Blogtipps, Lesegelaber

[ Bloggelaber ] Über den Leistungsdruck

Über den Leistungsdruck

Dieser Artikel erschien zunächst im August 2017 auf meinem alten Blog auf Blogspot. (Inzwischen deaktiviert.)

Leistungsdruck [der]

+ eine große Anforderung, viel Leistung zu erbringen
Beispielsatz: „Manche Blogger fühlen sich einem hohen Leistungsdruck ausgesetzt.“

Leistungsdruck? Beim Bloggen?!

Totaler Quatsch, oder? Bloggen ist immerhin ein Hobby, etwas Freiwilliges – etwas, das Spaß macht und dadurch sogar den Stress des Arbeitslebens abbaut. Richtig? Stimmt doch wohl, oder? Oder?

Jeeeeeiiiin.

So sollte es eigentlich sein, aber ich habe den Eindruck, dass sich viele von uns selber unter enormen Druck setzen und es heutzutage beim Bloggen auch einiges mehr zu beachten gilt als noch vor ein paar Jahren. Damals – denkt euch einfach die Katze in meinem Schoß und den geschwenkten Gehstock – kam mir Buchbloggen noch vor wie ein ganz einfaches Konzept:

Ich mag Bücher, also schreibe ich über Bücher. Punkt. Ende der Geschichte.

Ok, das war jetzt vielleicht ein bisschen vereinfacht. Zugegeben, auch damals konnte sich schon ein gewisser Leistungsdruck aufbauen.

Man wollte ja genug Follower ansammeln, um erfolgreich Leseexemplare anfragen zu können – oder einfach nur zur eigenen Bestätigung. Je nach Naturell sah man das ganz entspannt, oder man verglich jeden Tag die eigenen Zahlen mit denen anderer Blogs und verfiel in Panik, wenn es Dienstagabend noch 231 Leser gewesen waren, Mittwochmorgen aber nur noch 230.

„Was habe ich nur falsch gemacht?!“ 

Möglicherweise, oder sogar sehr wahrscheinlich, gar nichts. Leser kommen und gehen aus den verschiedensten Gründen. Ich persönlich kann ehrlich sagen, dass mir die Zahlen noch nie so wichtig waren.

Ich mache mir eher Gedanken über die Qualität meiner Beiträge.

Das ist an sich natürlich nichts Schlechtes, denn man will sich ja auch verbessern, etwas lernen und sich weiterentwickeln. Aber ich neige zum Perfektionismus, und so feile ich schon mal Stunden um Stunden an einer Rezension herum, lösche sie dann entnervt und fange komplett neu an, nur um zwei Tage später dann doch wieder die erste Fassung aus dem Papierkorb zu holen.

Allerdings bin ich da heute schon wesentlich entspannter als vor fünf Jahren, das kommt einfach mit der Routine. Aber ich denke, dieses Problem hat eine gewisse Zeitlosigkeit: Gab es vor fünf Jahren, gibt es heute, wird es auch in zehn Jahren noch geben.

Ein anderer ‚Klassiker‘ in der Rubrik des besonders unter Anfängern selbst auferlegtem Leistungsdrucks:

Überenthusiasmus beim Anfragen von Rezensionsexemplaren.

Man ist so überwältigt von dem unerhörten Glück, kostenlose Bücher zu bekommen – nur dafür, dass man sie liest und dann darüber redet! –, dass man in eine böse Falle tappt: Man fragt alles an. Sogar Bücher, die man sich niemals kaufen würde. Nur weil man kann. Und irgendwann sitzt man dann vor einem Stapel Rezensionsexemplaren und denkt sich fingernagelkauend:

„Wenn ich jeden Tag eines davon lese, kann ich alle Rezensionen innerhalb von vier Wochen schreiben…“ 

Stress pur – und trotzdem fragt man noch einen Liebesroman an, obwohl man das Genre nur selten liest.

