Montagsfrage

[ Montagsfrage ] 19. Februar 2018

Montagsfrage

Die Montagsfrage war ursprünglich eine Aktion von paperthin, wurde dann Anfang 2014 von libromanie übernommen (beide Blogs gibt es anscheinend nicht mehr), und Ende 2014 fand sie dann ein neues Zuhause bei Buchfresserchen, wo sie auch heute noch veranstaltet wird.

Jeden Montag gibt es eine ‘buchige’ Frage, und wer teilnehmen möchte, hat dann bis zum nächsten Montag Zeit, die Frage zu beantworten.

Die Frage dieser Woche: Wenn die Welt untergehen würde und du ins All oder auf einen anderen Planeten entkommen könntest, welche 3 Bücher/Reihen würdest du retten, damit sie kommenden Generationen erhalten bleiben?

Das ist eine sehr interessante Frage! Ich denke, es sollte etwas sein, was künftigen Generationen verrät, wie die Menschen früher waren. Und zwar sowohl im Guten wie auch im Schlechten! Deswegen habe ich mich für drei Titel im Genre Gegenwartsliteratur entschieden, und zwar:

“Nachruf auf den Mond” von Nathan Filer

“»Ich werde Ihnen erzählen, was passiert ist, denn bei der Gelegenheit kann ich Ihnen meinen Bruder vorstellen. Er heißt Simon. Ich glaube, Sie werden ihn mögen. Wirklich. Doch in ein paar Seiten wird er tot sein. Danach war er nie mehr derselbe.« 

Matthew Homes ist ein begnadeter Erzähler, und Patient der Psychiatrischen Klinik in Bristol. Um dort dem trostlosen Alltag zu entfliehen, schreibt er seine Geschichte auf – und die seines Bruders Simon, der im Alter von elf Jahren während des Campingurlaubs in Cornwall starb. Selbst nach zehn Jahren gibt sich Matthew immer noch die Schuld am Unfalltod seines Bruders. Doch eigentlich ist Simon für ihn gar nicht tot – und Matthew auch kein gewöhnlicher 19-Jähriger. Matthew leidet an Schizophrenie. “
(Klappentext)

Aus meiner Rezension (auf meinem alten Blog auf Blogspot):

“Nachruf auf den Mond” ist ein eindringliches Buch über Trauer, Schuld und eine heimtückische psychische Erkrankung – aber es ist auch ein hoffnungsvolles Buch über Liebe, Vergebung und das Weiterleben. Der Schreibstil hat etwas Magisches, und Matthew ist ein Protagonist, dem man einfach gebannt zuhören muss.

Es ist sicher ein anspruchsvolles Buch, aber davon muss sich niemand abschrecken lassen, denn es ist auch sehr unterhaltsam und flüssig zu lesen. Die Geschichte lebt von ihren Gefühlen, von Matthews emotionalem Wachstum, aber das ist alles andere als langweilig – ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen.

“Die Kieferninseln” von Marion Poschmann

“Gilbert Silvester, Privatdozent und Bartforscher im Rahmen eines universitären Drittmittelprojekts, steht unter Schock. Letzte Nacht hat er geträumt, dass seine Frau ihn betrügt. In einer absurden Kurzschlusshandlung verlässt er sie, steigt ins erstbeste Flugzeug und reist nach Japan, um Abstand zu gewinnen. Dort fallen ihm die Reisebeschreibungen des klassischen Dichters Basho in die Hände, und plötzlich hat er ein Ziel: Wie die alten Wandermönche möchte auch er den Mond über den Kieferninseln sehen. Auf der traditionsreichen Pilgerroute könnte er sich in der Betrachtung der Natur verlieren und seinen inneren Aufruhr hinter sich lassen. Aber noch vor dem Start trifft er auf den Studenten Yosa, der mit einer ganz anderen Reiselektüre unterwegs ist, dem Complete Manual of Suicide.”
(Klappentext)

Aus meiner Rezension (auf meinem alten Blog auf Blogspot):
“Die Kieferninseln” ist eine sprachlich wunderschöne, inhaltlich außergewöhnliche Gratwanderung zwischen Schein und Sein. Dabei ist das Buch nicht nur durch seine lyrische Wortmalerei ansprechend, sondern auch durch sein feines Psychogramm eines unverbesserlichen Pedanten, mit dem man dennoch mitfühlen muss, da er, ob ihm das nun bewusst ist oder nicht, auf der Suche ist nach mehr als seiner beengten Existenz.

