Das Köfferchen

[ Das Köfferchen ] Besuchte Buchblogs #20 2020

Das Köfferchen

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Draußen ist es kalt und nass… Perfekt.

Ich habe meine liebsten Flauschesocken und meine kuscheligste Flauschedecke endlich wieder ausgepackt und den Behälter mit den Teebeuteln neu sortiert – da macht das Leben und Bloggen direkt nochmal so viel Spaß. Herbstzeit ist bei mir Lese- und Blogzeit!

Natürlich heißt das auch, das ich mich mal wieder bei anderen Blogs herumgetrieben habe. Der erste stimmt mir voll und ganz zu, was Herbstzeit = Lesezeit betrifft:

@digitur

Blätterst du noch oder swipest du schon?

“Herbstzeit ist Lesezeit. Wenn die Tage wieder kürzer werden und die tiefstehende Sonne den laubbedeckten Boden golden färbt, sitzen die wahren Bücherwürmer schon eingekuschelt in ihre Lieblingsdecke, versorgt mit einer Tasse Tee, gebettet auf einem Retro-Sessel, in ihren Händen ein … einen E-Book-Reader?”

Malin beschäftigt sich in ihrem Artikel mit der Öko-Bilanz von eBook-Readern. Ab wie vielen Büchern rechnet sich die Nutzung eines Readers, wenn man die CO2-Emmission betrachtet, die bei der Herstellung eines Readers, verglichen mit der Herstellung eines Buches, anfällt? Wie sieht es aus, wenn man den Energieaufwand als entscheidenden Faktor zugrunde legt?

Wie Leser meines Blogs inzwischen wahrscheinlich wissen, lese ich schon seit längerem nur noch eBooks, weil ich darauf angewiesen bin, die Schrift groß einstellen zu können, und/oder die Sprachausgabe beim Lesen mitlaufen zu lassen. (…blahblah, visuelle und kognitive Einschränkungen durch meine MS blahblahblah…) Daher informiere ich mich regelmäßig darüber, wie es mit der Öko-Bilanz aussieht – das hat sich nämlich in den letzten zehn Jahren stark verändert! Während man früher noch über 70 Bücher lesen musste, bis der Reader sich umwelttechnisch lohnte, sind es heute viel weniger – siehe Malins Beitrag.

buchrevier

Buchrevier leaks: 2021 kommen die Instabooks

“Und so geschah es, dass mir vor einigen Tagen ein Papier zugespielt wurde, dessen Inhalt mir so ungeheuerlich erschien, dass ich es zunächst für einen schlechten Scherz hielt. Aber schon bald begriff ich, dass dieses geheime Strategiekonzept, welches von einer internationalen PR-Agentur im Auftrag von vier großen Verlagshäusern erstellt wurde, todernst gemeint war und nichts Geringeres als das Ende des traditionellen Buches verkündete.”

Schon nach wenigen Sätzen befiel mich das Grauen. Bücher, die gar nicht mehr als Printbuch oder als eBook erscheinen, sondern ausschließlich als Instagram-Stories, damit der Leser von den “oftmals komplizierten Identfikationsprozessen” entlastet wird und sich nicht mehr die Mühe machen muss, Bilder selber im Kopf entstehen zu lassen?

Jeden Moment rechnete ich mit der Auflösung: haha, es ist doch nur ein Scherz! Das erschien mir doch alles zu überzogen, um wahr zu sein… Aber ob es nun so ist oder nicht, das lasse ich hier erstmal offen! So oder so ist es schlimm, dass man es überhaupt für möglich hält.

literaturleuchtet

Nell Zink: Das Hohe Lied Rowohlt Verlag

“[Nell Zink] ist eine kluge Erzählerin, die nie langweilt, ganz gleich um was es geht. Sie schreibt in einer ebenso flotten, wie gründlichen Sprache mit sehr gelungenem Humor. Die hohe Qualität hält sie geschickt bis zum perfekt konstruierten Schluss durch.”

Ich habe gerade erst “Virginia” von Nell Zink auf die Wunschliste gesetzt, als ich das Taschenbuch beim Durchforsten der Neuerscheinungen sah. Nun kommt auch “Das Hohe Lied” dazu! Es klingt nach einem intelligent geschriebenen Buch am Puls der Zeit.

Frieda Frei

Kate Elisabeth Russel – Meine dunkle Vanessa

“Zuerst hatte ich Schwierigkeiten mit dem Buch, weil es mich so wütend gemacht hat, wie naiv und blauäugig Vanessa in ihr Verderben gelaufen ist. Bis ich mein 15-jähriges Ich vor mir sah. Bis ich mir klar gemacht habe, wie ich in dem Alter war. Was ich geglaubt und getan habe, wie ich dachte, was mir wichtig war und wie ich mich und andere sah.”

Eigentlich möchte ich es auch noch lesen, bin aber jetzt schon sicher, dass es mich sehr wütend machen wird. Will ich mir das antun?

Schmiertiger

Mach dich leer: Nach der Sonne von Jonas Eika

“Jonas Eikas Erzählband ist ein sprachlich virtuoser Zauber, vertraut und fremd, fiebrig heiß und klirrend kalt zugleich, der – durchaus politisch, aber ohne Parolen – die Realität aufschmilzt und darin Schlieren zieht.”