Ich habe im ersten Jahr meines Blogs definitiv zu viele Rezensionsexemplare angefragt, und vor allem zu unreflektiert. Und ich kenne andere Blogger, die sich von ihren Rezensionsexemplaren ebenfalls unsäglich unter Druck gesetzt fühlen. Ich kann nur empfehlen, die Reißleine zu ziehen und zumindest für eine gewisse Zeit gar nichts mehr anzufragen! Sehr erholsam, und in der Zeit kann man sich kostenloses Lesefutter aus der Bibliothek oder dem öffentlichen Bücherschrank holen.

Um es mal zusammenzufassen:

Streben nach Followerzahlen = Stress
Perfektionismus beim Schreiben = Stress
Überforderung mit Rezensionsexmplaren = Stress

Das sind allerdings alles Dinge, die wir positiv beeinflussen können, in dem wir achtsam mit uns selbst sind und uns nicht unnötig unter Druck setzen. Ich habe mich irgendwann mal hingesetzt und mir ganz genau angeguckt, wo ich mir selber Stress mache, und das hat mir richtig gutgetan!

Was ist heute anders bzw. stressiger als noch vor ein paar Jahren?

Wir sind heute nicht mehr einfach nur Blogger. Wir sind Influencer, oder zumindest versuchen uns das einige Verlage und Agenturen schmackhaft zu machen. Blogger-Newletter? Umbenannt in ‚Influencer Update‘ oder Ähnliches. Aber was zum Geier heißt das eigentlich?

Laut Wikipedia ist ein Influencer eine ‚Person, die aufgrund ihrer starken Präsenz und hohen Ansehens in einem oder mehreren sozialen Netzwerken eines kommerzialisierten Internets für Werbung und Vermarktung in Frage kommt‘. 

Und damit begeben wir uns hinaus auf eine sehr heimtückische See.

Wenn wir unter dieser Flagge segeln, geht es eben nicht mehr nur darum, Bücher zu lesen und dann ganz entspannt darüber zu reden. Auch, wenn wir selber nach wie vor keinen Cent für unsere Beiträge sehen (und in den meisten Fällen auch nicht sehen wollen), geht es dann doch irgendwie um Geld und damit nicht nur um die Vermarktbarkeit von Büchern, sondern auch um unsere eigene Vermarktbarkeit. 

Es reicht nicht mehr, nur gute und abwechslungsreiche Beiträge zu schreiben, man muss auch versiert sein in Suchmaschinenoptimierung und geschickt in den sozialen Medien streuen. Facebook, Twitter, Instagram, Pinterest und Co sind heute genauso wichtig wie Lovelybooks, Goodreads oder Was Liest Du. Die Verlage haben da inzwischen durchaus ein Auge drauf, bevor sie entscheiden, wer ein Leseexemplar bekommt! 

Der Buchblogger von heute ist sein eigener Webdesigner und Fotograph, organisiert Blogtouren und lässt sich Bücher und Aktionen über diverse Agenturen vermitteln.

#optimiertercontent #immerundueberall #achjaeigentlichgingesjamalumbuecher

Und weil wir (mit etwas Verspätung) als werbewirksam erkannt wurden, müssen wir uns auch noch in Acht nehmen vor ‚Content Theft‚ oder ‚Feed Scraping‚. Was das bedeutet: es gibt Seiten im Internet, die voll automatisch die RSS-Feeds von Blogs auslesen, so Beiträge zusammenklauen und ohne eigene Arbeit Inhalte anbieten können, die sie dann großzügig mit Werbebannern bestücken. 

Ja, diese Seiten machen Geld mit unseren Beiträgen, in die wir Zeit und Herzblut gesteckt haben. Ja, das ist deprimierend.

Wie erlebt ihr das? Habt ihr auch das Gefühl, dass man sich heute als Buchblogger mit ganz vielen Dingen auskennen muss? Setzt ihr euch selber unter Druck, oder fühlt ihr euch von Verlagen, Agenturen, dem Vergleich mit anderen Bloggern, sozialen Medien etc. unter Druck gesetzt?

Habt ihr einen Tipp, wie man als Blogger Leistungsdruck reduzieren kann?