Kent Haruf: Lied der Weite
“Lied der Weite” von Kent Haruf

“Victoria, siebzehn und schwanger, wird von ihrer Mutter vor die Tür gesetzt. Da überredet ihre Lehrerin Maggie die Brüder McPheron, zwei alte Viehzüchter, das Mädchen bei sich aufzunehmen. Ein erst widerwilliger Akt der Güte, der das Leben von sieben Menschen in der Kleinstadt Holt in Colorado umkrempelt und verwandelt.”
(Klappentext)

Aus meiner Rezension:
…über lange Strecken erzählt das Buch vom ganz gewöhnlichen Alltag in einer ländlich gelegenen Kleinstadt, ruhig und mit sorgsamer Langsamkeit. Hundert Seiten ziehen am Leser vorbei, ohne dass viel passiert, ohne nennenswerten Spannungsbogen.

Aber das ist nicht trivial, das ist das Leben.

Die Geschichte entwickelt ihre ganz eigene Art von Spannung, denn es ist alles so echt, so lebendig, so berührend.Ich habe in jeder Szene mit den Charakteren mitgefiebert – auch wenn sie nur dabei waren, Zeitungen auszutragen.

Loading Likes...

17 thoughts on “[ Montagsfrage ] 19. Februar 2018

  1. Ich muss zugeben, dass ich von diesen drei Büchern noch nicht einmal gehört habe, geschweige denn dass ich sie gelesen hätte. Damit hast Du drei tolle Bereicherungen für den Bücherpool im Raumschiff und für die nächsten Generationen mitgenommen. Und nach dem, was Du über diese Bücher schreibst, würde ich mir die auch gerne ausleihen.

    LG Gabi

  2. Hallo Mikka,

    eine interessante Auswahl. Die Bücher kannte ich alle noch nicht, aber sie klingen spannend. Vor allem das Buch über Schizophrenie spricht mich spontan an. Ich glaube, das muss ich mir auf die Wunschliste setzen. 🙂 <3

    Vielleicht magst du ja auch mal bei mir vorbeischauen? http://myna-kaltschnee.com/2018/02/19/montagsfrage-93-buecher-fuer-spaetere-generationen/ Ich würde mich sehr über deinen Besuch freuen.

    Liebste Grüße und eine schöne Woche!
    Deine Myna

    1. Huhu!

      Das ist sicher eine sehr gute Wahl! Ich habe mich entschieden für Bücher, die die Menschheit zum Zeitpunkt kurz vor der Katastrophe abbilden, aber es wäre gut, wenn wir ein Raumschiff voller Leute wären, die unterschiedliche Genres und Zeiten mitbringen. 🙂

      LG,
      Mikka

  3. Hey Mikka,

    wow, was für eine beeindruckende Zusammenstellung.
    Ich kenne die drei Bücher gar nicht und ich denke, dass sie eine Bereicherung auf unserem Weg ins All wären.

    Man kann nicht immer nur die “heiteren” Bücher mitnehmen, sondern muss auch düstere und wahre Texte mitnehmen.

    LG Kathi

    1. Huhu Lara,

      ich finde ein bisschen schade, dass du meist nur sowas hinterlässt wie “interessante Auswahl, hier ist meine”… Ich poste meine Beiträge immer auf Blogspot und WordPress, absolut identisch, und du hast diesen Kommentar auf beiden Blogs hinterlassen.

      LG,
      Mikka

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.