[ Das Köfferchen ] Besuchte Buchblogs #18 2020

Das Köfferchen

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Einen schönen Sonntag wünsche ich allerseits!

Seid ihr im Moment auch so guter Leselaune wie ich?

Und ich bin schon so gespannt auf Dienstag, wenn die Shortlist des Deutschen Buchpreises verkündet wird, dann gibt es sicher auf einigen Blogs Beiträge dazu. Aber erstmal kommen hier die Beiträge, die ich diese Woche besucht habe.

Der Büchernarr

[Mystery-Drama] Wir sind fünf

“An so mancher Stelle im Buch habe ich mich gefragt, ob das schon eine Persiflage auf andere Romane darstellt oder die spießbürgerliche Familienbande als solche hinterfragt. Auf jeden Fall wird der Leser mit sehr unterschiedlichen Aspekten der Literatur konfrontiert.”

Von Matias Faldbakken habe ich letztes Jahr mit großem Vergnügen “The Hills” gelesen! Nach Franks Rezension zu schließen, ist “Wir sind fünf” vom Thema her etwas komplett anderes, aber wahrscheinlich ähnlich bitterböse und tiefgründig – “The Hills” ist auch schräg, persifliert das Spießbürgerliche und macht einfach Spaß, und es klingt so, als hätten die Bücher das gemein.

[Link] Meine Rezension zu “The Hills”

buchrevier

Warum ich nicht länger mit Verlagen über Reichweite spreche.

“Denn nicht nur ich habe mich verändert, auch die Bloglandschaft hat sich gewandelt, und die Rollen sind neu verteilt. Instagram ist mittlerweile Leitmedium und hat die Weblogs in den Hintergrund gedrängt. Es gibt zwar immer mehr Menschen, die Buchcover fotografieren und im Netz hochladen, aber immer weniger, die das tatsächlich noch interessiert.”

Tobias spricht mir aus der Seele… Die Bloglandschaft hat sich verändert, und ich frage mich immer öfter: wer liest uns eigentlich noch?

Ich bin immer wieder überrascht, wenn Verlage über 2.000 Follower erwarten, und das möglichst auf mehreren Kanälen.Wie viele Buchblogger können das tatsächlich bieten, und wie viele dieser Follower erreicht man dann wirklich mit seinen Beiträgen?

LiteraturBlog

Yoko Ogawa: Insel der verlorenen Erinnerung

“Auf der Insel verschwinden nicht nur die Dinge, es verschwinden auch die Menschen, die sich, aus welchen Gründen auch immer, an diese Dinge erinnern. Dann greift die Erinnerungspolizei ein, diese Menschen werden verhaftet, entführt, nie wieder wird man eine Spur von ihnen finden – denn Erinnerungen sind eine Gefahr für das System, das auf Vergessen aufgebaut ist.”

Als ich das erste Mal von diesem Buch hörte, fühlte ich mich direkt an “Hüter der Erinnerung” von Lois Lowry erinnert, das mich als Jugendliche schwer beeindruckt hat. Andreas’ Rezension klingt so, als könne “Insel der verlorenen Erinnerung” eine ähnliche Wirkung auf mein Erwachsenen-Ich haben. Ich wollte es ohnehin schon lesen, aber diese Rezension hat mich darin noch bestärkt!

Lesen in Leipzig

Statt Monatsrückblick: Von fehlender Energie zum Lesen und Bloggen

“Oftmals habe ich tagelang nicht gelesen. Und worüber bloggt eine Nicht-Lesende Buchbloggerin? Richtig, über gar nichts! Dabei war die Ursache meiner Leseflaute natürlich keinesfalls mangelnder Lesestoff.”

Warum es bei Jennifer in letzter Zeit ruhiger war und welche Lehre sie daraus zieht! Im Moment geht ein Raunen durch die Bloggerszene, irgendwie hadern viele mit dem Bloggen, aus diversen Gründen.

letteratura

Zwischen Fiktion und Konstruktion – Lisa Halliday: Asymmetrie

„Asymmetrie“ ist in jedem seiner einzelnen Teile ein Roman über das Schreiben, ob nun thematisiert direkt in den Figuren des Autors und der angehenden Schriftstellerin oder in der Frage, ob es einer jungen weißen Frau möglich ist, überzeugend aus der Sicht eines Irakers zu schreiben. Kann man sich so weit in komplett andere Lebensläufe und kulturelle Hintergründe hineinversetzen, dass das gelingen kann?”

Eine sehr interessante Rezension, die dazu anregt, die verschiedenen im Buch angesprochenen Aspekte der Asymmetrie selber zu entdecken.

Kaffeehaussitzer

Schwarzer Gott und roter Schienenbus

“Die Geschichte hat mich fast gänzlich kalt gelassen, ist an mir abgeperlt. Das meiste war mir zu glatt erzählt, hatte keine Widerhaken, in denen ich mich als Leser hätte verfangen können. Sehr konstruiert wirkte alles – Depression plus Familiengeschichte plus Klassismus plus Provinz-Bashing, alles nur grob angedeutet und etwas lieblos gewürzt mit eingestreuter Nazi-Vergangenheitsbewältigung.”

