Kunstkrempel

[ Kunstkrempel #004 ] Künstlerische Selbstzweifel

Kunstkrempel

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Die Rubrik ist noch ganz neu, und schon lasse ich die Beiträge schleifen – was aber nicht etwa daran liegt, dass ich keine Kunst krempeln würde.

Im Gegenteil: ich krempele und raufe mir die Haare!

In meinem letzten Beitrag habe ich euch erzählt, dass ich mich für den ganzjährigen Kurs Wanderlust 2020 eingeschrieben habe, wo es um Art Journaling und Mixed Media geht. Und dass mir das noch ziemlich fremd ist, weil ich mit beidem keine Erfahrung habe – mutige Wahl oder blöde Wahl?

Hinweis: Wer mich kennt, weiß, dass ich eine furchtbare Perfektionistin bin. Mal eben lockerflockig eine Skizze aus dem Handgelenk schütteln? Fehlanzeige.

Deswegen ja Wanderlust – der Kurs hat einen sehr guten Ruf darin, den Teilnehmern zu einem enspannteren Umgang mit ihrer Kunst zu verhelfen.

Am 3. Januar saß ich gespannt vor dem Rechner, schaute mir das erste Video der Wochenlektion an und versuchte, mir keinen Stress zu machen. Davon wollte mein innerer Kritiker aber nichts hören, sondern verfiel stattdessen in Kommandoton:

AAaaaachtung!!! Angetreten!!! Du bist jetzt SOFORT entspannt!

Auf Kommando: 3, 2, 1…

Ihr versteht das Problem? Wenn man versucht, zu perfektionieren, dass man nicht mehr so perfektionistisch ist, ist das… kontraproduktiv.

Ich verfiel also schnell in Verzweiflung. Das Video zur Wochenaufgabe war toll gemacht, mit klaren Bildern, dazu eine PDF mit ausführlichen Erklärungen, und natürlich standen die Lehrer bereit, Fragen zu beantworten. Alle anderen Teilnehmer, hatte ich das Gefühl, schrieben mit Begeisterung lange Texte, um sie dann mit weißem Gesso zu übermalen und darauf in Schichten mit Acrylfarben und Papierschnipseln Collagen zu erstellen, mit Symbolen für die drei wichtigsten Beziehungen in ihren Leben.

Soll ich auch meinen Namen tanzen? Ich war skeptisch.

Ich schrieb und pinselte und klebte und kleckste… Und hasste mein Bild. Ich war kurz davor, es abzufackeln (wusste aber nicht, ob Acrylfarbe bei Verbrennung giftige Dämpfe verursacht), und schaute schon in den AGB von Wanderlust, ob ich vielleicht noch ein Rücktrittsrecht hatte. Nö, hatte ich nicht.

Also Zähne zusammenbeißen und LOCKER WERDEN.

Ich beendete mein Bild und war dann sogar ein bisschen stolz auf mich, weil ich es nicht abgefackelt hatte. Ich hatte auch das ein oder andere gelernt, fürs nächste Mal. Und als ich mich im Forum umschaute, war ich nicht die einzige Teilnehmerin, die kopfschüttelnd über ihr Bild lachte.

Was folgte, war reger Austausch, und ich bekam schon so eine Ahnung, warum viele diesen Kurs jedes Jahr machen.

Aber jetzt mein Bild: ich habe klammheimlich mehr als drei Symbole eingebaut, für insgesamt vier Beziehungen.

  1. Tapir und Karte von Spitzbergen = mein Mann
  2. Katze = meine Mutter
  3. Flasche Sekt = mein Vater

Danach konnte ich tatsächlich erstmal aufatmen und lockerer werden. Dann war das Bild halt kein Meisterwerk geworden, na und? Ich hatte was gelernt, und darum ging es doch.

Als Bonusklasse gab es ein Video mit einer kleinen Lockerungsübung: lustige Gesichter zeichnen, ohne den Stift vom Papier zu heben. Das hat Spaß gemacht!

Silly Faces

In der zweiten Woche sollten wir mit Acrylfarbe das Portrait einer Person malen, die in irgendeiner Form mit unserer Herkunft zu tun hat.

Entweder eine bestimmte reale Person (zum Beispiel Eltern oder Großeltern) oder eine symbolische Person, die für die familiäre Herkunft steht. Ich habe mich entschieden, eine Frau zu malen, die für das Land Norwegen steht, weil meine Familie mütterlicherseits daher stammt.

Das Video war sehr interessant, denn wir sollten erst mit schwarzer und weißer Farbe das Porträt malen und dann nach dem Trocknen mit Farbe in mehreren Schichten darüber. (Ist wohl eine klassische Technik.)

Dabei sollten wir abweichen von den Farben, die man dabei erwarten würde – also nicht nur Hautfarben, sondern z.B. auch Gelb, Blau, Violett und mehr.

Bis dahin konnte ich noch folgen! Alleine dafür hat sich diese Woche schon gelohnt, das werde ich in Zukunft für weitere Portraits anwenden. Aber dann sollten wir die Kleidung der Person aus Stoffschnipseln aufkleben, und da wurde es dann ein heilloses Chaos mit Kleber überall. Sah auch nicht so toll aus, deswegen habe ich den Stoff dann nochmal mit Farbe übermalt.

Aber wieder was gelernt, und wieder gab es rege Diskussionen unter den Teilnehmern.

Die Aufgabe für Woche 3 habe ich noch nicht gemalt, dafür habe ich einen Abstecher gemacht in die abstrakte Kunst.

Und zwar mit dem Kurs “Show Up and Shut Up: Strategies of an Insecure Artist” von Carolina Della Valle. Die stellte erstmal ihr sehr interessantes System vor: sie malt nicht mit reiner Acrylfarbe, sondern füllt sich kleine Farbtöpfchen mit Mischungen aus Acrylfarbe und Gesso (schwarz oder weiß). Das hat den Vorteil, dass a) diese Mischung nicht so klebt wie Acrylfarbe (was fatal sein kann, wenn man in einem Skizzenbuch malt), b) etwas flüssiger ist und sich daher leichter mit dem Pinsel auftragen lässt, c) sehr matt auftrocknet (ok, mag nicht jeder) und d) preisgünstiger ist.

Ich war erstmal zwei Tage beschäftigt mit Töpfchen-Füllen. (Und habe jetzt kein Gesso mehr… Da muss ich wohl noch mal in den Kunstladen.) Danach habe ich mein erstes abstraktes Bild gemalt.

Ganz nebenher habe ich angefangen, auch in meinem Bullet-Journal Hintergründe zu malen und ein bisschen mit Collagen zu arbeiten.

Nur so. Weil es dann mehr Spaß macht.

Nur ein paar Beispiele, und ich glaube, das war dann genug Kunstkrempel für eine Woche:

Wie ihr seht: im Moment gibt es bei mir wirklich keine Meisterwerke, aber es macht Spaß und ich habe das Gefühl, es bringt mir auch was.

Seid ihr noch da? Macht ihr auch was mit Kunst?

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2 thoughts on “[ Kunstkrempel #004 ] Künstlerische Selbstzweifel

  1. Hallo,

    ich finde die ERgebnisse schön locker und verspielt. Ich sag mir beim Klingeln des Perfektionismus öfter mal ” Du kannst nichts falsch machen”. Gelingt nicht immer, aber oft genug.

    LG
    gann uma

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