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[ Rezension ] Leo Carew: Wolfsthron – Under the Northern Sky

Leo Carew Wolfsthron
Ein Rezensionsexemplar des Buches wurde mir vom Verlag für eine ehrliche Rezension zur Verfügung gestellt.

© Cover ‘Leo Carew Wolfsthron’: Goldmann-Verlag
© Foto: A.M. Gottstein

Handlung

Klappentext:
“In Albion zerbricht der jahrhundertealte Frieden, als die Heerscharen des Südens im rauen Reich des Nordens einfallen. Der junge Roper, Sohn des Hauses Silberner Wolf und Thronerbe des Nordens, steht vor seiner ersten Schlacht – und sieht sich schon bald von Feinden umzingelt. Denn nicht nur will die Königin des Südens sein Volk auslöschen, auch mächtige Feinde im Inneren greifen nach dem Thron. Ropers einzige Chance ist eine Allianz mit der schönen Keturah, Tochter des mächtigen Hauses Vidarr. Doch seine Gegner planen bereits den nächsten Schachzug – mit nur einem Ziel: Das Heulen des Silbernen Wolfes soll für immer verklingen …”

“Wolfsthron” wird oft mit “Game of Thrones” verglichen

Warum es diesem Vergleich in meinen Augen nicht standhalten kann

 

Beginnen wir mit etwas Positiven: Hier sind mal nicht die Menschen die strahlenden Helden, sondern das riesenhafte Volk der Anakim, die keine Schrift kennen, nicht verstehen, was an Gold so wertvoll sein soll, den Krieg zelebrieren wie eine Religion und eine Knochenrüstung unter der Haut tragen.

Aha? Da ahnt man es schon: Originelle Einfälle hat dieser Autor.

Er hat sich ganz ohne Zweifel eine sehr komplexe Welt ausgedacht, die mit dem Reiz des Unbekannten punkten kann. Die üblichen Genre-Klischees, so scheint es zunächst, stellt Leo Carew gekonnt auf den Kopf – das ist epische Fantasy mit historischem Anklang, die gänzlich ohne Magie auskommt, was mir im Grunde sehr gut gefällt.

Leider rückt diese wunderbare Welt mit all ihrem Potential schnell in den Hintergrund und dient danach nur noch als Kulisse. Für meinen Geschmack liest sich die Geschichte ab einem gewissen Punkt zu sehr wie eine einzige endlose Schlachtszene.

Das Schlachtengetümmel wird nur gelegentlich für etwas Handlung unterbrochen.

Protagonist Roper ist der jüngste Sproß eines alten Kriegergeschlechts und wird direkt am Anfang der Geschichte unverhofft auf den Thron katapultiert, als sein Vater im Kampf fällt.  Er ist ein unbedarfter Held mit ganz viel Raum nach oben, seine Entwicklung ist jedoch in meinen Augen eine der größten Schwächen des Buches. Schaut er zunächst quasi noch mit unschuldigen Kinderaugen staunend in die Welt, handelt er wenige Kapitel später schon wie ein erfahrener, abgebrühter Kriegsherr.

Man fragt sich, warum die gleichen Krieger, die eben noch verächtlich auf den 19-jährigen herabgeschaut haben, ihm auf einmal ihren Respekt zollen. Das wird nur umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass einige dieser Krieger schon 120 Jahre alt oder älter sind.

Manche Dinge fallen Roper einfach zu.

Und das ist schade, denn sie hätten ihm Raum für echte Charakterentwicklung gegeben. So hat er zwischendurch einige sehr mächtige Feinde, findet aber jemanden, der diese Feinde für ihn ausschaltet, ohne dass er einen Finger rühren muss. (Wie genau er dies bewerkstelligt, wird elegant umschifft.)

Aber auch die anderen Charakter werden meines Erachtens nur schwach gezeichnet.

Sie sind Archetypen, die wie reine Platzhalter wirken in einer Geschichte, die alles abarbeitet, was eine epische Fantasygeschichte eben so zu bieten hat: Intrigierende Adlige, Außenseiter niederen Standes, die zur Macht aufsteigen, weise Mentoren und Kriegshelden…

Trotz der zahllosen Schlachten kam für mich nur selten Spannung auf.

Das lag sicher vor allem daran, dass ich das Gefühl hatte, dass Roper niemals wirklich in Gefahr ist – aus dem anfänglich so unsicheren Jungen wird schon nach wenigen Kapiteln ein überlebensgroßer Krieger, der unbesiegbar erscheint.

Zum anderen stellte sich bei mir irgendwann eine gewisse Abstumpfung ein. Schlacht, Schlacht, noch mehr Schlacht, zur Abwechslung heimtückischer Mord, Schlacht.

Der Schreibstil ist sehr detaillverliebt.

In manchen Szenen funktioniert das wunderbar – dann erweckt der Autor mit ausdrucksstarken Bildern seine Welt zum Leben und beschwört mit dichter Atmosphäre Kopfkino vom Allerfeinsten herauf. In anderen Szenen habe ich mich gefragt, ob ich das wirklich bis ins Allerkleinste wissen muss…?

Fazit

Das Buch hat durchaus Potential. Interessant fand ich vor allem, dass hier die üblichen Rollen umgedreht werden: die Menschen sind die Bösen, die riesenhaften, martialischen Anakim die Guten. Auch die Welt an sich finde ich sehr interessant und originell.

Leider krankt das Buch meines Erachtens an schwachen Charakteren und der schieren Masse an detailliert beschriebenen Schlachtszenen. Ein wenig mehr Handlung und dafür etwas weniger Schlacht hätte ich sehr begrüßt.

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TitelWolfsthron – Under the Northern Sky
OriginaltitelThe Wolf – Under the Northern Sky
Autor(in)Leo Carew
Übersetzer(in)Wolfgang Thon
Verlag*Goldmann
ISBN*9783442487356
Seitenzahl*576
Erschienen am*17. September 2018
GenreFantasy
* bezieht sich auf die abgebildete Ausgabe des Buches

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