mein April war voller schöner Lesestunden und auch privaten Unternehmungen. Gelesen habe ich recht viel und es war kein einziger Flop dabei.
    https://sommerlese.blogspot.com/2019/04/lesemonat-april-2019.html

    Liebe Grüße und weiterhin schöne Bücher und Bilder im Mai,
    Barbara

  3. Hallo Mikka,

    “1793” ist bei mir auch früher oder später dran. Ich bin mir relativ sicher, dass die Menschen früher mindestens genauso brutal, wenn nicht sogar brutaler gewesen sind. Früher gab es ja allgemein einen roheren Umgang, denke ich.

    Jedenfalls schrecken mich die brutalen Szenen nicht ab – ich bin auf die Geschichte sehr gespannt!

    Liebe Grüße & schönes Wochenende,
    Nicole

  4. Hallo Nicole,

    es ist ganz schwer, da zu erklären, was ich meine, ohne schon zu viel zu verraten! Aber sagen wir es mal so: rauer Umgang und alltägliche Brutalität, die damals sicher weit verbreitet waren, sind eine Sache – aber hier ist das, was passiert, zum Teil auf eine Art und Weise menschenverachtend, die es mir schwermacht, mir vorzustellen, dass so etwas damals weit verbreitet war. Heute würde man so etwas wohl in den tiefsten Abgründen des Darknet suchen, und es fällt mir schwer, mir vorzustellen, dass sich etwas annähernd Vergleichbares zu einer Zeit entwickeln konnte, als es die Anonymität und die Vernetzung des Darknets noch nicht gab. Aber vielleicht sollte ich den menschlichen Erfindungsreichtum da nicht unterschätzen…

    LG,
    Mikka

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