Montagsfrage

[ Montagsfrage ] Ist Hörbuch-Hören dem Lesen gleichzusetzen?

Montagsfrage neu

© Beitragsbild: Lauter & Leise

Die Montagsfrage findet jede Woche auf dem Blog Lauter & Leise  statt. Es gibt immer eine Frage, die etwas mit Büchern und/oder Lesen zu tun hat, und wer teilnehmen möchte, hat dann bis zum nächsten Montag Zeit, die Frage zu beantworten.

Der gegenseitige Austausch ist erwünscht! Ich versuche immer, wenigstens einige der teilnehmenden Blogs zu besuchen und dort einen Kommentar zu hinterlassen.

Ist Hörbuch-Hören für dich mit ’klassischem’ Lesen gleichzusetzen? Oder ist beides für dich grundverschieden?

Über das Thema habe ich schon oft nachgedacht und auch schon oft gesprochen, da ich aufgrund meiner MS (Multiple Sklerose) manchmal Probleme mit dem Sehen habe und dann dankbar nach Hörbüchern greife. Da finde ich es geradezu verletzend, wenn mir bei einer Challenge oder einem Leseabend gesagt wird, Hörbücher würden nicht zählen. Auch wenn es nicht so gemeint ist, fühle ich mich dann ausgeschlossen!

Warum zählen Hörbücher eigentlich nicht?

Es gibt wissenschaftliche Untersuchungen, die zeigen, dass Lesen nicht nur aus psychologischer Sicht gleichwertig ist, sondern dass es für das Gehirn wenig Unterschied macht, ob es jetzt gedruckte oder gesprochene Wörter dechiffriert. Beides ist eine Übersetzungsleistung des Gehirns.

Natürlich ist das Erlebnis nicht dasselbe – gerade bei einem besonders guten oder besonders schlechten Hörbuchsprecher kann es etwas ganz anderes sein, als das Buch zu lesen.

Aber es ist für mich absolut gleichwertig.

Und ganz ehrlich: das Erlebnis Lesen ist ohnehin etwas, das von vielen Faktoren abhängt. Lese ich auf dem Sofa oder in der Badewanne, ist das Haus still oder kläfft der Nachbarshund seit Stunden, geht es mir gut oder bin ich erkältet… Lesen ist absolut subjektiv, aber auch absolut von außen beeinflusst.

Mein Fazit: Hörbuchhören und Lesen ist nicht das gleiche, aber dennoch gleichzusetzen.

Update:

Ich habe jetzt in mehreren Beiträgen gelesen, dass Leser beklagen, beim Hören eines Hörbuchs seien sie der Lesegeschwindigkeit des Sprechers ausgeliefert und man könne Sätze nicht nach Belieben nochmal lesen oder innehalten.

Mein Kommentar zum Beitrag von Büchernarr (übrigens ein Blog, den ich wärmstens empfehle):

Bei meiner Hörbuch-App kann ich die Lesegeschwindigkeit beliebig einstellen. (Meist stelle ich sie auf die zwei- oder dreifache Geschwindigkeit.) Außerdem gibt es einen Button, mit dem ich nach Wunsch xxx Sekunden oder Minuten vor oder zurückspringen kann, den benutze ich, wenn ich einen Satz nochmal hören möchte. Ich bin inzwischen so gewöhnt daran, vor und zurück zu “blättern” und nach Belieben an der Lesegeschwindigkeit rumzuschrauben, dass es sich anfühlt wie “echtes” Lesen.

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23 thoughts on “[ Montagsfrage ] Ist Hörbuch-Hören dem Lesen gleichzusetzen?

  1. Hallo Mikka,
    ich verstehe Challenges, bei denen Hörbücher ausgeschlossen sind auch nicht wirklich und ärgere mich immer ein bisschen darüber. Ich kann mich deinem Beitrag hier nur anschließen. Für mich macht es absolut keinen Unterschied, ob jemand das Hörbuch hört oder das Buch liest. Die Geshichte ist dieselbe.
    LG
    Yvonne

    1. *Die Geshichte ist dieselbe*

      Da widerspreche ich heftig aus zwei Gründen:

      1.) Hörbücher sind oft gekürzt.

      2.) Der Sprecher interpretiert den Text für dich; so soll die Buddenbrocks-Ausgabe mit Westpfahl als Sprecher dem Hörer den Amazonrezis nach kaum noch eine Interpretationsmöglichkeit lassen.

      1. Ich möchte noch hinzufügen, dass ich wegen der gekürzten Fassungen auch verstehe, dass Hörbücher gerade in Leserunden nicht zugelassen werden. Wir hatten selbst bei gedruckten Ausgaben von *Onkel Toms`s Hütte* das Problem, dass ich Szenen im Buch hatte, die die anderen nicht kannten.

      2. 1.) Ich höre nur ungekürzte Hörbücher, das ist normal eindeutig gekennzeichnet.
        2.) In den meisten Fällen kann man aber von “Interpretation” kaum sprechen: ein Sprecher erklärt mir die Metaphern nicht, er gibt mir keine Einblicke in das Wesen von Charakteren, er analysiert den Schreibstil nicht.