[ Anmerkung: wie ganz oben vermerkt, habe ich diesen Artikel im Sommer 2017 geschrieben, also vor der DSGVO und dem damit verbundenen Stress. Deswegen findet die DSGVO hier noch keine Erwähnung, obwohl sie definitiv ein Stressfaktor war/ist. ]

Bisherige Beiträge in der Rubrik ‚Lesegelaber‘:

Über den Hype
Über das Belesensein
Über das Abbrechen
Über die Schande
Über die Trennung
Über das Verfallsdatum
Über das Lesezeichen
Über das soziale Lesen
Über den Leistungsdruck
Über die Leserille
Über die Diversität
QualiFiction – Innovation oder Ende der Originalität?

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Liebe Grüße,
Signatur Mikka

16 thoughts on “[ Bloggelaber ] Über den Leistungsdruck

  1. Hallo Mikka,

    ich sehe das viel gelassener als Du. Vor allem sehe ich mich nicht als Influencer. Nicht mit einem Buch- oder Literaturblog. Kein Mensch liest mehr Fantasy-Bücher, nur weil ich darüber schreibe.
    Die Falle mit den Rezensionsexemplaren gibt es ganz eindeutig, aber das kann ich als Blogger ganz einfach umgehen, in dem ich erst Bücher anfrage, wenn ich die Rezi geschrieben habe. Natürlich gibt es viel zu viele Bücher, die sich total spannend anhören – aber kein Mensch kann alle Bücher lesen.

    Vor allem die Buchblogger (die sich eher in einer Nische bewegen) haben nur den Stress, den sie sich selbst machen. Ich persönlich lese in erster Linie. Das Bloggen ist eindeutig Nr. 2. Vielleicht reduziert eine solche Denkweise den (selbstgemachten) Stress?

    Dir ein streffreies Wochenende 😉
    Viele Grüße
    Der Büchernarr

    1. Hallo Frank,

      oh, ich sehe mich auch nicht als Influencer! Deswegen das „zumindest versuchen uns das einige Verlage und Agenturen schmackhaft zu machen“, das war eher ironisch gemeint. 😉

      Ich glaube wirklich, dass es fatal ist, wenn wir uns in diese Ecke schieben lassen, weil es dann nicht mehr um die Bücher an sich geht, sondern, wie gesagt, nur noch um deren Vermarktung – und das will ich für mich nicht. Deswegen knirsche ich immer ein wenig mit den Zähnen, wenn ich „Influencer News“ bekomme… Neiiin, ich will kein Influencer sein! Ich will doch nur über Bücher reden!

      Ich sehe das meiste heutzutage eigentlich auch sehr gelassen. Ich mache mir wegen den Followerzahlen keinen Stress mehr, ich frage nur noch sehr wenige Rezensionsexemplare an… Im Moment liegen hier nur noch vier, und davon waren zwei nicht angefragt und werden daher nicht unbedingt gelesen. Mein einziger Stressfaktor ist allerdings nach wie vor mein Perfektionismus, aber der ist in allen Dingen mein Stolperstein, nicht nur beim Bloggen. Ich arbeite daran!

      Ich habe schon darüber nachgedacht, vielleicht nicht mehr über jedes gelesene Buch eine volle Rezension zu schreiben, sondern mehr Kurzrezensionen. Manchmal will ich einfach nur lesen, aber nicht zu sehr über eine Rezension nachdenken müssen.

      LG,
      Mikka

  2. Hi Mikka
    Irgendwie hast du den Beitrag aber verändert? Zumindest stand da doch mal noch was wegen RezEx anderes dabei, vielleicht täuscht es auch.
    Wegen Stress, ja den hab ich immer noch grummel aber den setz ich mir gerne und irgendwie macht es mich auch aus.
    Ich stress mich aber auch nimmer mit vier Wochen rein. Mit den Verlagen wo ich arbeiten darf (ohne Bezahlung) ist es relaxt und mich schätzen viele auch wenn ich langsamer als ne Schnecke 🐌 bin. Das Thema wird aber immer sein was ist realistisch was nicht.
    Danke das du diesen Bericht noch mal gezeigt hast.
    Liebe Grüße Nicole ♥

    1. Hallo Nicole,

      er ist ein klein bisschen gestrafft und gekürzt! Manches passte einfach nicht mehr, und viel war einfach zu viel Geschwafel… Bei den Rezensionsexemplaren stand mal was über Cecelia Ahern, die Passage habe ich reduziert auf „trotzdem fragt man noch einen Liebesroman an, obwohl man das Genre nur selten liest“, weil es ja eigentlich nicht wirklich speziell um Cecelia Ahern geht.