Der Kaffeehaussitzer ist Teil der Bloggerjury des Deutschen Buchpreises. Jedem Jurymitglied wird einer der 20 Titel der Longlist zugeteilt, und Uwe erhielt “Serpentinen” von Bov Bjerg – was ihn jedoch nicht überzeugen konnte.

Wortgelüste

Lorenz Just steht »Am Rand der Dächer«

“Dieser Kindheitsroman spielt im Berlin der 90er Jahre bis zur 2000er-Wende und kippt dann in ein Pubertätstagebuch der Langeweile. Sein größtes Manko ist ein atmosphärisches Zeitkolorit, auf das man vergeblich wartet. So ist es nur eine im luftleeren Raum schwebende kleine Geschichte, die sich gar nicht erst um Handlung bemüht.”

Ich finde immer wieder hochinteressant, wie das gleiche Buch bei verschiedenen Lesern ankommt! Vor ein paar Tagen habe ich “Am Rand der Dächer” in meiner Rezension noch zu einem Jahreshighlight erklärt – aber bei Lena ist das Buch ganz anders angekommen.

Irgendwie habe ich auch das Gefühl, das mein Eindruck allzu leicht hätte kippen können, da ist nur ein schmaler Grat zwischen authentischem Portät einer Jugend und Langeweile. Ich persönlich fand diese Gratwanderung sehr gelungen, aber ich verstehe natürlich, dass das ein sehr subjektiver Eindruck ist.

SL Leselust

Michael Crummey: Die Unschuldigen

“Auf jeder Seite dieses Romans wird man gepackt von den bildhaften Beschreibungen, die nie übertrieben, sondern stets realistisch und authentisch wirken, von den lebensecht dargestellten Figuren, wie dem „Beadle“ oder den Seeleuten, die eines Tages in der Bucht auftauchen. Dabei wird nie überdramatisiert, nie auf „die Tränendrüsen gedrückt“ oder zu dick aufgetragen.”

Zwei Kinder, neun und elf Jahre alt, leben im 18. Jahrhundert mit ihren Eltern in einer einsamen Bucht in Neufundland. Die Eltern sterben, die Kinder müssen sich fortan alleine durchschlagen, indem sie fischen und Vorräte ertauschen.

Das Buch ist mir schon aufgefallen, als ich die Neuerscheinungen im August näher ins Auge nahm. Aber Renates Rezension rückt den Titel von meiner “könnte interessant sein”-Liste auf die “muss ich unbedingt lesen”-Liste.

tausendléxi

> Scham und Würde < von Dag Solstad

“Die ersten fünfzig Seiten dieses Romans sind vielversprechend. Amüsiert über die Emotionen von Elias Rukla, hoffe ich auf weiteren bitterbösen Humor. Doch weit gefehlt. Nach diesem Ausraster auf dem Pausenhof, verfällt Elias in einen selbstbemitleidenten Rückblick seines Lebens.”

Ein Studienrat blamiert sich vor seinen Schülern, rastet aus und will sein altes Leben nicht mehr. Sabine fühlt sich wegen des selbstmitleidigen, antriebslosen Protagonisten vom Buch enttäuscht. Er bedauert dies, er bedauert das, und es klingt nicht nach einer Geschichte, die mich begeistern würde…

travel without moving

Ein Lied für die Vermissten von Pierre Jarawan

“Ich habe vor ein paar Jahren mit großer Begeisterung Am Ende bleiben die Zedern von Pierre Jarawan gelesen und seitdem sehnsüchtig auf einen neuen Roman des Autors gewartet. ‘Ein Lied für die Vermissten’ ist in blumiger Sprache geschrieben und opulent, was ich eigentlich nicht so gerne mag, aber den Einstieg ins Buch fand ich trotzdem einfach wunderbar.”

Warum aus einem vermeintlichen neuen Lieblingsbuch dann doch eine leise Enttäuschung wurde, schildert Romy in ihrem Beitrag sehr nachvollziehbar und gut geschrieben.

Feiner reiner Buchstoff

Poetische Mathematik

“Es gibt sie noch, die kleinen feinen Romane, die die Tür zu einem anderen Universum öffnen. Michael Wildenhain nimmt einen in „Die Erfindung der Null“ mit in ein solches Abenteuer. Sprachlich eloquent und fantastisch perfide konstruiert, bringt er sowohl die Poesie und Faszination der Mathematik wie auch den Charakter und die Denkweise seines Protagonisten in diesem großartigen und, trotz überschaubarer Seitenzahl, komplexen Roman heraus.”

Diese Rezension macht mir richtig den Mund wässrig! Das klingt einfach großartig… Höhere Mathematik geht mir zwar auch über den Horizont, aber Schul-Mathe habe ich einige Jahre als Nachhilfelehrerin unterrichtet und finde Mathematik an sich wirklich spannend und auch unterhaltsam.

Header Birds

Damit packe ich das Köfferchen wieder aus und gehe lesen!

Wie ist deine Leselaune?

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