  2. Hallo Mikka,
    auf die Lesegeschwindigkeit bin ich gar nicht bei mir eingegangen, weil ich sie für total irrelevant gehalten habe. Beim Autofahren ist sie mir egal und zu Hause verwende ich ebenfalls eine App mit Geschwindigkeitsregulierung. Tatsächlich kann ich auch nach langen Tagen oft nicht mehr meine Studienskripte lesen und nutzte dann ein Browser PlugIn, um mir diese vorlesen zu lassen. Gleichzeitig brauche ich nur die Texte selbst überfliegen, um auch noch wichtiges markieren zu können. Quasi eine Mischform und auch das PlugIn hat eine Geschwindigkeitsregulierung.
    LG
    Ariane

  3. Ich käme eigentlich bei einer Challenge gar nicht auf die Idee zu sagen, dass ich mit dem Buch/den Büchern in Audioform teilnehme. Muss doch jeder selbst wissen, wie er das handhaben möchte, da kann ich doch als Initiator keine “Regeln” aufstellen… vor allem lassen die sich ja auch gar nicht überprüfen.
    Ein Buch ist ein Buch ist ein Buch ist… 🙂

    LG
    Sonja

  4. Hey Mikka,

    wie ich dir bereits sagte, geht es bei meiner Auffassung von Hörbüchern – dass ich sie als Schummeln empfinde – hauptsächlich um mich selbst. Ich sehe vollkommen ein, dass sie für dich eine hervorragende Alternative sind und ich finde auch nicht, dass sie nicht zählen.
    Allerdings würde mich interessieren, wie du Rezensionen zu Hörbüchern handhabst. Kannst du die ebenso rezensieren wie “normale” Bücher oder gehst du da anders vor? Rezensierst du sie überhaupt?

    Montagsfrage auf dem wortmagieblog
    Viele liebe Grüße,
    Elli

    1. Hallo Elli,

      ich rezensiere ein ungekürztes Hörbuch genau wie ein Buch – außer, der Sprecher ist dermaßen schlecht oder herausragend gut, dass ich das Gefühl habe, ich würde das Buch vermutlich anders bewerten. Das kommt aber sehr, sehr selten vor.

      LG,
      Mikka

  5. Hallo liebe Mikka,

    ich finde deinen Beitrag wirklich interessant. In meinem Bekanntenkreis habe ich Leute, die nicht gerne lesen, die aber vielleicht dennoch Interesse an Literatur und vor allem an den Geschichten haben. Wie du schon schreibst, sind sie eine Möglichkeit Literatur zu “konsumieren” ohne direkt zu Lesen. Meine Meinung zu Hörbüchern findet ihr hier: https://vanessas-literaturblog.de/2018/09/10/montagsfrage-10-september-2018/

    Liebe Grüße und eine schöne Woche
    Vanessa

    1. Hallo Vanessa,

      ich glaube, wenn ich nicht gerne lesen würde, würde ich auch nicht gerne Hörbücher hören! 🙂 Oft (wenn es die Augen erlauben) lese ich sogar beim Hören eines Hörbuchs das Buch gleichzeitig mit, dann ist es Lesen im Doppelpack. 😉

      LG,
      Mikka

  6. Sei gegrüßt!

    In meinem Beitrag zur Montagsfrage habe ich geschrieben “Geht es rein um die Inhalte – und ist das Hörbuch ungekürzt – ist es definitiv das Gleiche.” Daher kann ich auch nicht verstehen, wenn Hörbücher bei Challenges nichts zählen. Geschichte ist Geschichte.

    Für mich sind Hörbücher trotzdem nichts. Wenn ich “nur zuhören” soll schweifen meine Gedanken immer ab und ich bekomm die Hälfte nicht mit. Wenn ich aber etwas nebenbei mache, ist es das gleiche Problem. Daher lese ich dann doch lieber. V.a. auch weil mein Kopfkino da viel besser läuft 😉

    Trotzdem sind Hörbücher natürlich eine super tolle Ergänzung zum klassischen Buch!

    Liebe Grüße
    Marina

  7. Hallo Mikka,

    danke für die lieben Worte in Deinem Nachtrag 😉 Klar, die Apps können die Lesegeschwindigkeit ändern, was ich auch hin und wieder versucht habe. Aber irgendwie passen dann die Pausen und Tonierungen der Sprecher nicht mehr so recht. Und zumindest bei Audible ändert sich zudem leicht die Klangfarbe, weswegen ich dazu übergegangen bin, lieber in der Originalgeschwindigkeit zu hören.

    Mich persönlich wundern eher die zahlreichen kritischen Stimmen der anderen Blogger. Ich hätte nicht gedacht, dass Hörbücher einen derart schweren Stand gegenüber den gedruckten Büchern haben. Da sind ja selbst E-Books beliebter 😀

    Viele liebe Grüße
    Der Büchernarr Frank

  8. Hallo liebe Mikka,

    ich finde es wirklich toll, dass Hörbücher eine so gute Alternative für dich sind und es ist richtig Schade, dass Hörbücher bei vielen Challenges nicht mit einbezogen werden. Für mich zählen Hörbücher auf jeden Fall! Immerhin ist in ungekürzten Hörbüchern doch genau der gleiche Inhalt wie im gedruckten Werk vorhanden.

    Trotzdem kann ich die beiden Medien nicht miteinander gleichsetzten weil es für mich einfach ein komplett anderes Erlebnis ist ein Buch selbst zu lesen und ein Hörbuch zu konsumieren. Der Sprecher nimmt mir durch seine Interpretation einfach Freiraum im Bereich Kopfkino. Manchmal kann ein passender Sprecher aber auch bereichernd sein. Eine wirklich schmale Gratwanderung.

    Liebe Grüße
    Bella

    Zu meinem Beitrag zur Montagsfrage geht es hier lang.

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