Die Rezension macht sehr neugierig auf dieses Buch und seine Sprachgewalt – auch wenn die Erzählungen dem Rezensenten gelegentlich “zu viel Schnickschnack” enthalten, klingt es doch so, als seien sie es mehr als wert, gelesen zu werden.

literatur.denken ltrtr.de

Weiß auf Weiß. Über Han Kangs Essay “Weiß”

“Jede Beobachtung ist wichtig, ja, auf verzweifelte Weise existenziell: wie der Schnee fällt, wie der Atem sich im Winter als rauchiger Hauch vor Mündern kräuselt. Schließlich verweist jedes Detail auf seine Weise auf die klaffende Lücke. Andererseits läuft das Schreiben Gefahr, willkürlich zu wirken, weil (teils sprachlich blass festgehaltene) Alltagseindrücke zu Chiffren eines unergründbaren Schmerzes werden.”

(Die Lücke verweist auf den Tod der großen Schwester.)

Han Kang gehört zu den Autor*innen, die ich bedenkenlos lese, ungeachtet des Genres oder des Themas. “Die Vegetarierin”, “Menschenwerk”, “Deine kalten Hände”, sie haben mich alle auf unterschiedliche Art und Weise beeindruckt und bewegt. Daher werde ich mit Sicherheit auch “Weiß” noch lesen – ein persönlicher Essay, in dem die Autorin einen Verlust verarbeitet, der vor ihrer Geburt geschah und dennoch immer seinen Schatten in ihr Leben warf.

Samuel Hamen vermittelt in seiner Rezension einen guten ersten Eindruck des Essays, schreibt über dessen Eigenwilligkeit (kein Wunder, es ist immerhin Han Kang!) und die Verdinglichung als Stilmittel.

pinkfish

How to read Murakami – Zehn Wegweiser

»Was sollte ich denn nun zuerst von ihm lesen? Oder womit weitermachen, wenn ich Feuer gefangen habe? Sein Werk ist groß – ich brauche Orientierung!«

Was gäbe es für einen besseren Anlass, als die am 13.10.2020 erscheinende Neuübersetzung von “Mister Aufziehvogel / Die Chroniken des Aufziehvogels” (durch the one and only Ursula Gräfe direkt aus dem Japanischen) um diese Fragen in einem Blogbeitrag zu beantworten?”

Ich finde Sarahs Beitrag immens hilfreich! Bisher habe ich von Murakami nur “Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki” gelesen, aber schon lange vor, mich endlich mal seinem restlichen literarischen Werk zuzuwenden…

Sie gibt Empfehlungen für den/die:

  • Anfänger*innen
  • Kurzgeschichten-Fan
  • dicke-Wälzer-Genießer*innen
  • zwischendurch-Leser*innen
  • Nonfiction-Leser*innen
  • fortgeschrittene*r Leser*innen
  • Neugierige und Skeptiker*innen
  • wenig-Leser*innen
  • Profis

Jo’s truth

Der Zementgarten

“Der Autor schreibt komplex, vor allem die Gedanken seines Protagonisten machen die Erzählung an einigen Stellen zur schweren Kost. Versteckte Andeutungen und zuerst nebensächlich wirkendes Geplänkel bauen das hervorragende Gesamtbild dieser Geschichte auf. Auch wenn der Schreibstil nicht jedem zusagen wird, so ist der Aufbau von Figuren, Atomsphäre und Handlung ein Lesegenuss.”

Eine interessante Rezension zu einem Buch, von dem ich erstmals vor sicher mehr als 20 Jahren gehört habe, an das ich mich aber nie rangetraut habe… Harter Tobak – hier geht es um Kinder und Jugendliche, die den Tod der eigenen Eltern vertuschen, um nicht ins Waisenhaus zu müssen, und auch das Thema Inzest spielt eine Rolle.

schiefgelesen

Ein standhafter Eigenbrötler – „Sweetland“ von Michael Crummey

tl;dr: Sweetland schildert, mit Herz und Brutalität, ein Leben, das heute kaum noch möglich scheint. Bis auf einen losen Erzählstrang ein überzeugender Roman mit einer gewissen Melancholie.”

Die Rezension klingt nach einem großartigen Buch! Auf mich wirkt es so, als sei es womöglich ähnlich wie die Bücher von Kent Haruf, der ein wunderbares Gespür hat für zwischenmenschliche Dynamik im Allgemeinen und Außenseiter im Besonderen. Sowas lese ich sehr gerne!

Ronja Waldgänger

Ein Gastbeitrag. Andre Hille: „Das Rauschen der Nacht“

“Hilles Roman beschreibt die Hölle des Alltags punktgenau und mit einem gewissen sprachlichen Talent. Daher muss in der Geschichte selbst nichts passieren, was man nicht auf die eine oder andere Art und Weise schon mal gehört oder gar selbst erlebt hat. Der Wunsch nach Freiheit (…) offenbart nur den tiefen Grundwiderspruch dieser Generation: Freiheit wird durch Sex, Konsum und vermeintliche Eigenständigkeit erworben und damit mit einem Gut verwechselt. Als wäre Freiheit etwas, was man an einem verkaufsoffenen Sonntag bei OBI erwerben kann.”

Diese Rezension wurde von Sebastian Meisel geschrieben.

Irgendwie musste ich da an “Nach Feierabend” von Kathrin Spoerr und Britta Stuff denken, das auch völlig unspektakulär daherkommt und wo oberflächlich betrachtet nur sehr wenig passiert. Nur Menschen, die mit dem eigenen Alltag kollidieren. Das fand ich großartig, deswegen fühle ich mich gerade auch von “Das Rauschen der Nacht” stark angesprochen.

So, die Teetasse ist leer! Jetzt ist erstmal Nachkochen und Lesen angesagt.

Welche Teesorte ist eure liebste?

Damit verstaue ich das Köfferchen mal wieder in der Abstellkammer – bis nächste Woche!

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