Rezensionen

[ Kurz und Knapp ] Anna Seidl: Es wird keine Helden geben

Anna Seidl Es wird keine Helden geben

© Cover ‘Anna Seidl Es wird keine Helden geben’: Oetinger
© Bild Smartphone: Pixabay


Handlung

Kurz, nachdem es zur Pause geläutet hat, hört Miriam einen Schuss. Zunächst versteht niemand, was eigentlich passiert ist, aber dann herrschen Chaos und nackte Angst. Matias, ein Schüler aus ihrer Parallelklasse, schießt um sich. Auch Miriams Freund Tobi wird tödlich getroffen. Miriam überlebt – aber sie fragt sich, ob das Leben ohne Tobi und mit den ständig wiederkehrenden Albträumen überhaupt noch einen Sinn hat. Waren sie und ihre Mitschüler Schuld an der Katastrophe?
(Klappentext)

Meine Meinung

Über dieses Buch wurde auf vielen Blogs bereits viel geschrieben. Daher gibt es von mir heute nur wenige Worte:

Originalität:

Bücher über Amokläufe an Schulen gibt es inzwischen viele – aus traurigem Anlass, kommen solche Amokläufe in der realen Welt doch viel zu häufig vor. Was an “Es wird keine Helden geben” direkt aufhorchen lässt, ist das jugendliche Alter der Autorin: Anna Seidl war selber erst 16 Jahre alt, als sie diese Geschichte schrieb, und damit ganz nahe dran an der Lebenswirklichkeit ihrer Charaktere. Diese Nähe spürt man auch, und alleine dadurch liest sich das Buch authentischer und letztendlich origineller.

Spannung:

Es ist weniger ein Buch über die möglichen Ursachen eines Amoklaufs oder die politischen Überlegungen zu Computerspielen oder Horrofilmen, sondern hauptsächlich ein Buch über das Weiterleben und die Verarbeitung nach einem traumatischen Erlebniss. Der Amoklauf selber nimmt erstaunlich wenig Platz im Buch ein, in wenigen rasanten Szenen, dafür wird viel über die Welt davor und die Welt danach geschrieben.

Daher besticht die Geschichte nicht durch handlungsorientierte, sondern durch psychologische Spannung.

Emotionale Wirkung & Charaktere:

Und das fand ich sehr berührend, denn man durchläuft mit der 15-jährigen Miriam wirklich alle Phasen der Trauer, von aggressiver Verweigerung über depressive Annahme bis hin zu zunehmend bewusster Annahme. Da sich die Handlung wirklich sehr stark auf sie alleine konzentriert, bekommt man von den Emotionen der anderen Charaktere zunächst nur am Rande etwas mit.

Aber je mehr Miriam sich mit ihrer Trauer beschäftigt – sich wirklich auf die Trauerarbeit einlässt – desto mehr nimmt sie wahr, wie es den anderen Überlebenden ergeht und dass diese zum Teil ganz anders damit umgehen… Und das nicht unbedingt auf gesündere Weise.

Bei Miriam kommt noch dazu, dass ihre lange verschollene Mutter wieder auf der Bildfläche auftaucht, was sie im ersten Moment weder annehmen will noch kann. Manchmal war mir dieses zusätzliche Problematik fast ein bisschen zuviel für ein Buch, das schon so eine starke zentrale Problematik aufweist.

Schreibstil:

Der Schreibstil ist schnörkellos, jugendlich und nimmt den Leser gerade dadurch mühelos mit ins Geschehen.

Fazit

Die 15-jährige Miriam überlebt einen Amoklauf an ihrer Schule – ihr Freund jedoch starb vor ihren Augen, und auch den Tod eines anderen Jugendlichen bekam sie unmittelbar mit. Es geht hier nicht um Killerspiele und politische Überlegungen, sondern ausschließlich darum, wie Miriam mit einer Welt umgeht, die für sie von einer Minute auf die nächste eine andere geworden ist.

Die Autorin war selber erst 16, als sie das Buch schrieb, und diese Nähe zum Alter ihrer Protagonistin spürt man auf jeder Seite. Die Geschichte hat etwas Bestechendes, dem ich mich kaum entziehen konnte; sie bringt die Emotionen von Miriam sehr unmittelbar rüber und liest sich unglaublich lebensecht und glaubhaft.

Wertung4,5 von 5 Sternen
TitelEs wird keine Helden geben
Originaltitel
Autor(in)Anna Seidl
Übersetzer(in)
Verlag*Oetinger
Seitenzahl*256
Erschienen am*20. Januar 2014
GenreJugendbuch
* bezieht sich auf die abgebildete Ausgabe des Buches

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4 thoughts on “[ Kurz und Knapp ] Anna Seidl: Es wird keine Helden geben

  1. Mich konnte das Buch damals nicht ganz so begeistern. Ich ziehe definitiv meinen Hut davor, dass ein so junger Mensch ein Buch zu diesem Thema geschrieben hat, aber mir fehlte einfach das Drumherum, mir war es so einfach zu einseitig geschrieben.
    Nichtsdestotrotz ein stellenweise sehr fesselndes Buch mit einem leider immer wieder aktuellen Thema.

    Liebe Grüße
    Kerstin

    1. Huhu Kerstin,

      es ist definitiv sehr start fokussiert auf die Gefühle der Progatonistin, aber das hat mich nicht so gestört, weil es ja wirklich schon viele Bücher gibt, in denen es auch um andere Aspekte geht – aber ich verstehe, was du meinst! 🙂

      LG,
      Mikka

  2. “Es wird keine Helden geben” steht ja schon seit Erscheinen auf meiner Wunschliste, aber irgendwie bin ich nie dazu gekommen, es mir mal zuzulegen, geschweige denn, es auch zu lesen. Dabei ist es ein so wichtiges Thema und ich kann mir gut vorstellen – das schreibst du ja auch -, dass eine so junge Autorin die Generation und besonders deren Gefühle, aber auch Sprache, gut verschriftlichen kann. Bei älteren Schriftstellern wirkt das ja schnell sehr aufgesetzt.
    Eine schöne Rezension! Ich hoffe, ich komme irgendwann auch noch zur Lektüre.

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