      Ich bin immer noch dabei, alte Beiträge, die ich nicht endgültig löschen will, von meinem alten Blog hierher zu kopieren, aber die meisten alten Beiträge lasse ich in der Versenkung verschwinden. Die „Lesegelaber“-Beiträge ziehen aber alle nach und nach hierher um, aber es sind auch nur noch zwei oder drei.

      Ich bin jetzt fast durch mit meinen Leseexemplaren (es sind nur noch vier, und davon waren zwei unangefragt), und eigentlich nehme ich jetzt auch nur ein bis zwei Leseexemplare im Monat über Whatchareadin an. Ich fühl mich damit persönlich wohler, aber ich denke, jeder muss selber wissen, wie er das handhaben will. Wenn du sagst, ja, es ist Stress, aber den machst du dir gerne, warum nicht?

      LG,
      Mikka

  3. Hallo Mikka,
    inzwischen mach ich mir da weniger den Kopf. Es frisst auch viel zu viel Zeit. Zum Beispiel scheinen sich Arbeit + Sport + Blog ständig im Wege zu sein. Ich registriere zwar Zahlen, aber mach mir nicht viel draus.
    Die Bedingung für viele Rückäußerungen ist, dass man selbst in vielen Blogs viel hinterlässt. Teufelskreis. Siehe oben.
    Ergo…
    Viel Spaß noch an diesem Wochenende
    Uwe
    http://www.litterae-artesque.de
    http://www.litteraedd.wordpress.com

    1. Hallo Uwe,

      bei mir sind sich im Moment Zeichen + Schreiben + Blog ziemlich im Weg, aber so ist es dann halt…

      Ich schaue mir die Topliste zwar regelmäßig an, aber eigentlich eher, um auf der Website nach mit „neu“ markierten Blogs zu suchen – immer ein guter Weg, neue Blogs zu entdecken.

      Klar gucke ich dann auch, wo ich gerade stehe, aber ich verfalle nicht in Depressionen, wenn ich 24 Plätze gesunken bin… 😉

      LG,
      Mikka

  4. Mir sind Followerzahlen ziemlich egal, ich ziehe mein Ding durch. Mein Foodblog hat z.B. nur einen Follower. Allerdings hat keiner meiner Blogs, ob übers Kochen/Backen, Filme oder Bücher die Intention andere zu informieren.
    Das Foodblog habe ich z.B. um Rezepte zu testen und zu sammeln, die Buch- und Film-Blogs als eine Möglichkeit, noch einmal zu reflektieren und auch festzuhalten, was ich gesehen und gelesen habe. Ob da jemand mitliest ist für meine Zwecke faktisch egal.

    Was ich verachte sind Leute, die nur auf die Followerzahlen sehen und daraus womöglich Selbstbewusstsein ziehen. (Juhu, jemand da draußen mag mich!) Oder ihre Projekte nicht durchziehen, weil sie Follower kosten.
    Ich erinnere mich an einen, der jeden Tag ein Foto aus dem jeweiligen Tag auf Instagramm stellen und dazu was wollte. Nach gut einer Woche wurde es eingestellt, weil er am Tag im Schnitt vier Follower verlöre. Solche Leute finde ich erbärmlich und wenig selbstbewusst.

    1. Hallo Nomadenseele,

      du schreibst deinen Blog vor allem für dich selbst, das verstehe ich. Aber in meinen Augen ist es genauso legitim, seinen Blog zu schreiben, damit andere ihn lesen.

