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[ Rezension ] C.J. Tudor: Der Kreidemann

C.J. Tudor: Der Kreidemann
Ein Rezensionsexemplar des Buches wurde mir vom Verlag für eine ehrliche Rezension zur Verfügung gestellt.

© Cover: Goldmann Verlag
© Foto: A.M. Gottstein


Handlung

“Alles begann an dem Tag, an dem sie auf den Jahrmarkt gingen. Als der zwölfjährige Eddie den Kreidemann zum ersten Mal traf. Der Kreidemann war es auch, der Eddie auf die Idee mit den Zeichnungen brachte: eine Möglichkeit für ihn und seine Freunde, sich geheime Botschaften zukommen zu lassen. Und erst einmal hat es Spaß gemacht – bis die Figuren sie zur Leiche eines jungen Mädchens führten. Das ist dreißig Jahre her, und Eddie dachte, die Vergangenheit liegt hinter ihm. Dann bekommt er einen Brief, der nur zwei Dinge enthält: ein Stück Kreide und die Zeichnung eines Strichmännchens. Und als die Geschichte beginnt, sich zu wiederholen, begreift Eddie, dass das Spiel nie zu Ende war …”
(Klappentext)

C.J. Tudor: Der Kreidemann

Meine Meinung

Stephen King:
“Wenn Sie meine Bücher mögen, werden Sie auch dieses verschlingen.”

Da ist was dran, Mr. King.

Stimmung

Zum einen ist es die schwärende Atmosphäre der unterschwelligen Beklemmung, die sich durch das ganze Buch zieht. Bisher hätte ich gesagt, diesen leisen Schrecken beherrscht King wie kein Zweiter, aber C.J. Tudor kommt – ganz ohne Horror! – sehr nahe dran an die Schreibe des Meisters. Ihr Schreibstil ist dicht und erzeugt lebendiges Kopfkino.

Spannung

Zum zweiten sind es bei King nicht die Monster, die den eigentlichen Horror ausmachen, sondern das, was sich die Menschen gegenseitig antun. Und beim “Kreidemann” ist es nicht nur der Mörder, der den Thriller mit Spannung füttert, sondern auch die hässlichen Geheimnisse der ganz normalen Kleinstadtbürger.

Es ist über lange Passagen des Buches eine ruhige Spannung, die sich mehr durch die Gefühle und Ängste der Charaktere ausdrückt als durch dramatische Geschehnisse. Wobei ich nicht sagen will, dass es hier keine explizite Gewalt gibt – es gibt einen schockierenden Unfall, einen grausamen Mord, Mobbing, das sich aufschwingt zu einem abscheulichen Akt… Aber dennoch besticht der Thriller weniger durch Action als durch gut geschriebene Charaktere und psychologische Spannung.

Charaktere

Letztendlich schreibt C.J. Tudor, genau wie King, großartige kindliche und jugendliche Charaktere, die unglaublich lebensecht aus den Seiten springen. Trotz ihres Alters haben sie auch dunkle Seiten, können sogar grausam sein, sind aber dennoch keine kleinen Erwachsenen. Ihre kindliche Unschuld bricht sich an ihren Erlebnissen, zerbricht aber nicht vollends daran – zumindest nicht immer.

Eddie Munster, Fat Gav, Metal Mickey, Hoppo und Nicky könnten den jungen Helden aus Kings “Es” die Hand reichen. Wie diese erleben sie als Kinder etwas Schreckliches,  lassen es hinter sich und stellen als Erwachsene fest, dass der Schrecken noch nicht vorbei ist. (Allerdings hat der Schrecken hier nicht Übernatürliches.) Ich fand den Übergang zwischen den Zeitebenen sehr gelungen: in den erwachsenen Charakteren, auch wenn sie sich zum Teil sehr stark verändert haben, kann man immer noch die Kinder erkennen, die sie einmal waren.

Der ‘Kreidemann’ aus dem Titel ist ein interessanter Charakter, der im Rückblick etwas rätselhaft bleibt, aber den ich dennoch gut gelungen fand.

Logik / Auflösung

Hier schwächelt der Thriller in meinen Augen: Zwar setzen sich am Schluss viele der im Laufe des Buches gesammelten Puzzleteilchen schlüssig zusammen, aber es geht auf einmal alles sehr schnell, falsche Fährten brechen jäh in sich zusammen… Das tatsächliche Mordmotiv ist meines Erachtens eher schwach.

