Mein Klartraum vom 31. Mai

Dream

Klartraum, auch “Lucid Dream” genannt: ein Traum, in dem sich di:er Träumer:in bewusst wird, dass si:er träumt. Das kann mit mehr oder weniger Kontrolle über den Verlauf des Traums einhergehen. Die Fähigkeit zum Klarträumen kann als natürliche Veranlagung auftreten, lässt sich aber auch trainieren.

Das Phänomen wurde schon in den 70ern wissenschaftlich nachgewiesen und erklärt. Ich hatte als Jugendliche und junge Frau Klarträume, verlor diese Fähigkeit aber für etwa zehn Jahre, da ich in der Zeit ein Medikament einnahm, das die Dauer der Traumphase des Schlafes signifikant reduziert. Dieses Medikament habe ich in den letzten Monaten deutlich reduziert (mit ärztlicher Beratung) und mich intensiv damit beschäftigt, Klartraumtechniken zu üben und ein ausführliches Traumtagebuch zu führen (das hilft).

Mitte April hatte ich einen kurzen Klartraum, der mich nach all den Jahren so überraschte, dass ich mich eigentlich nur erstaunt im Traum “umblickte”, zaghaft ein wenig hin- und herging und dann aufwachte. Wer das noch nie erlebt hat, dem kann ich gar nicht vermitteln, was das für ein merkwürdiges Gefühl ist, wenn du weißt, dass die Welt um dich herum nur das Resultat deines träumenden Hirns ist… Aber es ist großartig, denn alles ist möglich.

Mein Klartraum letzter Nacht:

Hinweis: Der Traum begann mit etwas, das man “false awakening” (“falsches Erwachen”) nennt. Du glaubst, du seist aufgewacht, aber tatsächlich ist dieses Erwachen Teil eines Traums!

Ich wache auf, fühle mich aber noch nicht danach, aufzustehen. Hmmmm, ich kann doch sicher noch ein bisschen schlafen? Ich strecke mich, dann kuschele ich mich wohlig ein… Aber dann liege ich da und habe dieses Gefühl, das ich von früher kenne – das Gefühl, dass die Welt um mich herum hyperreal ist, realer als real. Die Farben sind eine Spur zu leuchtend, zu intensiv, die Wahrnehmung ein Quentchen zu klar. Ich reiße die Augen weit auf. Träume ich etwa? Kann das sein?! Aber… Ich bin doch gerade erst aufgewacht, ich kann unmöglich schon wieder träumen!

Ich traue mich kaum, aber ich mache einen reality test…

reality test: etwas, womit man im Traum ermitteln kann, ob man träumt oder nicht. Was ich hier anwende, ist der “nose pinch”. Wenn man sich im Traum die Nase zuhält, kann man immer noch ungehindert atmen, weil man sich ja nur eine imaginäre Nase zuhält.

Also halte ich mir die Nase zu und kann problemlos atmen. Nee, nee, das kann nicht sein, ich halte mir die Nase sicher nur nicht richtig zu! Ich versuche es mehrmals, kneife die Nase immer fester zu, am Schluss mit beiden Händen. Und ich kann atmen. Das kann nicht sein. Das kann nicht… Das… Klar kann das sein! Oder nicht? Oh Mann, das eben war nur ein falsches Erwachen – ich war die ganze Zeit im Traum!

Ich stehe auf, schaue mich um, laufe durch die Wohnung und denke mir: Nein, du schläfst nicht, du bist wirklich gerade aufgewacht. Das ist alles viel zu detailliert, es ist alles da, es stimmt alles bis ins kleinste Detail. Das ist real.

Anmerkung: ein Klartraum kann sich wirklich realer als real anfühlen, das macht es so schwer, sich wirklich selber davon zu überzeugen, dass man träumt. Man kann die “lucidity”, also die Klarheit, schnell wieder verlieren, wenn man sich nicht konzentriert. Eine Möglichkeit, sich im Traum zu verankern, ist, möglichst viele Sinne einzusetzen. Dinge anzufassen, zu schmecken, zu riechen etc.