      Wer Tagebuch schreibt, schreibt nur für sich selbst. Autoren schreiben, damit andere ihre Bücher lesen. Beides sind verschiedene Ziele und andere Konzepte, und das miteinander zu vergleichen ist ein bisschen wie die Sache mit den Äpfeln und den Birnen…

      Ja, ich schreibe auch – nicht nur! –, damit andere meine Artikel und Rezensionen lesen und es vielleicht (hoffentlich) sogar zum Austausch kommt. Ich habe meinen Blog 2012 angefangen, weil ich über Bücher sprechen wollte (und die Menschen in meinem Umfeld meist notorische Nichtleser sind), und wenn es kein Selbstgespräch ist, umso besser.

      Das hat für mich aber nichts mit Selbstbestätigung zu tun – ich schluchze nicht in meinen Kaffee, dass mich niemand liebhat, wenn ein Artikel nicht gelesen wird oder mein Blog in der Topliste absinkt. Ich kann meinen Blog ganz gut von meinem Selbstwert trennen. Es ist für mich einfach Teil des Hobbys, meine Artikel immer weiter zu verbessern und neue Leser zu gewinnen. Just for fun. In der Hoffnung auf interessante Gespräche.

      Aber ich schreibe auch Rezensionen zu Büchern, die anscheinend kaum ein Buchblogger liest. (Die Literaturblogger trenne ich jetzt mal davon.)

      Wenn ich mir meine Rezensionen zu den für den Deutschen Buchpreis nominierten Büchern anschaue, dann haben die zum Teil KEINE Kommentare, nur ein bis zwei Likes, nicht einmal viele Klicks. „Flugschnee“, „Die Kieferinseln“, „Außer sich“, „Walter Nowak bleibt liegen“, „Die Gewitterschwimmerin“, „Nachtleuchten“, „Hysteria“… Totale Flops, wenn ich nur auf die Zahlen schaue.

      Ja, das finde ich sehr schade, denn ich würde mich zu gerne mit meinen Lesern über diese Bücher unterhalten. Aber werde ich auch nächstes Jahr wieder versuchen, so viele nominierte Bücher wie möglich zu lesen und zu rezensieren? Absolut.

      Vielleicht müsste man das noch feiner oder anders unterteilen. Nicht nur die Leute, die für sich selbst schreiben, und die Leute, die schreiben, damit andere ihre Artikel lesen.

      Sondern vor allem: WARUM will derjenige das? Was verspricht er sich davon? Wie du schon sagtest: hängt das Selbstbewusstsein desjenigen davon ab?

      Verachten ist für mich jedoch eine sehr starke Emotion, die ich mir eher aufhebe für Donald Trump, Rechtsradikale oder Menschen, die im normalen Straßenverkehr Autorennen fahren und dabei selbstsüchtig andere gefährden. Wer NUR auf die Followerzahlen schaut, tut niemandem weh, höchstens sich selbst. Aber ich muss seine Blogbeiträge nicht lesen, wenn ich das nicht will.

      LG,
      Mikka

      1. Ich kann diese Sucht nach Beliebtheit nicht nachvollziehen. Und doch, dieses mangelnde Bewusstsein, welches einige Leute veranlasst, ständig darauf zu sehen, von wie vielen Leuten sie geliebt werden, erzeugt in mir Verachtung.
        Was ist es anderes als mangeldes Selbstbewusstsein, wenn jemand ein Instagram-Projekt einstellt, wenn er dadurch Follower verliert? Ein 2000, 3000 dürften doch 4, die täglich abspringen, nicht wichtig sein. Ich kann so jemanden nicht achten. (Wobei ich die Person aus mehreren Gründen nicht achten kann, weil sie moralisch komplett verkorkst ist, zum Beispiel.)

  5. Hi Mikka,

    ein toller Beitrag zu einem Thema, dass immer mehr Bedeutung gewinnt in den letzten Monaten.

