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[ Newsticker ] Stiftung Lesen, Weltkindertag und Amazon

Weltkindertag

Wahrscheinlich habt ihr schon davon gehört?

Morgen (Freitag, der 20. September 2019) ist Weltkindertag und eine Aktion der Stiftung Lesen nimmt das zum Anlass, eine Million Vorlese-Märchenbücher an Eltern und Kinder zu verteilen, um diese zum Lesen zu animieren. Viele Buchhandlungen werden diese Buchgeschenke vorrätig haben, und wer lieber online bestellt, kann die Bücher auch dort für sein Kind bekommen.

Das klingt großartig – aber es ist Anlass für viel Streit und Entrüstung in der Buchbranche.

Warum diese Reaktion – was ist der Haken?

Was Unverständnis und Ärger auslöst, ist die Tatsache, dass die gemeinnützige Organisation Stiftung Lesen sich den Medienriesen Amazon ausgesucht hat, um diese Aktion umzusetzen. Gedruckt werden die Bücher im Amazon-eigenen Verlag, im Internet bestellt werden können sie natürlich auch nur dort.

Warum ausgerechnet Amazon?

Dass die Buchbranche auf diesen Namen nicht unbedingt mit Freudengeschrei reagiert, ist bekannt und auch nicht unbegründet. Und so fällt schon ein Schatten auf den Weltkindertag, bevor er überhaupt stattgefunden hat.

Die Aktion spaltet die Buchwelt.

Jörg Maas von der Stiftung Lesung sieht sie nach wie vor als positiven Schritt in die richtige Richtung, auch Amazon beteuert natürlich die allerbesten Absichten.

Autoren und Verlage äußern hingegen entschiedene Kritik.

Zum einen am millionenschweren Büchersegen an sich, so absurd das erstmal klingt: das reine Verschenken von Büchern sei nicht genug – eine Unterstützung von Projekten zur Leseförderung wäre sinnvoller gewesen. Und zum anderen an der Einbindung – oder eben der mangelnden Einbindung! – von Verlagen und inhabergeführten Buchhandlungen. Diese fühlen sich ausgeschlossen oder an den Rand gedrängt.

Nicht mal der Börsenverein des deutschen Buchhandels wurde in irgendeiner Form an der Aktion beteiligt oder in sie eingebunden. Kleineren Buchhändlern wurde erst auf den letzten Drücker mitgeteilt, wie sie daran teilnehmen können. Die Million Märchenbücher werden vor allem in den Filialen der großen Ketten ausgelegt – oder können bei Amazon bestellt werden.

Ist dieser Weltkindertag also nur noch eine Werbeaktion?

Der Mediendirektor von Amazon Deutschland weist darauf hin, dass mehr als zwanzig Prozent aller Buchhandlungen in Deutschland die Bücher am Freitag kostenlos verteilen werden. Aber welche Buchhandlungen sind das – und sind zwanzig Prozent denn wirklich so viel?

Dass Amazon davon profitiert, ist jedenfalls nicht von der Hand zu weisen. Nicht nur durch Werbewirksamkeit, sondern auch durch die kostenlosen Daten und die Neukunden, die Amazon dadurch gewinnt, dass viele Eltern die Bücher für ihre Kinder bestellen werden.

Die Verlagsgruppe Beltz ist aus Protest gegen die Aktion ganz aus der Stiftung Lesen ausgetreten.

Was haltet ihr davon?

Gute Aktion oder Werbung? Berechtigte Kritik oder Hetze?

Sendungen und Artikel zum Thema:

Streit über Amazons Aktion zum Weltkindertag (NDR)
Amazon verschenkt eine Million Märchenbücher – und einige Buchhändler sind richtig sauer (Stern)
Eine Million kostenlose Märchenbücher: So kommen Sie an ein gratis Exemplar (Fokus Online)

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Liebe Grüße,
Signatur Mikka

2 thoughts on “[ Newsticker ] Stiftung Lesen, Weltkindertag und Amazon

  1. Ach, immer dieses Gestänkere gegen Amazon – dabei ist der Buchhandel nicht ganz unschuldig, dass Amazon über den Buchversand vor allem in Deutschland groß geworden ist. Und waren es nicht sogar Stimmen aus dem Börsenverein, die gegen die E-Books gewettert haben und diese als „Nicht-Bücher“ verunglimpft haben?

    Man kann nun mal nicht abstreiten, dass Amazon eine große Reichweite hat und sich da als Partner nun mal anbietet, zumal die Bücher (als Print) recht schnell vergriffen waren.

    Und dass viele Buchhändler (zumindest bei mir in der Gegend) sich gegen Amazon behaupten, heißt ja durchaus, dass die etwas bieten können, was Amazon nicht hat. Und das ist genau der richtige Weg, den der Buchhandel gehen sollte. Nicht einfach wie immer weitermachen, sondern sich was einfallen lassen, wie man Kunden binden kann.

    Viele Grüße
    Frank

    1. Hallo Frank,

      das mag schon sein, dass der Buchhandel sich da mehr einfallen lassen könnte oder müsste, aber es gibt ja noch mehr berechtigte Kritik an Amazon als nur die Klage, dass dem stationären Buchhandel die Kundschaft wegläuft. Die Steuervermeidung, die miesen Arbeitsbedingungen, das Unterdrucksetzen von Verlagen durch gezielte Verkaufsbehinderung, die massenhafte Vernichtung von Retouren und unverkaufter Ware, die eigentlich noch funktionsfähig bzw. neuwertig sind…

      Ich finde einfach, dass gerade ein Projekt wie die Stiftung Lesen das nicht auch noch unterstützen muss. Ich habe vor einer ganzen Weile schon damit aufgehört, Bücher bei Amazon zu kaufen, und ich nutze deren Affiliate-Programm auch schon länger nicht mehr. Überhaupt unterstütze ich inzwischen lieber die lokalen Buchhandlungen – wenn ich es mal nicht schaffe, bei meiner Lieblingsbuchhandlung vorbei zu fahren, schicken die mir die Bücher auch kostenlos nach Hause.

      Ist ja auch normalerweise nicht so, als ob ich ein bestimmtes Buch unbedingt bis zum nächsten Tag brauchen würde – ich bin nur ungeduldig, aber damit kann ich ja leben…

      Natürlich hat nicht jeder die Zeit oder das Auto oder die öffentlichen Verkehrsmittel, um Bücher offline zu kaufen, und vielleicht auch einfach nicht die Lust. Und das muss auch jeder selber wissen, ich möchte da niemandem reinreden! Für mich habe ich nur die Entscheidung getroffen, dass ich nicht mehr bei Amazon kaufen möchte.

      LG,
      Mikka

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