Das Köfferchen

[ Das Köfferchen ] Besuchte Buchblogs #07 2020

Das Köfferchen

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Social Distancing und Buchblogs im Overdrive

Wenn ich zur Zeit morgens Feeddemon öffne, mit dem ich all meinen Lieblingsblogs folge, kann es durchaus vorkommen, das es mir anzeigt: 84 neue Beiträge. Innerhalb von 24 Stunden. Und einige davon sind Spiegelbilder dieser Zeit. Ausgangssperre, Hygiene, Links und Artikel zu Covid-19, #staythefuckhome und, und, und.

Ich muss gestehen: ich lese gar nicht mehr alle Artikel, in denen es um Corona und die aktuelle Situation geht. Ich merke, dass es mich stresst, dass es mir emotional nicht gut tut, wenn ich mich zu lange am Stück damit befasse – man wird ja ohnehin von allen Seiten damit bombadiert. Natürlich halte ich mich auf dem Laufenden, aber ich muss irgendwann einfach die Reißleine ziehen.

Deswegen findet ihr hier eine Mischung von Beiträgen, die sich damit beschäftigen, und anderen Beiträgen wie z.B. Rezensionen.

Der Büchernarr
Unterstützung des lokalen Buchhandels

Ich habe letzte Woche bereits ähnliche Beiträge verlinkt, aber man kann es gar nicht oft genug sagen!

Der Beutelwolf-Blog
Neues aus Wissenschaft und Naturschutz

Der Beutelwolf alias Martin verlinkt dieses Mal nicht nur grundlegende Seiten zu Covid-19 alias Corona, sondern schreibt auch über Fledermäuse und wie sie uns helfen können, Krankheiten wie Parkinson oder Tourette zu verstehen. Fledermäuse sind mir im Moment eine willkommene Ablenkung von Covid-19! Das sind ohnehin faszinierende Tiere. Manchmal haben wir welche unterm Dachboden, was uns leider nicht bewusst war, bis wir im obersten Stockwerk, das wir zur Zeit nur zur Ablage benutzen, viele winzige tote Baby-Fledermäuse gefunden haben… Ein paar Tage vorher hatte ich im Garten eine tote erwachsene Fledermaus gefunden, das war dann wohl die Mama. 🙁

Kulturjournal Fräulein Julia
Literatur über „social distancing“

Vorneweg: mit einem hat Fräulein Julia recht. Social Distancing ist eigentlich nicht das richtige Wort und nicht die richtige Anforderung. Sie schreibt, “es geht ja nicht darum, dass wir alle sozialen Kontakte auf einmal abbrechen und weinend unter der Bettdecke liegen, sondern dass wir körperlich nicht mit fremden Menschen in Kontakt kommen. Physicaldistancing passt also besser und das mit dem Zuhause bleiben habt ihr sicherlich auch alle verstanden.” Gefällt mir! Ich sag’s ja, wir können uns auch im Internet die virtuelle Hand reichen. Die Künstler-Communities sind da schon weiter als die Buch-Communities, da gibt es zig kostenlose Angebote zum zusammen Malen und Lernen, die auch von tausenden von Teilnehmern genutzt werden. Aber ich habe den Eindruck, auf Facebook ziehen die Leser schon etwas nach.

Fräulein Julia hat eine sehr interessante Liste mit sehr passenden Büchern zusammengestellt. Rückzug in die Isolation, meist in die Natur. Wenn mein Mann könnte, wie er wollte, würde er auch mal einen langen, dunklen Winter in einer Hütte in der Arktis verbringen, aber das lässt sich mit seinem Beruf nicht vereinbaren – er ist Lehrer und kann sich nicht so einfach ein paar Monate freinehmen…

literatwo
#stayhome

Binea hat in Dresden Ausgangsbeschränkung und fühlt sich komisch dabei, sagt aber: “Wir sind für uns, unsere Mitmenschen, unsere Welt verantwortlich und wollen gemeinsam das Virus stoppen.” Genau. Derweil räumt sie ihren Bücherschrank um bestückt ihn mit neuen Büchern. Bücherregale umräumen wäre hier auch mal wieder eine Maßnahme! Im Moment sind die sortiert nach “hier war gerade eine Lücke”.