    Ich finde mich auch teilweise wieder, gerade am Anfang vom Bloggen, als ich das mit den Rezensionsexemplaren angefangen hab, war ich total geflasht und hab auch eine Menge angefragt – allerdings nie so viel dass es ausartet, aber doch so viel, dass ich mit meinen SuB Büchern nicht mehr nachgekommen bin.
    Auch die Jagd nach Lesern stand mehr im Mittelpunkt, denn wenn man anfängt möchte man natürlich auch, dass das gelesen wird was man so schreibt 😉

    Mittlerweile hat sich das bei mir – vom Gefühl her – zum Glück eingependelt. Ich fände es eh schöner, wenn man insgesamt wieder mehr back to the roots geht, denn diese Optimierung was social media betrifft, Fotos, Beiträge etc … das sieht für mich immer so nach „professioneller Arbeit“ aus und ein Blog ist für mich ein Hobby zum Austauschen, darf ruhig mal Fehler oder was privates enthalten. Muss eben NICHT nach bestimmten Normen gehen und sollte wieder persönlicher werden.

    Ich glaube, dass sich das ganze vielleicht in zwei Richtungen entwickeln wird: Blogger die als Hobby bloggen und Blogger die das ganze wirklich als Werbemaschinerie betreiben. Ich bin jedenfalls gespannt wie es in ein – zwei Jahren sein wird.

    Ich hab deinen Beitrag heute in meiner Stöberrunde verlinkt. Auch noch einen zweiten Beitrag von dir, aber da war die Kommentarfunktion ausgeschaltet …

    Liebste Grüße, Aleshanee

    1. Huhu Aleshanee,

      ich glaube, „zu viele Rezensionsexemplare anfragen“ ist eine sehr verbreitete und vielleicht sogar die schlimmste Bloggerkrankheit…

      Back to the roots, das wäre schön. Ich habe mir eben noch gedacht, dass ich mein Facebook am liebsten löschen würde, aber es findet so viel nur noch über Facebook statt, wie Lesenächte zum Beispie.

      Danke dir nochmal fürs Verlinken!

      LG,
      Mikka

  6. Huhu Mikka,

    ich erkenne mich auf jeden Fall in dem Beitrag wieder und ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich zu oft in die Falle mit den Rezi Exemplaren getappt bin. Nicht weil ich geizig bin oder das Geld nicht hätte sondern weil ich immer dachte, dass ich so total Hip bin wenn ich AUCH zu den Auserwählten gehöre, die von diesen Exemplaren profitieren kann. Es war ein Gefühl dass der Blog wertvoller wird dadurch.

    Totaler Hirnriss ich bin auch wahrlich nicht stolz darauf aber so war es nunmal. 🙁

    2018 hatte ich dann den Höhepunkt erreicht als aufeinmal ALLE laufenden Anfragen zeitgleich positiv beantwortet wurden und ich in Rezi Exemplare versank. Ich war total überfordert was sich dadurch verstärkte, dass das aktuelle Buch (natürlich auch ein Rezi Ex) mir gar nicht gefiel und ich zeitgleich mit den ganzen Büchern in eine tiefe Leseflaute fiel.

    Dieser Druck war so enorm dass ich von heute auf morgen von der Bildfläche verschwunden bin, ich konnte einfach nicht mehr. Habe alles abgelehnt bei Netgalley meine gesamten Accounts bei Blogger, WordPress, Goodreads alles gelöscht und zu Hause gesessen und versucht mich „endlich frei“ zu fühlen.

    Das war Anfang 2018. Nun ein Jahr später habe ich immer noch 6 Rezi Exemplare offen und ein schlechtes Gewissen. (hatte ich die ganzen 12 Monate durch) nach und nach lese ich die offenen Bücher jetzt und stelle die Rezis noch rein. UND ich werde wirklich (!) nie NIE wieder eins anfragen.

    Dieser Stress den habe ich nun schon 3 oder 4mal durchgemacht und das ist es nicht wert. Niemand liest meinen Blog weil ich viele Rezi Ex bekomme. Ich lese mittlerweile alte Bücher, betreibe Sub Abbau und versuche mein Bloggerleben wieder auf die Reihe zu bekommen.

    Ich kann wirklich nur JEDEM Raten, dass er bei der Rezi Ex Falle wirklich aufpasst, das kann ganz schnell ausufern 🙁 Ich für meinen Fall bin geläutert!

    Liebe Grüße Lari

    1. Huhu Lari,

      vielleicht sollten wir eine Selbsthilfegruppe für Buchblogger aufmachen – Anonyme Reziexemplarhorder.