Aber dann erkenne ich: das ist nicht unser jetziges Haus, durch das ich laufe – es ist das Haus in Vallendar, in dem ich früher gewohnt habe. Da wäre ich fast wieder abgerutscht in einen regulären Traum.

Ich “weiß” auf einmal: ich bin Lehrerin. Das Telefon klingelt, ein Vater ruft an. Ich kann ihn schlecht verstehen, weil er nur gebrochenes Deutsch spricht. Ich gebe ihm die Nummer einer Kollegin, die für das zuständig ist, was er wissen will. Ich schaue auf die Uhr, um zu sehen, ob es schon Zeit für mich ist, zur Arbeit zu fahren. Ich denke: du bist zu spät dran, du wirst zu spät zur Schule kommen! Aber dann gucke ich noch mal auf die Uhr, und die Uhrzeit hat sich um mehr als drei Stunden verändert, es ist erst kurz nach 5 Uhr morgens! Und dann verändert sich die Uhrzeit noch einmal. Da weiß ich wieder: ach ja, ich träume ja! Oder? Nochmal den nose pinch gemacht, ich kann wieder problemlos atmen. Ja. Wow. Jetzt werde ich aufgeregt.

Zahlen neigen im Traum dazu, sich ständig zu verändern, weswegen es ein reality test sein kann, auf die Uhr zu schauen. Das habe ich hier quasi aus Versehen gemacht.

Ich hole mir einen Apfel aus der Küche und denke: wenn ich träume, dann schmeckt der jetzt entweder großartig oder furchtbar. Aber er schmeckt nach fast nichts. Ich schnappe mir eins der Bücher, die da liegen, und die Schrift springt hin und her zwischen dem römischen Alphabet und etwas, das aussieht, wie kyrllische Schrift. Wow, wow, wow!

Die meisten Klarträumer können im Traum nicht lesen. Das menschliche Gehirn scheint sich im Schlaf schwer damit zu tun, Text korrekt zu interpretieren. Oft findet der Traum eine Entschuldigung dafür – es ist Tinte über die Seite gelaufen, die Seite ist verknittert, es ist eine Sprache, die ich nicht spreche etc. Dein Unterbewusstsein versucht, dich im Traum zu halten.

Ok, ok. Wenn das ein Traum ist, dann kann ich schweben! Ich springe hoch, aber ich kann nicht schweben – aber ich sinke wenigstens viel langsamer zu Boden als normal. Das wiederhole ich ein paar Mal, und jedes Mal kann ich länger oben bleiben. Irgendwann kann ich schweben. Nicht sehr hoch, aber ich schwebe. Ich dümpele durch die Gegend wie ein halbleerer Mikka-Ballon.

Fliegen ist für viele Klarträumer das, was sie am häufigsten im Traum machen, weil es einfach ein irrsinniges Gefühl ist. Sieht so aus, als wäre ich da außer Übung.

Ich denke: dieses Mal verschwende ich den Traum nicht! Ich will mehr machen, als nur durch die Wohnung laufen und den nose pinch machen!! Dann ist auf einmal ein Traumcharakter da, ein Mädchen, das ein bisschen aussieht wie ein Bild, das ich mal gemalt habe, nur realistischer, mehr wie ein echter Mensch: sie ist winzig, ihr Kopf ist etwas zu groß für ihren Körper, sie hat riesige Augen und pinke Haare. Und sie trägt einen Piratenhut. Piratenhut! Uuuuh… Das ist doch eine Idee!