Sie schreibt auch ein wenig über den #indiebookday und darüber, dass ein geplanter Mädelstreff in der Buchhandlung nun verschoben werden muss. Dabei weist sie darauf hin, dass die Buchhandlung Bestellungen annimmt und ab €20 kostenlos verschickt. An dieser Stelle: guckt mal auf die Webseiten eurer Buchhandlung! Viele nehmen Bestellungen an und haben einen Lieferservice!

schiefgelesen
Gefallene Frauen und unversöhnliche Männer – „Paradise“ von Toni Morrison

Das ist eines der Bücher, die bei mir noch auf der Wunschliste stehen! Bisher habe ich recht wenig von der Autorin gelesen, und das ist meist lange her… Aber hier liegen schon ein paar ihrer Bücher, die ich aus dem öffentlichen Bücherschrank gezogen habe. Dieses hier war bisher nicht dabei, aber ich kann es mir ja auch mal aus der Bibliothek ausleihen.

SL Leselust
Antti Tuomainen: Klein-Sibirien

Das muss ich ganz dringend lesen, nachdem ich vor kurzem schon so begeistert von “Die letzten Meter bis zum Friedhof” war! Sabines Rezension klingt vielversprechend!

Leckere Kekse…
Neue Debütromane Frühjahr 2020

Silvia listet hier ausschließlich Debütromane aus unabhängigen Verlagen auf, die durch die ausgefallene Leipziger Buchmesse herbe Einbußen erlitten haben, was Marketing betrifft. Da sind ein paar Verlage bei, die mich mit ihren Büchern schon überzeugt haben, aber auch einige, die ich noch entdecken will! Die Bücher klingen alle sehr interessant.

Einige davon werden mir vielleicht Ende des Jahre begegnen, wenn ich wieder Jury-Mitglied beim Buchpreis “Das Debüt” bin.

literaturleuchtet
Valerie Fritsch: Herzklappen von Johnson & Johnson Suhrkamp Verlag

Alma bekommt ein Kind, das keinen Schmerz empfinden kann. Während sie es tagtäglich auf Verletzungen kontrolliert, beginnt ihre Großmutter nach einem Leben des Schweigens von Krieg, Flucht und Hunger zu erzählen. Mit dem Buch hatte ich schon geliebäugelt, aber Marinas Rezension macht noch mal so richtig Lust darauf, es zu lesen!

Das gibt es übrigens wirklich, also Menschen, die keinen Schmerz empfinden können. (Wer mich kennt, weiß vielleicht, dass ich mich sehr für Medizin interessiere, daher bin ich auch darüber schon gestolpert.) Es ist ein großes Problem, Baby mit diesem Syndrom davon abzuhalten, sich die Lippen zu verbeißen, die Augen zu zerkratzen oder Knochen zu brechen, weil sie keinen Schmerz und auch keine Angst vor Schmerz kennen. Bis das Kind alt genug ist, um es zu begreifen, ist von den Eltern lückenlose Beobachtung gefragt. Eltern berichten, dass sich ihr Kind irgendwann angewöhnt, zu weinen, weil es merkt, dass das Umfeld das erwartet, wenn es sich verletzt.

literaturleuchtet
Hans Joachim Schädlich: Die Villa Rowohlt Verlag

Der Roman erzählt die Geschichte einer Familie, die im Wohlstand lebt und auch im Dritten Reich kaum etwas von den Gräueln der Zeit mitbekommt – obwohl der jüdische Arzt plötzlich weg ist und der pychisch kranke Bruder in der Heilanstalt überraschend verstirbt…

“Alles liest sich vollkommen natürlich, würde man diese Geschichte nicht mit dem heutigen Wissen lesen.”, sagt Marina in ihrer Rezension. “Schädlich konstruiert das sehr geschickt. Er lässt den Krieg und die Gräueltaten der Nazis nur in ganz geringen Dosen in die im Kleinen heile Familienwelt einfließen, setzt bewusste Akzente. Erklärt nicht viel, lässt die Leser in der eigenen Vorstellung dieses Familienlebens treiben.”

Das klingt nach einem Buch, das ganz leise Akzente setzt und doch nichts verharmlost. Für mich ist es damit ein Buch für die Wunschliste.

Durchleser
Durchgelesen – „Das Ensemble“ v. Aja Gabel

Vier Musiker, vier Freunde, deren Stimmen in diesem Buch für sich genommen und im Ensemble gehört werden. “Aja Gabel hat einen sehr intensiven, emotionalen, spannenden und auch aktionsvollen Debüt-Roman geschrieben, der mehr als nur das vielschichtige Leben und Wirken eines Streichquartetts erzählt.”, sagt der Durchleser.

Eine sehr schöne Rezension, die Lust auf der Buch macht, und schon ist meine Wunschliste schon wieder um einen Punkt länger.

wortesammlerin
Marianengraben – Jasmin Schreiber

Franziska stellte den Roman schon für die Blogger-Aktion “Meet & Dance” vor, legt auf ihrem Blog jedoch noch eine ausführliche Rezension nach.