      Mir ist 2018 was Ähnliches passiert. Ein paar Wochen vor der Verleihung des Deutschen Buchpreises habe ich sieben der nominierten Bücher als Rezensionsexemplare angefragt, weil ich dachte: die werden doch jetzt von zig Leuten angefragt, die krieg ich eh nicht alle… Tja.

      Wow, die ganzen Accounts zu löschen war natürlich ein sehr drastischer Schritt! (Den ich aber nachvollziehen kann.)

      Ich hatte irgendwann mal auch beschlossen, keine Rezensionsexemplare mehr anzufragen und habe das auch einige Monate durchgehalten (bis auf wenige Bücher, die ich im Rahmen von Leserunden las). Es war ein tolles Gefühl, nur noch zu lesen, was mich gerade anspringt – und dann habe ich wieder mit dem Anfragen angefangen…

      Im Moment ist es so, dass ich jeden Monat an ein bis zwei Leserunden auf Whatchareadin teilnehme und das soll in Zukunft auch das Einzige sein, wofür ich Reziexemplare anfrage.

      LG,
      Mikka

      1. Huhu Mikka,

        da wäre ich sofort dabei! Und bitte auch einen für „Anonyme Buch-Challenge Süchtige“ in die Falle tappe ich gerade wieder bzw ich kämpfe grad an der Klippe und schwanke gefährlich 😉 Ich melde mich einfach bei zuvielen Challenges an :-O schlimm is das *schimpf* NOCH gehts gerade so aber ich hab die nächste im Blick und würde sooo gern …. jajajaja böööseeeeeee :-O

        Ich glaube das Problem mit den Rezi Exen kennen viele wenn auch aus den unterschiedlichsten Gründen. Aber genauso viele kommen damit auch super klar – machen sich entweder bei 7 offenen Exemplaren einfach keinen Stress oder fragen erst an wenn sie das aktuelle Buch fast fertig haben. Glaube meine Freundin macht das so. Da liegen dann vllt mal 2 Exemplare aber mehr auch nicht. Die liest sie brav nacheinander ab und fragt dann neu an.

        Ich drücke Dir die Daumen, dass der Weg den Du jetzt eingeschlagen hast der richtige ist und Du auch konsequent dabei bleiben kannst. Nichts ist schlimmer als den Spaß an seinem Hobby zu verlieren weil man sich zuviel aufbürdet.

        Liebe Grüße
        Lari

  7. Guten morgen,
    ja, deswegen habe ich wohl momentan eine Flaute auf meinen Blog. Weil ich mich da auch ein wenig unter Druck gesetzt habe und mir viele Gedanken gemacht habe, was kann ich jetzt schreiben. Und umso mehr ich denke, umso weniger fallen mir Themen ein. Und so kommt oft garnichts. Es ist schon ein Druck, den so ein Buchblog mitsich bringt, ja. Aber es wird auch oft von aussen gemacht. Von Verlagen, Autoren und so. Vielleicht nicht absichtlich, aber trotzdem kommt da wohl auch ein wenig Druck her. Z. B. Man muss so und soviele Followerzahl haben, um beachtet zu werden usw.
    Aber ich versche es nun doch etwas gelassener zu sehen. Gerade in Bezug Rezensionen. Ich werde nicht mehr alles rezensieren, sondern erst einmal nur die Leseexemplare. Und da habe ich momentan ein wenig abstand genommen, somit ich dem Druck entfliehen kann.
    Ansonsten möchte ich meinen Blog schon noch weiterführen und mache es eigentlich recht gerne. Und ich denke, die Blogflaute, die gibt sich schon wieder 🙂
    Liebe Grüße
    Anja

    1. Huhu Anja,

      für mich sind die Rezensionen das, was mir am meisten Spaß macht, deswegen rezensiere ich auch Bücher, die ich mir selber gekauft habe (oder aus der Bibliothek ausgeliehen oder im Bücherschrank gefunden). Aber ich denke, jeder Blogger sollte das nach Belieben für sich selbst entscheiden können! 🙂

      Ich drücke dir die Daumen, dass die Blogflaute wieder vergeht!

      LG,
      Mikka

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