Fortbewegung im Klartraum: man kann natürlich laufen, oder eben fliegen. Aber wenn man den Traum an einen Ort verlegen möchte, der entweder weit weg oder unmöglich ist, muss man sein Unterbewusstsein erstmal davon überzeugen. Manche Klarträumer stellen sich im Traum vor, sie hätten einen Zauberstab. Andere, sie könnten teleportieren, aber das ist schwieriger. Was sehr beliebt ist, sind Portale. Das können Türen ein oder Spiegel oder Steinkreise…

Ich gehe mit ihr zum großen Schrank, lege die Hand auf die linke Tür und denke: das ist jetzt ein Portal. Wenn ich die Tür aufmache, führt sie ganz woanders hin, dann führt sie zum Meer. Ich schließe die Augen und stelle mir das vor, öffne die Tür… Und dahinter ist nur der Schrank. Verdammt. Ich versuche es nochmal, und dieses Mal ist hinter der Tür ein langer Gang, und darin steht eine Frau, gekleidet wie eine Piratin, und winkt mich ungeduldig zu sich. “Kommt, folgt mir, wir haben nicht viel Zeit!” Ich denke: stimmt, ich könnte jeden Moment aufwachen!! Mir wird bewusst, dass ich nur einen Schlafanzug trage. Brauche ich andere Klamotten, die sich für alle Wetterlagen eignen? Pfff, Quatsch, es ist ein Traum!

Der Gang endet an einer Tür, und dahinter sind der Strand und das Meer. Da liegt ein winziges Piratenschiff, und da stehen sechs oder sieben Menschen, die Crew. Überwiegend weiblich, bis auf einen dicken kleinen Mann mit Vollbart.

Ich möchte noch mal betonen: das ist im Klartraum alles hundertprozentig realistisch. Du spürst den Sand unter den nackten Füßen, hörst das Rauschen der Wellen… Es ist so, so leicht, die Kontrolle über den Traum zu verlieren und in einen normalen Traum abzugleiten. Was ich hier als nächstes mache, ist mehr Kontrolle, als ich mir nach so langer Zeit ohne Klarträume selber zugetraut hätte!

Wir gehen alle auf das Schiff, das ist dann ganz schön voll und schaukelt heftig. Die anderen wollen was essen, also schließe ich die Augen, stelle mir einen Tisch mit Essen vor, und als ich die Augen öffne, steht der da. Einfach so. Wow. Ich mache das Schiff ein bisschen größer, damit auch Platz ist dafür. Nochmal wow. Wir schippern durch die Gegend.

Zwischendurch schnappe ich mir eine Schriftrolle, die da rumliegt, und zeige einem der Traumcharaktere, wie die Schrift sich ständig verändert. Sie glaubt, die Schriftrolle sei verflucht. Ich versuche, mit der Crew darüber zu sprechen, dass es ein Traum ist, und sie hören mir freundlich zu, aber ich sehe, dass sie mich für bekloppt halten.

Traumcharaktere können schwierig sein. Dein Gehirn versucht ja, dich davon abzuhalten, zu erkennen, dass du träumst. Dementsprechend glauben Traumcharaktere dir meist nicht, wenn du ihnen sagst, es sei ein Traum, oder sie werden sogar feindselig. Meine neigen dazu, nett zu bleiben. Früher hatte ich sogar einen regelmäßig auftretenden Traumcharakter, der mich von sich aus darauf hinwies, dass es ein Traum war! Aber das ist selten.

Also schwebe ich einfach ein bisschen über dem Schiff und freue mich, dass das geht. Schöne Aussicht, schönes Wetter, alles sehr friedlich. Wo wir rumfahren, das sieht auf einmal ein bisschen arktisch aus, da sind ein paar kleine Eisberge, aber mir ist nicht kalt. …und dann kann ich spüren, wie mir der Traum entgleitet, alles wird weniger klar, weniger strahlend, weniger… Ich versuche alles, aber ich kann nicht aufhalten, dass ich aufwache.

Und dann bin ich wach und muss ganz fürchterlich aufs Klo… Kein Wunder, dass ich nicht im Traum bleiben konnte!

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