Es klingt nach einem Buch, das an die Nieren geht. Von Trauer, Tod, Selbsthass und Selbstvorwürfen berichtet Franziskas Rezension, und doch klingt es nach einem Buch, das bei all den ernsten Themen eine gewisse Leichtigkeit und auch Humor mitbringt.

zugetextet.com
Ein paar Gedanken des Herausgebers

Walther entschuldigt sich dafür, dass der Blog zur Zeit eine “politische Schlagseite” hat, revidiert das aber direkt: “Aber dann habe ich mir gesagt, warum eigentlich. Schließlich sind Literatur und Kunst so wichtig wie die Luft zum Atmen, also essentiell und systemrelevant.”

Es wird dort also weiter Aktuelles zur Sprache kommen, und es sollen die im Fokus stehen, die sich mit Kunst und Kultur beschäftigen. Näheres findet ihr natürlich, wenn ihr dem Link folgt.

Literaturzirkel Peine
#stayhome | Wie erleben unsere Autoren die Corona-Pandemie in Deutschland!

Franziska Koblitz, Petra Armgart, Gerhard A. Spiller, Sabrina Michalek, Thomas Märtens, Mirjam Jasmin Strube und Stephanie Schmid berichten kurz und prägnant, wie es ihnen geht und wie ihr Alltag aussieht.

Begleitschreiben
Oskar Roehler: Der Mangel

Oskar Roehler ist Regisseur, Journalist und Autor. Zu seinen bisherigen Büchern zählt “Mein Leben als Affenarsch” und “Selbstverf***ung”.”Der Mangel” klingt sehr interessant und tatsächlich nicht nach etwas, das ich von Oskar Roehler erwarten würde – aber gerade deswegen erweckt diese Rezension meine Neugier.

“Roehlers Charakterzeichnungen sind brillant, mit zupackender Zärtlichkeit aber ohne falsche Beschönigungen.”, schreibt Gregor Keuschnig, aber auch “Einmal ist davon die Rede wie das »Sinnliche mit dem Abstrakten« vermengt wird. Genau dies geschieht, aber es tut dem Roman nicht gut.” und letztendlich “Aber es fordert den heutigen, an Pop- und/oder Schreibschulliteratur gewöhnten Leser womöglich heraus. Das alleine lohnt schon die Lektüre.”

buchpost
Blogbummel in unruhigen Zeiten: Februar/März 2020

Da sind einige Blogs dabei, denen ich schon folge, aber auch ein paar, die mir neu sind und jetzt im Feedreader auf die Blogliste wandern.

So, damit gehe ich mal wieder zurück ins #physialdistancing, nicht ins #socialdistancing…

Wie geht es euch zur Zeit? Lagerkoller oder Lesesofa?

[ Frühere Beiträge in der Kategorie “Das Köfferchen” ]

6 thoughts on “[ Das Köfferchen ] Besuchte Buchblogs #07 2020

  1. Liebe Mikka,
    Eine schöne und abwechslungsreiche Liste hast du da zusammengestellt. Das läd direkt zum Stöbern ein. Danke dafür.
    Lagerkoller habe ich noch nicht, da ich nach wie vor zur Arbeit gehe (mit Patienten ist das schwierig im Home Office :D), aber Lesesofa ist natürlich am Start. So wie immer. 🙂
    Liebe Grüße und bleib gesund.
    Julia

    1. Hallo Julia,

      oh, mit Patienten hast du die Option Homeoffice natürlich nicht… Habt ihr genug Masken oder ist bei euch auch Engpass?

      LG und bleibt sicher und gesund,
      Mikka

        1. Dir auch schöne Ostern! Ich habe eben noch ein paar Masken für Familie genäht, ich bin dabei nur so elend langsam… Und meine Masken haben auch kein Fach für einen Filter, ich glaube, ich muss mal das Schnittmuster wechseln.

  2. Hallo Mikka,
    vielen Dank für die Erwähnung die die vielen Anregungen.
    ich muss aber zugeben, dass ich Corona-Beiträge eher meide.
    Sehr interessant finde ich aber den Beitrag über Bücher zum Thema social distance und die Rezi zu dem Herzklappenbuch.
    liebe Grüße
    Silvia

    1. Hallo Silvia,

      ich versuche es im Moment auch etwas zu beschränken. Seit ein paar Tagen habe ich sogar das Besuchen anderer Blogs schleifen lassen, weil ich mich im Moment sehr in meine Kunst stürze – da kann ich besser abschalten, weil ich da nicht nachdenken muss.

      LG,
      Mikka

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