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[ Rezension ] Jenny Blackhurst: Das Böse in deinen Augen

Jenny Blackhurst: Das Böse in deinen Augen

© Cover ‘Jenny Blackhurst: Das Böse in deinen Augen’: Bastei Lübbe
© Bild Smartphone: Pixabay


Handlung

“Niemand hat Angst vor einem kleinen Mädchen, oder doch?

Als die Kinderpsychologin Imogen Reid den Fall der elfjährigen Ellie Atkinson übernimmt, weigert sie sich, den seltsamen Gerüchten um das Mädchen zu glauben. Ellie sei gefährlich, so heißt es. Wenn sie wütend wird, passieren schreckliche Dinge. Imogen hingegen sieht nur ein zutiefst verstörtes Kind, das seine Familie bei einem Brand verloren hat und ihre Hilfe benötigt. Doch je näher sie Ellie kommt, desto merkwürdiger erscheint ihr das Mädchen. Dann erleidet auch Imogen einen schrecklichen Verlust – und sie fürchtet, dass es ein Fehler war, Ellie zu vertrauen…”
(Klappentext)

Jenny Blackhurst: Das Böse in deinen Augen

Meine Meinung

Im Umfeld eines kleinen Mädchens passieren merkwürdige, zum Teil schlimme Dinge. Wird sie zunächst nur von Gleichaltrigen ausgegrenzt, breitet sich bald auch unter den Erwachsenen eine absurde Angst vor der 11-jährigen Ellie aus, ihr werden sogar übernatürliche Fähigkeiten unterstellt. Als Leser beginnt man schnell, sich zu fragen: geht der Thriller tatsächlich in eine paranormale Richtung, oder steckt etwas ganz Anderes dahinter?

In diesem Zwiespalt liegt für mich der grundlegende Konflikt des Buches.

Ich fand die Grundidee durchaus originell und spannend, in den ersten Kapiteln habe ich beim Lesen ständig gegrübelt, was für eine rationale Erklärung es für dieses oder jenes geben könnte. Aber meines Erachtens reicht das dann doch nicht, um die Spannung 432 Seiten lang aufrecht zu erhalten – im Mittelteil zog sich das Buch für mich sehr. Der Zyklus wiederholt sich einfach zu oft: Ellie wird ungerecht oder gemein behandelt, es geschieht etwas scheinbar Unerklärliches.

Manchmal fand ich die Andeutungen einfach zu plump, mir erschien der Versuch, eine gruselige Atmosphäre aufzubauen, zu bemüht.

 Dazu kam, dass ich mit den Charakteren so meine Probleme hatte.

Am Anfang war ich noch recht angetan von den Protagonisten. Im Mittelpunkt stehen neben Ellie vor allem Ellies Pflegeschwester Mary und die Kinderpsychologin Imogen. Beide verteidigen Ellie vehement gegen alle Anschuldigungen, koste es, was es wolle.

Imogen trägt selber eine große Last mit sich herum: sie ist gerade erst zurückgekehrt an den Ort ihrer zutiefst unglücklichen Kindheit, und dazu kommt noch, dass ihr Mann sich ein Kind wünscht, was ihr eine Heidenangst einjagt. Ich konnte viele ihrer Gefühle und Ängste zuerst gut nachvollziehen.

Aber ich fand ihr Verhalten in ihrer Rolle als Psychologin zunehmend unglaubwürdig.

Sie hält sich nicht an Regeln und überschreitet Grenzen, und anscheinend ist sie vollkommen unfähig, eine professionelle Distanz zu ihren kleinen Patienten aufrecht zu erhalten. Sie kauft Ellie Kleidung, geht mit ihr Eis essen, umarmt sie… Dass Ellie sich daraufhin sehr auf sie fixiert und schon davon träumt, von Imogen adopitert zu werden, ist nachvollziehbar – und für Ellie nicht gut.

Nach und nach bekommt man Einblicke in Imogens letzten Fall, wo genau dieser Mangel an Distanz zu einer Katastrophe führte. Sie erschien mir unglaublich unprofessionell.

Ellie selber wird in meinen Augen unstimmig und widersprüchlich beschrieben.

Natürlich soll man bis zum Schluss daran zweifeln, ob Ellie ein unschuldiges Opfer ist oder eine kleine mörderische Intrigantin. In Szenen, die aus der Sicht anderer Charaktere geschildert werden, ist es daher vollkommen nachvollziehbar, wenn Ellie drastisch unterschiedlich wirkt.

Aber in Szenen, die aus Ellies eigener Sicht geschildert werden, fand ich das nicht schlüssig.

Noch ein paar Worte zum Schreibstil:

Jenny Blackhurst schreibt flüssig und anschaulich, nur das Tempo fand ich für einen Thriller manchmal zu schleppend.

Das Ende habe ich tatsächlich kommen sehen – teilweise.

Eigentlich finde ich die Auflösung gelungen, auch wenn ich sie relativ offensichtlich fand. Aber dann wird im Epilog noch etwas angehangen, was das gelungen Ende in meinen Augen fast schon ruiniert… Zu viel, zu aufgesetzt.

Fazit

Die 11-jährige Ellie, einzige Überlebende des Wohnungsbrandes, der ihre ganze Familie getötet hat, wird von den Menschen in ihrem Ort misstrauisch beäugt – es wird getuschelt, sie habe paranormale Fähigkeiten und sei gefährlich. Ist sie eine kleine Mörderin oder einfach ein zutiefst traumatisiertes, missverstandenes Kind?

Obwohl ich diese Grundidee sehr interessant und spannend fand, ließ meine Begeisterung schnell nach. Im Mittelteil verläuft die Handlung schleppend, die Charaktere konnten mich immer weniger überzeugen, und das Ende wird in meiner Sicht vom Epilog ruiniert.

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Wertung 46 Prozent

TitelDas Böse in deinen Augen
OriginaltitelThe Foster Child
Autor(in)Jenny Blackhurst
Übersetzer(in)Sabine Schilasky
Verlag*Bastei Lübbe
ISBN*3404176898
978-3404176892
Seitenzahl*432
Erschienen am*27. April 2018
GenreThriller
* bezieht sich auf die abgebildete Ausgabe des Buches

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2 thoughts on “[ Rezension ] Jenny Blackhurst: Das Böse in deinen Augen

  1. Hallo Mikka,

    naja, nach deiner Rezension lässt mein Interesse jetzt doch ein bisschen nach. Der Mittelteil klingt tatsächlich recht zäh, wobei zäh ja nicht unbedingt zäh sein muss. Ich mag es oft, wenn es nur etwas plätschert um Tiefe zu erzeugen. Aber so wie du das hier beschreibst, geht es wohl doch in Richtung zäh in der Kaugummi-Variante. Ich werde wohl noch abwarten.

    Liebe Grüße,
    Nicole

    1. Huhu Nicole,

      wenn ich mir die Rezensionen auf Amazon anschaue, sind da ja durchaus viele Leute begeistert! Aber in unserem Krimi-Lesekreis waren die Meinungen im Durchschnitt nicht so gut: zwei haben das Buch sogar abgebrochen, einer fand das Buch ‘ganz interessant, ABER…’, meine Meinung kennst du, und nur eine Teilnehmerin fand es ganz gut, glaube ich.

      LG,
      Mikka

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