Das große Finale wirkte auf mich wie aus einem Film àla “Scream” oder “Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast” gegriffen – und damit klischeebehaftet. Die Glaubwürdigkeit wurde für mich letztlich leider überstrapaziert.

Fazit

Eine Gruppe von Kindern folgt einer Reihe von Kreidebotschaften und findet die zerstückelte Leiche eines Mädchens. Obwohl ihr Kopf nie gefunden wird, scheint der Fall letztendlich aufgeklärt, und in den Jahren danach kehrt im Leben der Kinder wieder Normalität ein. Bis sie 30 Jahre später Post bekommen – ein Strichmännchen und ein Stück Kreide.

Das Buch ist zwar kein Horror, wird aber dennoch nicht zu Unrecht mit den Büchern von Stephen King verglichen. Die Atmosphäre, die Art der Spannung, die Charaktere (besonders die jugendlichen), alles erinnert an seinen Stil, ohne jedoch ein Abklatsch zu sein.

Das Ende hat meiner Begeisterung einen Dämpfer verpasst, dennoch ist es für mich immer noch ein unterhaltsames Buch, das man gut lesen kann.

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Wertung 80 Prozent

TitelDer Kreidemann
OriginaltitelThe Chalk Man
Autor(in)C.J. Tudor
Übersetzer(in)Werner Schmitz
Verlag*Goldmann
ISBN*344231464X
9783442314645
Seitenzahl*384
Erschienen am*29. Mai 2018
GenreThriller
* bezieht sich auf die abgebildete Ausgabe des Buches

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11 thoughts on “[ Rezension ] C.J. Tudor: Der Kreidemann

  1. Hallo Mikka,

    stimmt, das Ende hat nicht ganz mit der Handlung mitgehalten. Ich habe es trotzdem als sehr gut empfunden. Und das Ende nach dem Ende habe ich geliebt. <3 Wer King mag, wird auch dieses Buch mögen – absolut!

    Liebe Grüße,
    Nicole

    P.s.: Danke für's Verlinken. 🙂

    1. Hallo Daniela,

      es ist trotzdem noch ein echt gutes Buch, finde ich! 🙂 Wer der Kreidemann ist, erfährt man schon sehr früh, aber die Frage ist, ob er auch der Mörder ist…

      LG,
      Mikka

  2. Ich hab die Empfehlung von King persönlich auch entdeckt, bevor ich das Buch gelesen habe. Da ich einige von Stephen Kings Büchern mit Begeisterung gelesen habe, war die Erwartung an den Kreidemann sehr groß. Und ich wurde nicht enttäuscht!
    Es ist genau so wie Du schreibst, das Buch erinnert an Kings Bücher, es ist aber kein billiger Abklatsch. Ich hoffe, die Autorin schreibt fleißig Bücher in diesem Stil weiter.
    Hab vielen Dank für die Verlinkung.
    LG Gabi

    1. Huhu Gabi,

      ich habe wirklich schon EWIG nichts mehr von King gelesen, dabei war ich früher sehr begeistert von seinen Büchern! Ich muss mal wieder schauen, was er in den letzten Jahren so geschrieben hat.

      LG,
      Mikka

      1. Was die neueren King-Bücher angeht, bin ich auch ziemlich blank. Ich bin auch eher ein Fan der alten King oder Bachmann Bücher. Allerdings hab ich “Die Arena” gelesen, das ist glaube ich das aktuellste von ihm, was ich gelesen habe, und das ist schon ziemlich nah an den alten “Klassikern” dran. Die Fernsehserie dazu hab ich auch gesehen (Staffel 1), aber die ist in vielen Dingen vom Buch abgewichen, die mir nicht gefallen haben.
        Wenn Du also ein aktuelleres von King lesen möchtest, könnte ich Dir “Die Arena” empfehlen.
        LG Gabi

        1. Huhu Gabi,

          ich glaube, “Die Arena” liegt hier sogar noch irgendwo, wenn ich mich richtig erinnere, habe ich das mal aus einem öffentlichen Bücherschrank gezogen…

          LG,
          Mikka

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